25.11.1991

Hausmitteilung Betr.: Dubcek

Hausmitteilung Betr.: Dubcek, Indios
Die Wahrheit, man weiß es, versteckt sich oft dauerhaft. Doch manchmal drängt sie auch explosiv zutage - das mußte der gelernte Schneider und Kommunist Vasil Bilak erfahren. Er war einer jener rund 40 tschechoslowakischen KP-Kader, die Moskau im August 1968 um Intervention gegen den Human-Kommunisten Alexander Dubcek baten. Dafür wurde er nach Dubceks Verhaftung ZK-Sekretär und Politbüromitglied. Jahre später behauptete Bilak in einem SPIEGEL-Gespräch (44/1985), auch Dubcek habe seinerzeit den Hilferuf an Moskau unterschrieben - mit dem Tenor, das Land sei "von einem konterrevolutionären Umsturz" bedroht.
Nochmals drei Jahre später protestierte Dubcek, gleichfalls im SPIEGEL (33/1988), gegen diese Behauptungen: "Ich habe keinen solchen Text unterschrieben." Am 19. September 1991 gab Bilak endlich die volle Wahrheit zu Protokoll: Dem Stadtbezirksgericht 1 in Bratislava legte er auf Klage des jetzigen Parlamentspräsidenten Dubcek hin eine Erklärung vor, in der er eingesteht, er habe seinerzeit "unwahrhaftig angegeben", die CSSR sei von einem "konterrevolutionären Putsch" bedroht gewesen. Und: "Gleichzeitig habe ich auch unwahrhaftig angegeben, daß Alexander Dubcek jenes Dokument unterschrieben hat. Dafür entschuldige ich mich öffentlich." SPIEGEL-Reporter Hans-Joachim Noack besuchte den nun voll rehabilitierten Dubcek - so wie er steht kein (Ex-)Kommunist in ganz Osteuropa da (Seite 192).

DER SPIEGEL 48/1991
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