23.09.1991

Moskau schoß im Vietnamkrieg mit

In Moskau werden erstmals Einzelheiten über die Beteiligung sowjetischer Militärberater bei Kampfhandlungen im Vietnamkrieg bekannt. Der damalige Stabschef Boris Woronow erklärte, daß von insgesamt 4000 sowjetischen Beratern 13 in Vietnam gefallen sind. Ilja Schtscherbakow, von 1964 bis 1974 Botschafter in Hanoi, berichtete, daß die Sowjets während seiner Amtszeit modernstes Gerät im Wert von täglich 1,5 Millionen Rubel an Nordvietnam geliefert hatten. Das sowjetische Engagement begann nach dem Sturz Chruschtschows, der trotz der ersten US-Angriffe auf Nordvietnam zögerte, dem sozialistischen Bruderland zu helfen - der Generalsekretär stand, so Schtscherbakow, noch immer unter dem Eindruck der Kuba-Krise. Andere ZK-Mitglieder, darunter die späteren Parteichefs Breschnew und Andropow, drängten dagegen auf umfangreiche Hilfe. Am wirksamsten erwies sich die Flugabwehr, die Moskau für die Nordvietnamesen installierte. Weil es zunächst an einheimischem Bedienungspersonal fehlte, mußten sowjetische Spezialisten die Raketenbatterien selbst bedienen. Der Oberbefehlshaber der sowjetischen Militärberater, General a. D. Wladimir Abramow, behauptet heute, seine Soldaten hätten 1044 US-Flugzeuge über Nordvietnam abgeschossen. Auch in Washington war das direkte Eingreifen stets vermutet, aus Sorge vor einer Ausweitung des Kriegs aber nie öffentlich angeprangert worden.

DER SPIEGEL 39/1991
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