23.09.1991

Ketzer und Rebell

Er war einer jener "Tollköpfe, Einsiedler, Ketzer, Träumer, Rebellen und Skeptiker", die nach seiner Überzeugung allein wahre Literatur hervorbringen können: Jewgenij Samjatin (1884 bis 1937). Der gelernte Schiffsbauingenieur, in jungen Jahren romantischer Bolschewik, wurde als Verfasser des anti-utopischen Romans "Wir" (1920) berühmt; er nahm damit Huxleys "Schöne neue Welt" und Orwells "1984" vorweg. Nach einem tollkühnen Brief Samjatins an Stalin durfte der Literat 1931 verblüffenderweise ins Pariser Exil ziehen, aber sein prophetischer Roman konnte erstmals 1988 in der UdSSR erscheinen. Auch mit anderen Schriften gehört Samjatin zu den anregendsten russischen Autoren des Jahrhunderts. Das beweist jetzt eine vierbändige Werkausgabe (Gustav Kiepenheuer Verlag, Leipzig und Weimar), die auch autobiographische Aufzeichnungen und Erzählungen enthält; ein Nachwort des Herausgebers Karlheinz Kasper porträtiert den Schriftsteller.

DER SPIEGEL 39/1991
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


  • Hongkong vor der Wahl: "Die Lage kann sich sofort wieder zuspitzen"
  • Skydiving: Tanz im freien Fall
  • Ex-Mitarbeiterin des Nationalen Sicherheitsrates der USA: "Das ist die traurige Wahrheit"
  • SpaceX: Video zeigt Explosion von "Starship"-Raumtransporter