25.11.1991

Uno: Ghalis Nahost-Pläne

Der vom Sicherheitsrat als neuer Uno-Generalsekretär nominierte Butros Butros Ghali, 69, möchte die Vereinten Nationen aktiv am Friedensprozeß im Nahen Osten beteiligen. Eine Langzeitlösung, so der Ägypter, der als Mitarchitekt des ägyptisch-israelischen Friedensvertrages schon in Camp David dabei war, könne "nur durch eine internationale Verankerung in enger Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen gewährleistet werden". Mit dieser Forderung steuert Ghali auf einen Konflikt mit den Israelis zu, die eine stärkere Uno-Rolle bei der Nahost-Friedenskonferenz ablehnen. Ghali will sich in seiner neuen Funktion auch verstärkt dem wichtigsten "Zukunftsproblem der Menschheit" widmen, dem "gefährlichen Auseinanderklaffen zwischen den Industriestaaten und den immer weiter zurückfallenden Ländern der Dritten Welt". Die Überwindung des Nord-Süd-Konflikts hatte schon Perez de Cuellar als vorrangige Aufgabe betrachtet. Der Uno-Sicherheitsrat hatte sich in der vergangenen Woche auf den Ägypter als Kompromißkandidaten geeinigt. Nach ungeschriebener Uno-Regel sollte der kommende Generalsekretär diesmal aus Afrika kommen. Mit der Wahl Ghalis, eines koptischen Christen, werden nicht nur die Erwartungen der Afrikaner erfüllt. Auch für die Araber ist Ghali akzeptabel.

DER SPIEGEL 48/1991
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