25.11.1991

Westsahara: Poker um Wahllisten

Der Uno-Friedensplan, der den Konflikt um die Westsahara lösen soll, droht zu scheitern. Anstatt der erlaubten 65 000 Soldaten hat König Hassan II. von Marokko noch immer 167 000 Mann in dem umstrittenen Gebiet stationiert. Zweifelhaft scheint jetzt sogar, ob das Referendum, in dem die Saharauis über Unabhängigkeit oder Anschluß an Marokko abstimmen sollen, wie geplant im Januar stattfinden kann. Denn die Kontrahenten können sich nicht über die Wahllisten einigen. Der Friedensplan geht von 74 000 Wahlberechtigten aus - Ergebnis einer Volkszählung von 1974. Neue Einträge müssen von den Uno-Überwachern im Einzelfall geprüft werden. Mit einer forcierten Siedlungspolitik hat König Hassan in den vergangenen Jahren die Einwohnerzahl zu seinen Gunsten manipuliert. Jetzt verlangt er, 120 000 Neuwähler in die Listen aufzunehmen. Damit will der König sicherstellen, daß seine Annexion der Westsahara, um die er über 15 Jahre lang einen kostspieligen Krieg geführt hat, bestätigt wird. Verliert Hassan das Referendum, könnte am Ende sogar sein Thron wackeln.

DER SPIEGEL 48/1991
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