25.11.1991

„Die kriegen mich nicht“

Wie er da so herumhockt, mit seinem von Anspannung erfaßten, pendelnden Oberkörper, aus dem bisweilen der Kopf zitternd hervorruckt, ähnelt der ältere Herr einem abgekämpften Raubvogel. Es folgen Momente einer seltsam anmutenden Erstarrung, in denen der Vorsitzende der tschechoslowakischen Bundesversammlung, Alexander Dubcek, jeden einzelnen seiner Abgeordneten zu fixieren scheint. Doch der stechende Blick hat zugleich etwas Geistesabwesendes.
Während im Prager Parlamentssaal die Mitglieder der ersten frei gewählten Volksvertretung seit 1946 die Rechte von Hauseigentümern debattieren, widmet sich ihr Präsident einem gänzlich anderen Vorgang: Er grübelt über die Putschtage vom August in Moskau nach.
Unterbrochen von Pausen, in denen es spürbar in ihm arbeitet, schreibt er schleppend an einer "Dokumentation, die Ereignisse und meine Haltung dazu betreffend". Sorgsam wird aufgeführt, wann und in welcher Form der Umsturzversuch von ihm kommentiert worden ist. Wie Dubcek später verlauten läßt, geschah das "mehrfach und rechtzeitig" - und zwar "per Fax" mit guten Wünschen für Boris Jelzin.
Der nach Staatschef Vaclav Havel in der CSFR ranghöchste politische Repräsentant steht unter Rechtfertigungsdruck. Vieldeutig hat ihn der rauschebärtige Anführer der Christdemokraten, Vaclav Benda, attackiert, "in der Sache Moskau zögerlich und abwartend gewesen zu sein". Wer möchte, darf den schlimmen Verdacht heraushören, der vormalige Erste Sekretär der KPC habe klammheimlich mit dem Sieg der revoltierenden Clique um Gennadij Janajew gerechnet.
"To vola do nebe - das schreit zum Himmel!" ruft der Angegriffene wütend aus, und in seine Züge gräbt sich der Abscheu über so viel Niedertracht ein. Kann er sich nicht auf Zeugen wie den allseits geschätzten Venek Silhan stützen, der in der sowjetischen Hauptstadt die von ihm verfaßten Solidaritätspapiere zum Teil persönlich übergab?
So ist es besorgt worden, und der Abgeordnete Silhan, der der Gruppe des liberalen Außenministers JirI Dienstbier angehört, spricht nun entgeistert von einer "säuischen Unterstellung". Aber was nützt das schon? In der Bewertung Dubceks geht es kaum mehr um Fakten - ein in der Öffentlichkeit waberndes Grundgefühl soll verfestigt werden.
"Einmal Kommunist, immer Kommunist!" skandieren auf dem Wenzelsplatz die Gefolgsleute eines "Klubs engagierter Parteiloser". Verkehrte Welt in der Stadt an der Moldau: Während der italienische Botschafter der Leitfigur des 1968 plattgewalzten Prager Frühlings den Orden "Ritter des Großen Kreuzes" um den Hals hängt, weht der Herbstwind zu Tausenden Rasterfotos durch die Straßen. Die zeigen den Reformsozialisten mit dem verhaßten Breschnew beim Bruderkuß.
Erledigt scheint der ehrgeizige Anspruch aus den Novembertagen des vorvergangenen Jahres, eine "samtene Revolution" verwirklichen zu wollen. Allen voran der Dichter Havel hatte da seine Bereitschaft, dem befreiten Staat als erster Präsident aufzuhelfen, von Alexander Dubceks Wiedergeburt abhängig gemacht. Indem die Wortführer der Dissidentenbewegung "Charta 77" und jene des Aufbruchs von ''68 einander unterzuhaken gelobten, sollte dem ausgelaugten Land neue Zuversicht vermittelt werden.
Dieses Bündnis trägt so nicht mehr. Zwar hält sich der Poet und gute Mensch auf dem Hradschin vorsichtig zurück - er sehe "keinen Grund", seines Partners Abberufung anzustreben. Doch das gesellschaftliche Kräftefeld hat sich deutlich verschoben. Aus dem zersplitterten revolutionären Gründerverein "Bürgerforum" ist eine starke Mitte-Rechts-Partei (ODS) mit dem alerten Finanzminister Vaclav Klaus an der Spitze gewachsen. Den kümmern frühere Absprachen wenig.
Mag sich der Parlamentschef im Ausland (wie im April in Bonn, als er Willy Brandt in den Armen lag) auch noch so hoher Wertschätzung erfreuen - die Tschechoslowakei drängt nach Bewältigung ihrer Vergangenheit. Neben dem Münchener Abkommen 1938 gelten die "Unterwerfungsprotokolle" von Moskau 1968 als das alles überschattende Trauma; und Dubceks Anteil daran wird nun gewogen.
Das Volk spaltet sich, und mit ihm spalten sich seine Vertreter. Anläßlich ihrer gegenwärtigen Sitzungsperiode entbrennt der Streit in der Bundesversammlung vor allem in den Pausen, wenn in der langen Wandelhalle unter der Bronzebüste des Staatsgründers Tomas G. Masaryk Befürworter und Gegner aufeinandertreffen. Um der "inneren Stabilität" willen Dubcek zu schonen, mahnt da etwa der Abgeordnete Petr Uhl. "Der Mann muß weg", widerspricht ihm der Kollege Stanislav Devaty.
Und der Vorsitzende, der in dieser Woche 70 Jahre alt wird, hält sich in Hörweite auf. In einem Wechselspiel von Ruhelosigkeit und Beharrungsvermögen treibt es ihn manchmal buchstäblich im Trab durch den weitverzweigten Gebäudekomplex, mal pflanzt er sich wie angewurzelt inmitten der Disputierenden auf. "Im Parlament ist es lustig", entfährt es ihm in einem Anflug beißender Ironie.
Dubceks Sarkasmus ist ein Versuch, seine Enttäuschung zu kaschieren. Denn wären es allein Erzkonservative vom Schlage Bendas, der wie ein rächender Rübezahl im Namen der vormals Erniedrigten und Verfolgten über den zweiten Mann im Staate herfällt, er könnte damit wohl leben. Aber unter seinen Kritikern finden sich ja auch frühere Weggefährten.
Einer heißt JirI Ruml, bis zum Ende des 68er Höhenflugs selbst Reformkommunist. Der steht heute als Koordinator einer "Kommission 17. November" vor, die die Verstrickungen ehemaliger Amtsinhaber erforscht, und läßt an seinem früheren Freund kaum noch Gutes.
Alexander Dubcek ein tragischer Held, wie er sich 1968 der damals mitleidenden Außenwelt eingeprägt hat? Ruml sieht den im Westen ob seiner Kühnheit gepriesenen Vorreiter für Glasnost und Perestroika eher als Zauderer, der "nur wenig Rückgrat bewies". Nach Moskau verschleppt, habe er sich nicht nur da gebeugt, sondern in seiner Abhalfterungsphase als Parlamentschef auch die Gesetze über den Ausnahmezustand bestätigt.
Und mehr: Ins Zwielicht gerät jetzt desgleichen sein Werdegang vor dem Frühlingserwachen. Hatte da der auf den Vater fixierte Sohn eines linientreuen, streng moskauorientierten Mitbegründers der slowakischen KP nicht wie im Bilderbuch Karriere gemacht? Welcher Preis ist gezahlt worden?
Es mag für Dubceks Arglosigkeit sprechen, daß er solchen Rigorismus, von dem er sich nun verfolgt sieht, in den Tagen des Neuanfangs kaum für möglich hielt. Da irritierte ihn zwar, daß statt seiner ein noch kaum bekannter politischer Amateur namens Vaclav Havel auf die Burg gerufen wurde, aber immerhin: In die erste Reihe eingebunden zu werden, schien dem Renegaten von 1968 schon selbstverständlich.
Im vollendeten zweiten Jahr nach der Revolution beginnt ihm zu dämmern, wie wenig dieses Comeback noch mit seinen Ideen zu tun hatte. Nicht der Protagonist eines "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" war gesucht und gebeten worden, sondern ein Mann des Übergangs. Der gebürtige Slowake sollte zudem den zerbrechlichen nationalen Proporz stabilisieren helfen.
Das kränkt, und in Dubceks knappe Statements schleicht sich jetzt häufig ein Hauch der Verbitterung ein. Elegisch klagt er über "die dunklen Seiten einer demokratischen Revolution, die die Feinde in ihren eigenen Reihen sucht". Düster fragt der Präsident, "ob die Massen das schon ahnten", als sie auf dem Prager Letna-Gelände den Umschwung erzwangen.
Komplizierte CSFR: Wie soll es ein Mensch mit seiner Biographie begreifen, daß nun ausgerechnet er, der von den Stalinisten zum Forstbeamten heruntergestraft, nahezu zwei Jahrzehnte quasi im Wald gehaust hat, als die große Reizfigur empfunden wird? Wie läßt sich das nachvollziehen, wenn zugleich die Betonriege um den KP-Generalsekretär Milous Jakes im Exil ihrer Villen außerhalb jeder Erörterung bleibt?
Aber es scheint denn doch so etwas wie eine innere Logik zu geben, die die _(* 1971 in Bratislava. ) Gemütsaufwallungen erklärbar macht. Sich über die Marionetten Jakes und Co. zu erregen, lohnt die Anteilnahme nicht. Nur einer wie Dubcek gestattet den Blick auf eine Verhaltensweise, die auch der Volksseele verwandt sein könnte. Ein Stück des sprichwörtlichen Schwejk wird in ihm besichtigt - der zieht neuerdings Aggressionen auf sich.
Als den "wohl verwerflichsten seiner Fehltritte" kreidet ihm Ruml folglich an, daß sich Dubcek noch 1969 in der Türkei zum Botschafter bestellen ließ: "Ein Akt der Selbstdemütigung." Anhänger des Parlamentspräsidenten wie sein Stellvertreter Zdenek Jicinsky weisen die Angriffe zurück: Mit solchen Bewertungen offenbarten die Inquisitoren ihr nagendes Unbehagen "an der eigenen Mutlosigkeit und Schuld".
Bezeichnend dafür ist ein kürzlich verabschiedetes sogenanntes Durchleuchtungsgesetz. Wer der KPC auch nur als Bezirkssekretär angehört hat, wird danach in den nächsten fünf Jahren auf einen Job im Öffentlichen Dienst verzichten müssen. "Von ihrem Benehmen her", empört sich der Abgeordnete Milos Zeman, sei die Tschechoslowakei "noch immer totalitär".
Daß der Parlamentschef dem Verdikt die Unterschrift verweigert hat, zeigt den Grad der Verhärtung an. Vorbei soll nun die Zeit einer langanhaltenden Selbsttäuschung sein, in der sich Alexander Dubcek nur allzu bereitwillig seine vermeintlich unverminderte Bedeutung vorgaukeln ließ.
Statt dessen setzt sich der Kämpfer in Szene. Handsigniert verschenkt er gern einen soeben erschienenen Fotoband, der ihn allem voran in den Jahren seiner Isolation abbildet. Vorgeführt wird ein Robinson Crusoe, der sich unter den Augen der gefürchteten tschechoslowakischen Stasi StB nicht allein in erzwungene Kontemplation einübte. Ob beim Fischen oder während der Schweinemast, im Holzfällerhemd oder mit freiem Oberkörper - es präsentiert sich stets ein Unbeugsamer.
"Profile des Trotzes" heißt das in mehreren Sprachen getextete Buch: ein Titel, der wie auf die Gegenwart zugeschnitten wirkt. Und das ist auch so beabsichtigt. "Soll mich treten, wer will", sagt der Präsident und spreizt in seinem Büro die Finger zum Victory-Zeichen, "die kriegen mich nicht."
Vorbei die schönen Träume, in die er sich hineinversenkt hatte, wann immer ihm in der so bezeichneten Normalisierungsphase ein privater Prag-Besuch erlaubt war und schon der verstohlene Gruß eines Passanten seine Rückkehr-Phantasien beflügelte. Heute weiß er, daß er fighten muß, um mit seinesgleichen "nicht vom Aufbau der Demokratie ausgeschlossen zu werden".
Verbreitet sich Dubcek über das von ihm vertretene Staats- und Gesellschaftsverständnis, geschieht das mit Bedachtsamkeit. Konzentriert, manchmal stockend, spricht der Novize, der sich des gängigen Vokabulars, das in seiner neuen Bruderschaft gepflegt wird, noch unsicher bedient. Überzeugend kommt sein Bekenntnis zum Pluralismus, aber zugleich scheint ihm auch der Hinweis wichtig, daß er sich "dazu nicht ohne Schmerzen durchgearbeitet" hat.
So redet kein Mann, der seinen vielzitierten humanen Sozialismus in der Zeit der Abgeschiedenheit wie in einer Vakuumkammer konserviert hat. Daß "die Parolen von Prag ''68 gegen ein totalitäres System gerichtet waren" und heute "in ihrem historischen Kontext bewertet werden müssen", ist dem Politiker einsichtig. Der Alexander Dubcek des Jahres 1991 fühlt sich der sozialen Marktwirtschaft verpflichtet.
Seine Gegner wollen da andere Signale empfangen haben. Namentlich auf Auslandsreisen, wie zuletzt in Australien, ergehe sich "der gescheiterte Kommunist" noch immer in Schwelgereien über einen "dritten Weg", den das Land jetzt angeblich einschlage. Verärgert sah sich der Finanzminister Vaclav Klaus kürzlich bemüßigt, "dieses Bild von der CSFR zu korrigieren".
Das brachte den Parlamentspräsidenten seinerseits in Rage: Wer die Jahrzehnte der in der Tschechoslowakei herrschenden Friedhofsruhe "relativ komfortabel überdauert hat", so schob er energisch nach, soll nicht einen belehren, der aus seinen Fehlern sehr viel früher die Konsequenzen zog.
Und da ihn die lange Einsamkeit nicht umgebracht hat, hat sie ihn erkennbar kompromißloser gemacht. Parteipolitisch gesehen, steht der Vorsitzende des obersten Gesetzgebungsorgans seit Wochen nur noch für sich selbst. Die slowakische Organisation "Öffentlichkeit gegen Gewalt" (VPN), der er seine Kandidatur verdankt, war ihm "zu rechtslastig geworden".
Es gibt Indizien für einen wachsenden Hang zur Vereinzelung, der aber mitunter von Ausbrüchen begleitet ist. Von Zeit zu Zeit zieht es Dubcek zu seinem alten Mitstreiter, dem einstigen ZK-Sekretär Vaclav SlavIk, heute Rentner, der in einer 38-Quadratmeter-Wohnung lebt.
Der Gast packt italienischen Käse aus und nimmt in der Kuhle jenes Lammfellsofas Platz, auf dem er bei seinen Prag-Visiten seit Anfang der siebziger Jahre häufig kampiert hat. Im Grunde ist er "nur auf einen Sprung" herübergekommen, aber es werden dann immer viele Stunden bis weit nach Mitternacht, in denen eine Flasche finnischen Wodkas langsam den Frust vertreibt.
Der Kreis der Reformkommunisten von ''68 - respektive derer, die ihn publizistisch begleiteten - ist zu einer kleinen Altmännerrunde geschrumpft. Weder gelang es der Revolution, die emigrierten ökonomischen und sozialen Vorkämpfer wie Ota Sik oder JirI Pelikan in die Heimat zurückzurufen, noch bequemten sich die verbalen Ästheten des damaligen Widerstands, etwa Milan Kundera oder Pavel Kohout, in das Prag der Neuzeit ihr Gewicht einzubringen.
Einzig Zdenek Mlynar hält sich noch beständig in der Nähe Dubceks auf - doch auch er mit relativierenden Untertönen. Der Präsident, so sieht es sein seinerzeit engster Berater, habe in der Phase der Intervention eindrucksvoll seinen Mann gestanden und sei nun von der Normalität zunehmend überfordert: "Je länger er mitspielt, desto mehr beschmuddelt er sich."
Mlynar wertet die Rolle des "charismatischen Ideenvermittlers" als "in gewissem Sinne tragisch" - und reizt den Freund damit zum Widerspruch. "Obwohl es noch 20 Jahre gedauert hat", beharrt der um seinen historischen Rang besorgte Dubcek, "Europa und die Welt waren nach dem Prager Frühling anders als vor ihm." Ohne Prag, das erscheint ihm gesichert, auch kein Umsturz in der Sowjetunion.
Sind das Schlachten von gestern, die nur noch eine Minderheit interessieren? Mit einer höhnisch dahingeplapperten Metapher sucht so einer von Dubceks Stellvertretern, der slowakische VPN-Kontrahent Milan Sutovec, die Diskussion zu verflachen: Man müsse den Herrn schonungsvoll "wie eine nette Antiquität" behandeln.
Die andauernde Verbissenheit, mit der um des Präsidenten Bild und Selbstbild gestritten wird, spricht dagegen. Erachtet ihn auch einer wie der Parteichrist Benda als "unverbesserlich", ist er offenkundig doch nicht fertig mit ihm. Denn Alexander Dubcek, der nach Einschätzung des Abgeordneten und Filmregisseurs Pavel Dostal "zum Sozialdemokraten mit Rucksack wurde", hält dem Land den Spiegel vor.
Das erklärt das Zwanghafte der Auseinandersetzungen. Rechte wie Vaclav Klaus lasten Linken an, den bankrotten Sozialismus zumindest in Rudimenten retten zu wollen - "und deshalb ihre Parteinahme für Dubcek". Linke, etwa Ivan Fisera, Vorsitzender eines SPDähnlichen Parlamentarier-" Klubs", bezichtigen die Konservativen, "die gemeinsam erlittene Historie schlichtweg abzusprengen". _(* Vor seinem Landhaus in der Nähe von ) _(Bratislava. )
Und darüber hinaus tut sich ein Graben auf, den der Rechtsprofessor Zdenek Jicinsky, 62, als "den Widerstand der nachgewachsenen Generation gegen die Fehler der Alten" beschreibt. "Die Jugend kennt die Geschichte ihres Landes nicht und will sie nicht kennen."
Die Jugend, in der tschechoslowakischen Volksvertretung geradezu exemplarisch personifiziert durch den 22jährigen JirI Dienstbier, Sohn des Außenministers, sitzt dem Präsidenten unmittelbar gegenüber. "Irgendwelche Gefühle angesichts einer gewiß geschichtsträchtigen Figur" hat er nicht.
Alexander Dubcek gilt dem Studenten als "ehrlich und anständig", aber auch als "Mann, der in seinen Widersprüchen den demokratischen Neubeginn ziemlich erschwert". Soll er noch ein bißchen bleiben, wenn die Welt ihn angeblich so mag; soll er still seinen Hut nehmen - wen interessiert das schon.
Verwirrende Tschechoslowakei, die sich in tausend Ungereimtheiten verheddert: Für den Vater des Prager Frühlings wirbt der einstige Dissident Petr Uhl, mit beinahe einem vollen Jahrzehnt im Knast eines der größten Ärgernisse des dahingegangenen Regimes. Dubcek zur Seite steht mit gefalteten Händen aber auch der KPC-Genosse Ladislav Adamec, in der Zeit der Finsternis letzter Regierungschef.
Es gebe halt "Konstellationen, heute wie damals", sagt der Parlamentspräsident, über die man sich nur lustig machen könne. Allen Ernstes werde ihm immer wieder mal vorgeworfen, weshalb er ''68 "nicht mit den Händen gegen die Panzer und so . . ." Und schüttet sich aus vor Lachen. o
* 1971 in Bratislava. * Vor seinem Landhaus in der Nähe von Bratislava.
Von Hans-Joachim Noack

DER SPIEGEL 48/1991
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