25.11.1991

RÜCKSPIEGELZitate, Der SPIEGEL berichtete . . .

Dmitrij Kasutin in den Moscow News über die Veröffentlichung der geheimen Video-Protokolle vom Verhör der Moskauer Putschisten im SPIEGEL (Nr. 41/1991, Staatsstreich - Die Beichten der Putschisten):
Der SPIEGEL ist ein Spiegel. Das Heft vom 7. Oktober muß viele von uns geschockt haben . . . Es gibt eine Fabel, in der ein Affe sein eigenes häßliches Gesicht im Spiegel nicht erkennt. Wir sind klüger als der Affe. Wir verstehen genau, daß wir unsere eigenen Spiegelbilder in den bitter vertrauten Gesichtern jener inkompetenten, betrunkenen Putschisten erkennen . . . Der SPIEGEL hat alle geärgert. Die Journalisten platzen vor Neid, die Staatsanwälte der UdSSR und Rußlands sind erbost, die Patrioten tief verletzt. Sie können die ausländische Berichterstattung nicht länger als üble Verleumdung abtun. Sie müssen sich wohl mit dem Wort begnügen: "Schiebt es nicht auf den Spiegel, wenn ihr häßlich seid." *ÜBERSCHRIFT: Der SPIEGEL berichtete . . . *EINLEITUNG: . . . in Nr. 47/1991 DEUTSCHLAND - EINE FAST DEUTSCHE RAKETE über deutsche Spitzentechnik bei Raketen und Abschußrampen in Saddam Husseins Waffenlagern, die UN-Inspekteure im Irak entdeckten.
Im Eilverfahren ließen amerikanische Regierungsstellen Anfang voriger Woche diesen Artikel des SPIEGEL ins Englische übersetzen. Der Artikel bestärkt die Amerikaner in dem Verdacht, sie seien "von Bonn belogen worden", wie ein hochrangiger US-Beamter klagte. Grund für den Vorwurf sind "scheinheilige Beteuerungen", so einer der Ermittlungsführer, mit denen Bonner Emissäre während des Golfkrieges in der US-Hauptstadt hausieren gingen. Alle deutschen Besucher von Außenminister Hans-Dietrich Genscher bis zum FDP-Chef Otto Graf Lambsdorff, von CDU-Generalsekretär Volker Rühe bis zu Vertretern des zuständigen Wirtschaftsministeriums, hatten damals energisch bestritten, daß es irgendwelche Hinweise auf eine deutsche Beteiligung an dem irakischen Umbauprogramm für die aus der Sowjetunion stammenden Scud-Raketen gäbe. Das bestätige im übrigen auch ein israelischer Untersuchungsbericht, brüsteten sich damals die Deutschen. US-Nachforschungen in Jerusalem ergaben jedoch, daß es eine solche Studie gar nicht gibt. Mit dem SPIEGEL-Bericht sehen die Amerikaner den offiziellen Standpunkt der Bundesregierung widerlegt, deren Washingtoner Botschaft Anfang Februar in einem "Non-Paper" behauptet hatte, allen Hinweisen auf eine deutsche Beteiligung an der Scud-Modernisierung sei "unverzüglich nachgegangen worden".

DER SPIEGEL 48/1991
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