03.04.1989

GESTORBENBernard Blier

Bernard Blier, 73. Als junger Mann, in Vorkriegsfilmen von Marcel Carne ist es zu sehen, hatte er die Zartheit und Unbeholfenheit eines gutmütigen Dicken; erst im Lauf der Nachkriegs-Jahrzehnte hat sich die Physiognomie ausgeprägt, die in weit über 150 Filmen zu einem Markenzeichen des französischen Kinos wurde: der hochgewölbte Kahlkopf über einem seltsam weichen Gesicht mit schweren Augen. Ob als Kneipenwirt, Taxifahrer, Bankier oder Kriminalkommissar, Bernard Blier war immer der französische Biedermann par excellence, der vertrauenerweckende Pfeifenraucher und Baskenmützenträger, und am spannendsten wurde es, wenn sich hinter diesem Mondgesicht Abgründe auftaten: Dann konnte Blier - besonders gern als Gegenspieler seines Freundes Jean Gabin - mit sparsamsten Mitteln teigig-tückische Schurken darstellen, die eine Klasse für sich waren. Seine Talente als Komiker waren im Kino wenig gefragt, um so mehr kamen sie auf Pariser Boulevardbühnen zum Zug: Da trat er, manchmal jahrelang en suite, in Komödien von Achard, Roussin oder Anouilh auf, während er tagsüber filmte. Sein letzter Film "Mangeclous" kam im Dezember in die französischen Kinos; seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte er vor vier Wochen in Paris, als ihm ein Ehren-"Cesar" verliehen wurde. Am vergangenen Mittwoch ist Blier in Saint-Cloud gestorben.

DER SPIEGEL 14/1989
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