10.07.1989

Computer-Dienstleistung zu Billigpreisen

Unternehmen in westlichen Industriestaaten verlagern teure Dienstleistungen, vor allem bei der Datenverarbeitung, zunehmend in Niedriglohnländer. Der Münchner Siemens-Konzern etwa läßt seine Software unter anderem in Ungarn entwickeln und will demnächst auch in Indien - zu entsprechend niedrigen Personalkosten - Computerprogramme schreiben lassen. Indische Software-Firmen arbeiten bereits für die US-Großbank Citicorp und für Computerhersteller wie Hewlett-Packard. Die US-Fluggesellschaft American Airlines, die als eine der ersten Firmen Aufträge an Billigländer vergab, läßt ihre Tickets bereits seit fünf Jahren auf der Karibik-Insel Barbados abrechnen und dann in den Zentralcomputer in Tulsa/Oklahoma einspeisen. Die Verlagerung von rund 1000 Dienstleistungsjobs nach Barbados bringt der Fluglinie eine Kostenersparnis von 50 bis 60 Prozent. Dem Beispiel folgen immer mehr Firmen. So transportiert die Krankenversicherungssparte der New York Life Insurance Co. täglich Anträge auf Kostenerstattung nach Irland. Dort bearbeiten 50 Iren (Monatsgehalt: etwa 1600 Mark) die Anträge, geben die Daten in den Computer ein und übermitteln sie per Satellit in die USA zum Zentralcomputer des Unternehmens. Die Versicherung spart trotz der aufwendigen Übermittlung durch niedrigere Personalkosten einige 100 000 Dollar jährlich. Wegen der Verlagerung solcher und ähnlicher Dienstleistungen, so fürchten Experten, würden in den nächsten Jahren zunehmend Jobs in den Industriestaaten verlorengehen.

DER SPIEGEL 28/1989
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