08.05.1989

Kinder am Kabel: „Endstation Seh-Sucht“

Ist Fernsehen pure Videotie, Gift vor allem für die Kinderköpfe? 30 TV-Kanäle bombardieren die deutschen Kabelhaushalte mit Kino-Action und Gewaltserien. Die verführerische Bilderflut hat den kindlichen TV-Konsum dramatisch erhöht. Wissenschaftler warnen besorgt vor der neuen Droge - „Fernsehen ist seelische Vergewaltigung“.
Der Kampf ums Kind beginnt am Mittagstisch, wenn Schule und Kindergarten schließen.
Dann läßt der Kommerzkanal Sat 1 seinen "Lassie" von der Leine, die furchterregenden "Ghostbusters", und "Kimba, den weißen Löwen"; die Cartoon-"Familie Feuerstein" empfängt das Ehepaar Betty und Barney Geröllheimer. Beim Privat-Nachbarn RTL plus macht sich ein berüchtigter Plattfuß breit, der Prügelkoloß Bud Spencer. Es folgt Mord und Totschlag in Serie, der "Kampfstern Galactica" oder Krimistunden wie "Baretta". In seiner Kinderstunde "Bim Bam Bino" hämmert derweil der Sender Tele 5 Zeichentricks und grelle Musikvideos in die wehrlosen Kindsköpfe.
Im Sky und Super Channel ist auch fortwährend die Hölle los, Videoclips und Action. Der Kabel-Neuling Pro 7 rüstet mit der Familienserie "Liebe, Lüge, Leidenschaft"; im Sportkanal toben Bowling-Kämpfe. Die betagte ARD entfesselt ihren "Spaß am Dienstag", für das ZDF kobolzen Charly Brown und Snoopy.
Abends entspannt das Kabelkind beim wundertätigen "Knight Rider" und seiner sprachbegabten Limousine K.I.T.T. "Cannon" kommt, der fette Schnüffler, die Army-Oper "Operation Vietnam" und der "Reporter des Verbrechens". Am Wochenende schauen interessierte Frischlinge gern in nächtliche Killer-Paraden wie einst "Miami Vice". Bisweilen sitzen, zu solchen mordslustigen Betthupferln, noch gegen 23 Uhr rund 650 000 Kinder bis 13 Jahren am TV-Gerät.
Und kindgerechter ist selten die visuelle Kost, die der hauseigene Videorecorder herunterspult. Immer wieder bestätigen Recherchen an Haupt- und Realschulen, daß bereits horrorvernarrte Nesthäkchen sich am "Blutrausch der Zombies" und ähnlichen kannibalischen Orgien ergötzen - nicht selten in Gesellschaft ihrer hartgesottenen Erziehungsberechtigten.
Brutpflege dieser Art hat wohl Zukunft in der deutschen Fernsehstube. Der Gebrauch der neuen Bildschirm-Medien nähert sich allmählich den Usancen im TV-Mutterland USA, wo schon die Zwei- bis Fünfjährigen täglich satte vier Stunden in der Tele-Sintflut versinken und das Fernsehgerät sieben Stunden lang heißläuft. Steht nun, mit der gewaltigen Programm-Schwemme, auch die Bundesrepublik an der "Endstation Seh-Sucht", wie eine jüngst erschienene Berliner Kabelfernseh-Studie befürchtet? Die Television jedenfalls rückt immer stärker ins Zentrum der deutschen Kleinfamilie. Fast fünf Stunden lang ist täglich das verkabelte Gerät in Betrieb.
Da sitzen die kleinen Freaks im Paradies der neuen Medien, vor Video-, Kabel- und Satellitenprogrammen und schalten mit der Fernbedienung hektisch durch die multiple Programm-Einfalt. "Flipping" heißt die Jagd nach Action, Spiel und Spannung, bis zu 30 Kanäle sind in bundesdeutschen Kabelnetzen zu empfangen. Und die Kinder, die 3- bis 13jährigen, sind emsige Nutzer der elektronischen Spielwiese.
Unübersehbar ist: In verkabelten Haushalten steigt der kindliche TV-Konsum dramatisch an. Schon die Kleinsten, zwischen drei und sechs, sind im Kabelhaushalt mit täglich 55 Minuten dabei - fast doppelt so lange wie gleichaltrige Kinder in Behausungen mit öffentlich-rechtlicher Grundversorgung. Das hat eine Erhebung zum Dortmunder Kabelpilotprojekt ergeben, bei der westfälische Forscher Hunderte von Müttern und Erzieherinnen nach den TV-Gewohnheiten der Kinder fragten. Der Bundesdurchschnitt für verkabelte Kinder bis 13 Jahren liegt bei 95 Minuten, im terrestrischen Normalhaushalt bei 89 Minuten.
Das Dortmunder "Ergebnis hat uns erschreckt", sagt der Pädagoge Dieter Höltershinken. Unabhängig "von allen anderen Bedingungen innerhalb und außerhalb der Familie steigert das durch Verkabelung erhöhte Programmangebot den kindlichen Fernsehkonsum". Kinder, die besonders lange vor dem Bildschirm sitzen, seien "vorwiegend negativ aggressiv, phantasiearm und träge". Der verführerischen Colorvision, der Macht der buntbewegten Bildern erliegen zuallererst die Kinder.
Vor allem am Wochenende summiert sich, wenn die Erzieher nicht wachsam sind, der TV-Konsum leicht auf vier bis fünf Stunden täglich. Die kleinen Racker sind nicht wegzuprügeln von den Reizen der Kommerzkanäle, von all den Krimi-, Agenten-, Action-, Abenteuer-, Science-fiction- oder Westernserien, die Deutschlands hart konkurrierende Private in die Wohnstuben funken.
Mit rund 500 Serien-Episoden monatlich bombardieren allein die Privatstationen Sat 1 und RTL plus ihre Klientel, und auf dieses Angebot sind besonders die Kinder scharf. 45 Prozent ihrer TV-Zeit widmen die Kinder den beiden expansionslüsternen Kommerzsendern. RTL plus hat bereits einen Extraservice für langschläfrige Eltern eingerichtet: Samstags und sonntags, von 8 bis 10 Uhr, werden kindliche Frühaufsteher mit Trickfilmshows von den Ehebetten ferngehalten.
20 Stunden täglich bringt Sat 1 seinen armseligen Serien- und Spielfilm-Frohsinn über die verdrahteten Deutschen. Ebenso viel sendet der "Fußball- und Titten"-Spezialist RTL plus. Mancherorts penetrieren die Privaten auch terrestrisch das Fernseh-Heim und erreichen damit fast 25 Millionen Zuschauer. Aus München schickt Tag und Nacht die schrille Musikbox Tele 5 ihre Videoclips in die fünf Millionen Kabelhaushalte. Auch der Spielfilm-Kanal Pro 7 ringt schwer um Marktanteile. Mit Macht drängt das Pay-TV "Teleclub" zum Abonnenten-Geld.
In jedem dritten deutschen Kinderzimmer steht der Zweitfernseher, zehn Millionen Videorecorder sorgten 1988 für das beste Geschäftsjahr in der Branchen-Geschichte - rund 1,6 Milliarden Mark gingen für Software über die Ladentische. Wie soll bei diesem Bildersturm der Nachwuchs unbeschadet Leib und Seele ausbilden?
Die Erwachsenen stehen der Offensive häufig hilf- und ratlos gegenüber. Erste allgemeine Verunsicherung: 60 Prozent der Eltern, ermittelten Demoskopen, wissen nicht, welche Sendungen ihren Zöglingen bekömmlich sind. Kinder und Fernsehen - eine gefährliche Liaison, so denken viele Experten. Fernsehsüchtig, aber nicht fernsehtüchtig seien die Kinder. Vor allem bei den Kleinen, bis zur Schulpflicht, führe regelmäßiger Fernseh-Genuß zu vorzeitiger Umnachtung. Skepsis liegt über der "Sesamstraße", sogar an der famosen "Sendung mit der Maus", die doch in epischer Geruhsamkeit hübsche, lehrreiche Geschichten erzählt, nagt der Zweifel.
Bremens Bildungssenator Horst-Werner Franke etwa erkennt einen "Zusammenhang zwischen Analphabetismus und Vorschul-Fernsehen". Das Fernsehen sei ein Kinderschänder und wirke wie eine Vollnarkose, wie eine "seelische Vergewaltigung", klagt der Berliner Literaturwissenschaftler Hans Dieter Zimmermann, der dringlich ein generelles TV-Verbot für Kinder im Vorschulalter verlangt (siehe Seite 227).
Der Krach ums Kind reicht weit zurück, bis in die Kindheit des deutschen Fernsehens.
Fasziniert hockten schon damals die Nachkriegsgören vor dem formschönen Grundig-"Zauberspiegel" (mit der "Weitempfangsröhre E 88 CC"), schauten fiebrig auf "Die verhexte Kuchenwalze", das Gymnastical "Mutti turnt mit uns" und den Leibeserzieher Adalbert Dickhut. Es gab die "Abenteuer mit Fiete Appelschnut", das "Zeichnen mit Onkel Fridolin". Im "Fernsehkinderfunk mit Dr. Ilse Obrig" schnitzten glückliche Studio-Kinder possierliche Kartoffelmännchen, und die Tante Ilse predigte die schönsten Lebensweisheiten der fünfziger Jahre: "Sei fröhlich und bescheiden allerwege!" und "Ehre das Alter!" Doch auch mit gerontophilen Schmeicheleien waren die Alten vom Segen des neuen Bildfunks nicht zu überzeugen.
Pädagogen, Psychologen und Mediziner, sogar die TV-Direktoren hielten es für "verbrecherisch", nackten "Irrsinn", heranreifendes Leben der dämonischen E 88 CC auszuliefern. Aufgeregt riefen die deutschen Erzieher, "Dämme gegen Vermassung und Süchte zu bauen". Das Fernsehen "zerstört das kindliche Seelenleben", mahnten sie, und es sei verantwortlich auch für grausige Gebrechen - das augenleidige Flimmerskotom, Fernsehbeine, Fernseh-Epilepsie und das "polysymptomatische Bildschirmsyndrom". Bekümmert zeichnete "Bild" das Antlitz kommender Generationen: "Augen so groß wie Untertassen, aber die Gehirne von Spatzen".
Ein Heer von Schrumpfköpfen, das sprachlos vor der Television verblödet - diese Vision peinigt auch moderne Propheten, die sehr mißvergnügt Jungdeutschlands lockeren Umgang mit der Unterhaltungselektronik inspizieren.
Zahlreich und sehr überzeugend sind ja tatsächlich Indizien, die für die Unverträglichkeit des überbordenden Bilder-Mülls sprechen. Einen dramatischen Niedergang der Lesekultur in Deutschland haben Demoskopen schon 1984, in der Studie "Jugend und Medien", konstatiert - Triumph des Fernsehens, das schon im Kindesalter mehr und mehr das Buch verdrängt. Noch die trivialste Schrift aber beflügelt die Phantasie, stiftet Abenteuer im Kopf; die Television speist die Kinder viel zu oft mit gefälligfabrizierten Bildern und mit gestanzten Verhaltensmustern ab.
Immer wieder machen Forscher das Medium dingfest für die Verkrüppelung der Phantasie, für "sinkende Kreativität, kommunikative Störungen und Inaktivität", wie die amerikanische Yale-Wissenschaftlerin Dorothy Singer mitteilte.
Kinderpflegerinnen und Grundschul-Lehrkräfte ringen die Hände über die tobsüchtigen Bälger, die nach langem TV-Weekend vor dem Action-Schirm, mit "Derrick", "James Bond" und "Tatort", aggressiv im Hort und auf dem Schulhof rangeln und besonders nervenkitzelnde Filmszenen nachspielen. Zänkisch keift die Meute, andere hängen kraftlos und apathisch in den Bänken. Im alternativen Milieu hat dies triste "Montagssymptom" aber auch putzige Nuancen. Dort gilt, wie die "taz" meldet, bei "Tagesschau"-versierten Minis die Anrede "Du Bundeskanzler Kohl!" als besonders tückische Beschimpfung.
In Freiburg haben Kindergarten-Erzieher, im Gruppen-Test, herausgefunden, daß der Bildschirm die Kinder auch sprachlich beschädigt. Die Betreuer hatten den Kleinen zum einen eine Geschichte vorgelesen, zum anderen eine Story via Fernsehen vorgesetzt. Ergebnis: Das Vorgelesene konnten die Kids wacker nacherzählen, von der TV-Mär blieben nur Satzfetzen und wirre Handlungstrümmer. Fazit: Das gedruckte Wort ist dem alerten Bildmedium pädagogisch weit überlegen. Fragwürdig wäre der Nutzen der Vorschul-Television. Gelehrte wie der Hildesheimer Medien-Professor Heribert Heinrichs fühlen sich da in ihrer Ansicht bestätigt, das Fernsehen im Kindesalter führe zur Unterversorgung der (für die Sprachentwicklung zuständigen) linken Hirnhälfte.
So häufen sich die Befunde für das ominöse "polysymptomatische Bildschirmsyndrom". Ärzte monieren Haltungsschäden, Bewegungsarmut und Schlafstörungen bei TV-Kindern. Soziologen beweinen die TV-bedingte sittliche Verwahrlosung der deutschen Jugend. Kulturkritische Kreise entsetzen sich über das "Verschwinden der Kindheit", wie der amerikanische Untergangsprophet Neil Postman. Der Bildschirm, meint Postman, schläfert "den Verstand ebenso ein wie die Wahrnehmungsfähigkeit". Wie erlösend kommt da die Heilsbotschaft von Neurologen, ein Zusammenhang "zwischen hirnphysiologischer Entwicklung und Fernseh-Gewohnheiten" sei nicht zu befürchten.
Freilich besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Familien-Harmonie und elterlichen Eingriffen in die kindliche TV-Hoheit. Das Fernsehen ist Quelle ständiger Querelen. Auf Sichtbehinderungen bei "Kung Fu" und Konsorten reagiert der kleine Drogenabhängige übellaunig. Strafbedingte Einschaltverbote - pädagogisch höchst fragwürdig, weil sie den Reiz des Mediums erhöhen - werden als "Katastrophe" empfunden. Ein britischer Psychologe predigt sogar, daß Telesucht ein unabänderbares Schicksal ist, daß schon im Mutterleib das Elend seinen Lauf nimmt, wenn der hellhörige Fötus den Erkennungsmelodien von "Dallas" oder der "Lindenstraße" lauscht. Dann, so lehrt der Forscher, entspanne die Schwangere vor dem Bildschirm, und auf das ungeborene Leben übertrage sich ein dauerhaftes Wohlbehagen.
Die Zeitschrift "Eltern" hat bei einer Umfrage unter 1980 Schülern zwischen 7 und 16 Jahren ermittelt, daß 58 Prozent mit der von den Eltern genehmigten Sehdauer unzufrieden sind. "Ich halte Fernsehverbot für Isolationsfolter", hat beispielsweise ein 15jähriger Gymnasiast ausgerufen. Eine Abc-Schützin, 7, klagt, sie dürfe "nur Kindersendungen ansehen. So ein Schwachsinn, die sind doch nur für Kinder da." Und eine 12jährige Realschülerin sagt salomonisch: "Wer zuviel fernsieht, wird doof. Wer zuwenig fernsieht, weiß nichts."
Reglos wie in Trance sitzen die Kinder vorm TV-Gerät, das ihre Konzentration total okkupiert. Magisch zieht der Augen-Rausch vor allem die Jüngsten in Bann, die eben aus den Windeln kriechen. Bisweilen ist die Versuchung genervter Mütter groß, kindliche Quäker vor dem Apparat zu deponieren. Immer wieder brüllen auch verzweifelte Väter: "Sei still und sieh fern!" Doch wäre der Bildschirm als Babysitter etwa so tauglich wie der Herr Bundeskanzler als Direktor einer Fremdsprachen-Schule. Und es war schon einigermaßen verwunderlich, daß der damals sehr angesehene US-Kinderarzt Benjamin Spock 1978 dekretierte, jedem Kind einen eigenen TV-Apparat ins Zimmer zu stellen.
Rätsel Fernsehen, Fragen über Fragen. Ist Fernsehen, kommerzielles zumal, also blanke Videotie, Dummheit im Quadrat? Doch wo dem aufgeklärten Vormund ein feuriges "Ja, gewiß!" von den Lippen geht, bleiben die Sozialwissenschaften eine klare Antwort schuldig.
Denn trotz unübersehbarer Forscher-Aktivitäten, trotz bienenfleißiger Langzeit-, Survey- und Feldstudien, Laboruntersuchungen, Quer- und Längsschnittstudien bietet die Medienkunde ein Bild wortreicher Hilflosigkeit. Allerorten gibt es Vermutungen, Spekulationen, Thesen, diffuse Befunde, aber kaum wasserdichte schlüssige Beweise. So ist Heribert Heinrichs' Theorie der weichen Birne womöglich ganz hirnrissig. Und die Psychopathologie des TV-Kinderalltags, die der Berliner Zimmermann diagnostiziert, steht zwar - streng empirisch - auf schwachen Fernsehbeinen; aber die Theorie klingt doch immerhin so einleuchtend, daß sie verunsicherten Eltern von Vorschulzwergen bedenkenlos empfohlen werden kann.
Die Wirkungsforschung leidet unter Beweisnot. Sie hat es nun einmal nicht mit einem "einseitig-linearen Kausalprozeß" zu tun. Der Mensch bewegt sich im Kraftfeld etlicher Umweltfaktoren, von Familie, Schule, Spiel- und Berufsgruppen, die Intelligenz und Sozialverhalten beeinflussen. Die TV-Wirkungen lassen sich ja nicht isolieren, wie im Chemielabor. Kinder mit starkem TV-Konsum, etwa, sind meist in der Unterschicht zu Hause, Kinder aus zerrütteten Ehen neigen eher zu Aggressionen und schulischer Leistungsschwäche. Im Akademiker-Haushalt wird intensiv das Lesen gefördert. Sehen die Eltern oft und gern fern, sind auch die Kinder vielfach Vielseher.
Die Television ist immer nur ein Glied in der Wirkungskette, und TV-Konsum im Übermaß häufig ein Symptom für tiefsitzende psychische und soziale Miseren. Die neueste Stimmung im Experten-Lager rückt zwar ab von den Allmachts-Vorstellungen des Fernsehens, aber von der totalen Wirkungslosigkeit des "Nullmediums" (Hans Magnus Enzensberger) ist keineswegs die Rede.
Lange Zeit, in den hitzigen Thesenkämpfen der siebziger Jahre, hatten die TV-Totalverweigerer das große Wort geführt. Von der Zinne des Kulturpessimismus bliesen Postman und die US-Autorin Marie Winn ("Die Droge im Wohnzimmer") den Trauermarsch auf den Homo sapiens und die Gutenberg-Ära. "Das Fernsehen", klagte Postman, "verwandelt unsere Kultur in ein allgegenwärtiges Las Vegas", edles Elterntrachten müßte sein, sich dem verdummenden "Zeitgeist zu widersetzen" und die Buch-"Tradition der Humanität wachzuhalten".
Lächerlich, argumentiert die medienkritische Gegenpartei. Der amerikanische Yale-Gelehrte William McGuire etwa ist nach Überprüfung zahlreicher Enqueten zu dem Schluß gekommen, die Verfechter "gravierender Medienwirkungen" seien "die Beweise schuldig" geblieben; die tatsächlichen TV-Effekte "sind überraschend schwach und nur ausnahmsweise statistisch signifikant".
Der greise US-Seelenkundler Bruno Bettelheim empfiehlt den Fernseher allen Ernstes als "ideales Erziehungsmittel", mit dem die Kinder "feindselige Gefühle ausleben" können. Nur psychisch gestörte Kinder, so Bettelheim, "lassen sich durch Gewalt im Fernsehen zu Gewalt verleiten". Was aber, wenn frühkindliche Seh-Sucht die Störung verursacht?
Der Psychologe Daniel R. Anderson von der University of Massachusetts hat ebenfalls Untersuchungen zur TV-Wirkung ausgewertet und, so die "Washington Post", "verblüffende Schlüsse gezogen". Das Fernsehen, so behauptet Anderson, habe entgegen landläufiger Meinung keineswegs nur negative Auswirkungen auf schulische Leistungen. Vor dem Schirm werde das Kind mental ebenso beschäftigt wie beim Lesen. Freilich sei daraus nicht zu lernen, Eltern dürften Art und Umfang des TV-Konsums unkontrolliert lassen. Bis zu zehn TV-Stunden pro Woche hält Anderson durchaus für schulisch nützlich, nur bei maßlosen Vielsehern verschlechtere sich das Leistungsniveau.
Zu ähnlichen Einschätzungen kommen auch zwei deutsche Medien-Pragmatiker, die bei den Praktikern in den TV-Anstalten hochgeschätzt werden. "Kaum bemerkenswerte negative Effekte des Fernsehens" hat, in einem Forschungsbericht, der Mannheimer Psychologe Peter Winterhoff-Spurk bemerkt*. Bei behutsamem Gebrauch, unter Elternaufsicht, sei der Bildschirm auch dem kleinen Stubenhocker ein Gewinn für Wissen, Wortschatz und soziale Intelligenz. Bei schwerem Mißbrauch, ungebremstem Konsum sieht aber auch Winterhoff-Spurk schwarz. Dann drohen, warnt er, kognitive Entwicklungsstörungen, Auslösung von Angst und Agressivität.
Der Bildschirm als Sündenbock für gesellschaftliches Elend, schreibt der Sozialwissenschaftler Jan Uwe Rogge, verdeutliche "die Sehnsucht nach vereinfachenden Erklärungsmustern". Rogge hat in einem Buch über "die Medienfreunde der Kinder und das Unbehagen der Eltern", noch einmal in Erinnerung gebracht, daß Traditionalisten stets in endzeitliche Schwermut verfielen, wenn ein neues Medium sein greuliches Haupt erhob.
So war, im 18. Jahrhundert, das Lesen in den Ruch geraten, "Schlaffheit, Verschleimung, Blähungen" zu erzeugen, auch "Hypochondrie, die namentlich bei dem weiblichen Geschlecht recht eigentlich auf die Geschlechtsteile wirkt". Und vom Kino hieß es 1912 in einer Pädagogen-Philippika, es verderbe "den guten Geschmack unserer Jugend", sei verwerflich im "Interesse der Sittlichkeit", und der notorische Filmbesucher habe "nur noch Sinn für Knalleffekte".
Gewalt und Brutalität - die Knalleffekte der modernen Massenmedien - waren ja vorwiegend in den siebziger Jahren Objekte voluminöser Forschungsvorhaben. Verfechter der Katharsis-Theorie verkündeten, die Revolver- und Messerhelden auf dem Bildschirm sorgten für gesunde Aggressionsabfuhr. Die Kontrahenten von der Stimulations-These gifteten, die TV-Brutalos schürten Gewaltbereitschaft beim Zuschauer.
Jetzt neigt die Mehrheit der Medienkundler zu der Kompromißformel, daß - unter ungünstigen sozialen Vorraussetzungen - "spezifische Fernsehsendungen eine aggressionsfördernde Wirkung haben können". Doch hegt wohl niemand die Überzeugung, labile junge Menschen könnten - angestiftet von einem "Derrick"-Mord - anschließend ihre vermögende Oma erdolchen. Die Bildmedien haben vielmehr entscheidend zur Enttabuisierung des Tötens beigetragen. Der stetige Strom televisionärer Gewalttaten stumpft ab - schon die Kinder erfahren Mord als alltägliches Verhalten, als pures Entertainment.
In einer kürzlich veröffentlichten Langzeitstudie hat die schwedische Soziologin Inga Sonesson auf die Wechselwirkung zwischen Gewalt und Vielfernsehen hingewiesen. In Malmö erkundete die Wissenschaftlerin, zehn Jahre lang, die Bildschirmgewohnheiten von 200 Schülern. Die Bilanz: Sechsjährige, die täglich mehr als zwei Stunden ferngesehen hatten, waren schon sechs Jahre später auffällig aggressiv und konzentrationsschwach. Die Studie beweise nicht, sagt Frau Sonesson, "daß Fernsehen automatisch zu gewalttätigem Verhalten führen muß". Aber "genau wie Rauchen das Krebsrisiko erhöht, fördert der TV-Konsum die Wahrscheinlichkeit, daß Kinder Probleme kriegen". Gelbe Karte für Bettelheim.
Unbestritten ist, daß Schrecken und Gruselbilder, Cartoon-Monstren oder Mordbuben, schwere Verstörungen in der kindlichen Seele hinterlassen können. Passiv erleben die Kleinen gewaltgesättigte Filmszenen; die angestauten Ängste können nicht durch Spiel und Bewegung abreagiert werden.
Der US-Medienforscher Jerome Singer, der mit Untersuchungen über kindliche Angstreaktionen hervorgetreten ist, berichtet, daß furchterregende TV-Bilder "zu Nachtmahren sowie zu bizarren und unheimlichen Phantasievorstellungen und Träumen führen", die "noch auf Jahre hinaus" nachwirken können.
Seine Kollegin Joanne Cantor hat, im Experiment mit US-Kindern zwischen drei und zehn Jahren, herausgefunden, daß "jüngere Kinder das Unwirkliche als genauso angsterzeugend empfinden wie das Wirkliche". So nimmt die kindliche Furcht vor Ungeheuern und märchenhaften Horrorgestalten nur langsam ab - bis die TV-Junkies etwa spätestens mit elf Jahren eindeutig zwischen Fiktion und Realität im Fernsehen unterscheiden lernen und zu abstraktem Denken fähig sind.
Das "eigentlich Medienspezifische sind die emotionalen Eindrücke", lehrt Hertha Sturm, die Doyenne der deutschen TV-Forschung, Kinder seien beim Fernsehen von "emotionalem Streß" bedroht, der schnelle Wechsel von Schnitten, Schwenks, Zooms, Montagen und Rückblenden überfordere die Kleinen: Sie werden "von Bild zu Bild getrieben", der Zuschauer "kommt nicht mehr nach in seiner inneren Benennung". Er "verstummt, wird inaktiv", dem Bilderstrom hilflos ausgeliefert.
Einspruch, Euer Ehren! rufen die Kinderprogramm-Macher von ARD und ZDF. "Die Theorie, daß Kinder schnelle Schnitte nicht verkraften, ist völlig veraltet", sagt der WDR-Ressortleiter Dieter Saldecki. Die Kinder von heute "sind viel reizgewohnter" und "können einfach schneller gucken" als die TV-ferneren Alten. "Ein kleines Kind", insistiert Saldecki, "das im Auto nach Italien reist, ist mehr Schnitten ausgesetzt, als wir es jemals anbieten können". Ein leicht hinkefüßiger Vergleich, denn im TV-Film werden Zeitabläufe rigoros verdichtet, Stunden und Tage schrumpfen zu Sekunden-Sequenzen. Im Auto schließlich entspannt der frühkindliche Fernfahrer während der langen Reise bei Spiel und Schlaf.
Naturgemäß ist auch ZDF-Redaktionsleiter Markus Schächter von der gefahrlosen Nutzung des Mainzer Kindertheaters überzeugt. Der Redakteur glaubt fest an den Anstaltsauftrag, den Sprößlingen "Anstöße zur Realitätsaneignung und Phantasieentfaltung" zu geben; der "behutsame Weg der Poesie" sei "der beste Weg zum Herzen" der kleinen Genießer. Auf diesem Pfad lustwandeln die öffentlich-rechtlichen Kinderpfleger seit Ende der unruhigen sechziger Jahre, ein Dezennium, nachdem die quietistische Frau Dr. Obrig ihre beschützende Werkstatt geschlossen hatte und das Kleinkind gänzlich vom TV-Empfang ausgeschlossen worden war.
Für den aufgeschlossenen Hosenmatz eröffnete 1969 der Bayerische Rundfunk seine "Spielschule". Mit der hell bejubelten neuen pädagogischen Wunderwaffe "Sesamstraße" und ihrer drolligen Puppen-Menagerie begann die goldene Ära der Vorschulerziehung. Und als, mit sozialistischen Grüßen, die Apo-Milizen die Funkhäuser infiltrierten, strömte ernster kognitiver Geist auch in die Kinderprogramme. Das ZDF beispielsweise preschte mit seiner "Rappelkiste" mächtig vor, die sich der "konsequenten Darstellung und Lösung frühkindlicher Konflikte" verschrieben hatte. Zum lebhaften Erstaunen des Jungvolks wurde nun modern, die aufkeimenden Geschlechtswerkzeuge mit "Muschi" und "Pimmel" zu benennen; Mainzer Fernsehräte trauten ihren Ohren nicht und verfluchten unverzüglich diesen "Aufruf zum Klassenkampf".
Die "emanzipatorische Erziehung" kam infolgedessen nur zu kurzer Blüte. Allmählich versiegte in den öffentlichrechtlichen Kinderstuben der Glaube, mit dem "Rappelkisten"-Elan sei "das soziale Verhalten positiv zu beeinflussen". Im ZDF beklagte der damalige Programmchef Dieter Stolte ein unausrottbares "Humordefizit" im Infanten-Programm. Auf dem geraden Weg in die Herzen schlich die deutsche Television nun wieder mit delektierlicher Nahrung - Genießbarem, wie etwa dem lehrreichamüsanten Magazin "Löwenzahn", der skurril-märchenhaften "Janoschs Traumstunde" oder mit unzumutbarem Trickfilm-Schrott wie der japanischen Alpen-Saga "Heidi".
Ein letztes Aufflackern pädagogischen Übermuts gab es 1981 in der ARD, als eine Redakteursriege mit der wahrhaft perversen Idee auftrumpfte, eine Programmreihe für zweijährige Knirpse zu etablieren. Die Herren waren bei Besichtigung des belgischen Lätzchen-Serials "Tic Tac" völlig aus dem Häuschen geraten und fest entschlossen, auch im deutschen Fernsehen den Gebrauch von Rasseln und Bauklötzchen zu lehren. Die ARD-Hierarchen befanden aber, daß die Kollegen nicht richtig tickten, und pfiffen die Rasselbande zurück, bevor womöglich der deutsche Säugling mit der Live-Übertragung wogender Mutterbrüste beglückt werden konnte.
Doch das waren nur kurzfristige Aufregungen im televisionären Kinderbetrieb. Jetzt dümpelt das Programm in einer "sozialen Nische", dem Irrglauben, das Fernsehen könne "Sozialdefizite abbauen", haben alle längst abgeschworen, die pädagogische Heilsarmee ist still abmarschiert. Wenn heute Bernd Küsters, Kinderprogramm-Macher beim Hessischen Rundfunk, vor den Rundfunkrat gerufen wird, "dann sind die froh, daß sie einen konfliktfreien Nachmittag haben und ihren Kuchen dabei in Ruhe essen können". Für die "Großkopferten, die bei einer Ute-Lemper-Show Schweißperlen auf die Stirn bekommen", sagt Küsters, sei die Kinderschiene "völlig uninteressant".
Die agilen Mainzer immerhin sind noch einmal groß in die Offensive gegangen. "Siebenstein", das verschmitzte Kindermagazin, ist mit Erfolg gestartet. Das kindliche Öko-Bewußtsein soll mit dem Umwelt-Kaleidoskop "Mittendrin" gekräftigt werden, die News-Reihe "logo - Neues von hier und anderswo" ist jetzt fest im Programm etabliert. Die ARD baut auf die "Duck Tales" oder einen "Hamster im Nachthemd". Doch die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Kinderläden ist dunkel; gegen die kommerziellen Belustigungsorgien werden sie sich nur schwer behaupten können.
Vom fatalen Einfluß der Kanalvielfalt auf die Programm-Qualität berichtet schon jetzt der Frankfurter Küsters. Die Kinder-Gewohnheit, mit der Fernbedienung ständig nach Kurzweil zu fahnden, führe zu der Frage, ob "man nach jeder ruhigen Sequenz ein Bömbchen hochgehen lassen muß, um die Kinder bei der Stange zu halten". Im TV-intensiven Kabelhaushalt bedienen sich die kleinen Flipper am liebsten im Tivoli der Erwachsenen, beim turbolenten "Knight Rider" oder der stupiden Privat-Gameshow "Glücksrad".
Eine Lehrer-Umfrage in bundesdeutschen Grundschulen belegt, welche TV-Figuren und Programme die Erst- bis Viertkläßler bevorzugen: den ostfriesischen Otto, den Schau-Schläger Bud Spencer, Donald Duck und Didi Hallervorden, Heidi, Tarzan und Professor Brinkmann. Einschalt-Favorit war die "Schwarzwaldklinik", die regelmäßig rund 1,3 Millionen Kinder zwischen 6 und 13 Jahren aufgesucht haben, auch "Wetten, daß . . .?" liegt weit vorn, Action in jeder Form. Verpönt sind Talkshows, Opern, Politisches; auch muschigeprägte "Knutschfilme" werden scharf mißbilligt.
Der wahre Kinderfernseh-Alltag ist eben häufig kein herziger "Weg der Poesie", den der ZDF-Mann Schächter so blumig beschwört. Leichen pflastern diesen Weg, in all den gewaltgeladenen TV-Trugbildern wie "Ein Colt für alle Fälle", "Der Fahnder" oder "Matlock", über die in den Klassen- und Kinderzimmern aufgeregt getuschelt wird. Einige Episoden des deutschen Vorabend-"Fahnders" enthielten so brutale Gewaltszenen, daß diverse ARD-Anstalten die Ausstrahlung verweigerten.
In der Sehzeit mit höchster Kinderbeteiligung - zwischen 18 und 20 Uhr - dienen auch im öffentlich-rechtlichen deutschen Angebot die Kinder nur als wohlfeiles Quoten-Futter im Kampf um die 1,6 Milliarden Mark, die jährlich in die TV-Werbung fließen und immer härter umkämpft werden. In die Reklamezeit mit Kindersendungen einzudringen hat "hausintern gar keine Chance", sagt Schächter, "das ZDF lebt zu 43 Prozent von Werbung und braucht Quoten". Der Hausherr Dieter Stolte empfiehlt, Eltern sollten ihre Kinder gefälligst "zum Umgang mit der Werbung erziehen".
Damit macht er sich behend aus dem Staub, der Gevatter Intendant, und läßt erbarmungslos Millionen verängstigter Gutenberg-Hinterbliebener und verzagter Eltern zurück, die nun mit der verführerischen Röhre und dem kargen Rat der Mediologen leben müssen. Einig sind sich alle, die seriös mit dem Medium umgehen, daß der Entziehungsberechtigte flexibel auf die Droge Television reagieren soll.
Maßvoll, sagen sie bedächtig, sei der Umgang mit dem Gerät, nur die ausgewählte Sendung sei unter der Obhut des Vormunds zu betrachten. Vor schnöder Gewalt ist der Schützling ebenso zu bewahren wie vor hektischen Bildkanonaden, die das Kleinhirn verwirren. Und ganz gewiß soll auch eine der unseligsten Erfindungen moderner Zerstreuungselektronik gemieden werden - die Fernbedienung, dieser zerebrale Schadstoff, der zum besinnungslosen Kanalspringen anstiftet.
Der Hildesheimer Medien-Heinrichs empfiehlt zwei TV-freie Tage wöchentlich für Zwei- bis Sechsjährige, höchstens eine Stunde täglich für den Schulanfänger, Elfjährige dürfen zwei Stunden konsumieren und - weil Kritik- und Urteilsfähigkeit dann herangereift sind - schon eigene Programmwahl treffen, vorausgesetzt, es steht nicht gerade der "Zombie hängt am Glockenseil" auf der Wunschliste.
Das ist wohlgeraten. Doch bleibt allen Erzeugern, die sich im täglichen Kleinkrieg um die Schirm-Herrschaft aufgerieben haben, als wirksamste Verbündete letztlich nur Mutter Natur: Sobald die Gören pubertierend dem anderen Geschlecht verfallen, lösen sie die Kabelschnur und flüchten in Scharen vom flachen Bildschirm in ein anderes mediales Schlaraffenland - in den Rausch der modernen Popmusik.
Und das ist doch womöglich ein ermutigendes Zeichen für die einwandfreie Funktion der rechten Hirnhälfte. #

DER SPIEGEL 19/1989
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