10.07.1989

Theo Waigel

Theo Waigel, 50, Finanzminister und CSU-Chef, verstieß gegen eine der ungeschriebenen Sitten der Kabinettsrunde. Vor der Sitzung am vergangenen Mittwoch packte der Oberrohrer Bauernsohn am Kabinettstisch ungeniert seine Brotzeit aus und verzehrte unter den irritierten Blicken der Kabinettskollegen eine Wurstsemmel (Photo). Mit mahlendem Kiefer gestand Waigel, vor dieser für ihn wichtigen Sitzung müsse er sich "erst mal stärken". Die unzeitige Nahrungsaufnahme am ungewöhnlichen Ort hatte Wirkung: Waigel widerstand allem Drängen, "über die 3,4 Prozent Steigerungsrate im Haushalt hinauszugehen", obwohl vor allem die Minister Riesenhuber und Stoltenberg "mit beredten und überzeugenden Worten" (Waigel) die Wichtigkeit ihrer Ressorts dargelegt hätten.

DER SPIEGEL 28/1989
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