17.04.1989

Fragen an Klaus Bölling

KLAUS BÖLLING, 60. Der gelernte Journalist war, mit Unterbrechung von einem Jahr, von 1974 bis zum Ende der sozialliberalen Koalition 1982 Chef des Bundespresseamtes. Im Gegensatz zum neuen Regierungssprecher Hans ("Johnny") Klein hatte Bölling, der zur Zeit Publizistik an der FU Berlin lehrt, nie Ministerrang.
SPIEGEL: Muß es denn unbedingt ein Minister sein?
BÖLLING: Sicher nicht, wir hatten schon mal einen. Jenen, mit dem der Kanzler Gorbatschow verglichen hat.
SPIEGEL: Wie muß Regierungsarbeit verkauft werden?
BÖLLING: Auch wenn es schrecklich einfältig klingt. Sie muß nicht verkauft, sondern sie muß gedeutet und dem Bürger begreiflich gemacht werden.
SPIEGEL: Was kann Johnny Klein besser machen als sein Vorgänger?
BÖLLING: Er hat viel Charme und schnellen Witz. Frage, ob das reicht. An der Schopenhauer-Wahrheit kommt er nicht vorbei, daß eine Regierung schlecht dran ist, die darauf angewiesen ist, daß man gut von ihr redet.
SPIEGEL: Ost geht, schlägt Kohl nicht den Sack und meint den Esel?
BÖLLING: Glaube ich nicht. Kohl opfert einen Freund den Parteifreunden. Das Problem ist nicht das angebliche Verkaufen. Das Problem ist die Substanz der Politik.
SPIEGEL: Was würden Sie tun, wenn Kohl Sie fragen würde?
BÖLLING: Das wäre ein Beweis, daß er aufhören müßte, Kanzler zu sein.

DER SPIEGEL 16/1989
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