27.02.1989

GESTORBENHans Hellmut Kirst

Hans Hellmut Kirst, 74. Seine Landser-Typen und Barras-Hengste, der Gefreite Asch wie der Schleifer Platzek, sind ins deutsche Kollektivbewußtsein eingedrungen; die "08/15"-Trilogie, in den fünfziger Jahren rechtzeitig zur deutschen Remilitarisierung erschienen, ließ alte Kameraden die Stirnadern schwellen und den angehenden Verteidigungsminister Strauß eine "grundsätzliche Ablehnung des Militärdienstes" befürchten. Kirst, seit 1933 Berufssoldat, am Kriegsende Batteriechef und NS-Führungsoffizier, hat die Deformierungsmaschine Kasernenhof wie kein zweiter knirschen lassen, und der Krieg war auch der Vater seiner weiteren Bestseller wie "Fabrik der Offiziere" oder "Die Nacht der Generale". Den Ruch des Trivial-Autors wurde er in Deutschland nie ganz los, die Amerikaner lasen ihn um so lieber. Seine drei Dutzend Bücher sind in 28 Sprachen übersetzt und erreichten eine Auflage von über zwölf Millionen; mit den Tantiemen errichtete er Stiftungen für Kriegswaisen aus Warschau und norwegische Studenten. Kirst, geborener Ostpreuße, hatte sich zum Lebensabend von Bayern nach Ostfriesland zurückgezogen. Vergangenen Donnerstag starb er in Bremen an Herzversagen.

DER SPIEGEL 9/1989
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