09.10.1989

Streit um Giftzüge

Konflikte um Sicherheitsvorkehrungen und Geheimhaltungsvorschriften verzögern den Abschluß einer Regierungsvereinbarung zwischen Bonn und Washington über den Abtransport amerikanischer C-Waffen. Danach sollen die hochgiftigen Kampfstoffe vom Herbst nächsten Jahres an aus Giftdepots in Rheinland-Pfalz mit knapp 20 Güterzügen zum niedersächsischen Hafen Nordenham gebracht werden. Von dort wollen die Amerikaner die Chemiewaffen zur Vernichtung per Schiff zum Johnston-Atoll im Pazifik schaffen. Bonn besteht darauf, daß die US-Streitkräfte sich an die vor kurzem verschärften deutschen Vorschriften für den Transport gefährlicher Güter halten. Die Amerikaner wollen erst nach Abschluß der Transportaktion 1992 die Öffentlichkeit unterrichten. Das widerspricht den Interessen Helmut Kohls. Der Bonner Kanzler möchte den Abzug unmittelbar vor der Bundestagswahl propagandistisch ausschlachten. Ranghohe Hardthöhen-Offiziere bezweifeln zudem, daß sich die "Geheimniskrämerei" durchhalten läßt. Wenn der erste Zug rolle, würden Beobachter der Friedensbewegung Alarm schlagen. Sicherheitsfachleute erwarten, daß bald die ersten Bürgermeister aus Orten längs der Strecken nach den Katastrophenschutzvorkehrungen fragen werden.

DER SPIEGEL 41/1989
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 41/1989
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Streit um Giftzüge

  • Reaktion auf Trumps Angriffe: "Er will gar nicht mehr Präsident sein"
  • Überwachung in China: Zwei Schritte - und die Software weiß, wer Sie sind
  • Straße von Hormus: Videos zeigen Festsetzung von britischem Tanker
  • Mode in Japan: "Junge Frauen in Tokio möchten niedlich sein"