09.10.1989

Diplomatisches Zubrot

Deutschlands Diplomaten sind am Ziel ihrer Wünsche: Auf Auslandsposten geht es ihnen künftig besser als Soldaten oder Lehrern. Ein Sondergesetz soll ihnen handfeste materielle Vorteile bringen. Auswärtiges Amt, Finanz- und Innenministerium haben sich im Prinzip darauf geeinigt, den Diplomaten ein Zubrot zu gewähren, weil sie alle drei bis fünf Jahre in ein anderes Land umziehen müssen. Der zuständige AA-Unterhändler, Ministerialdirektor Michael Jansen, hält fünf Prozent der nicht gerade kargen Auslandsbesoldung für angemessen. Weitere zehn Prozent begehren die Diplomaten für den repräsentativen Einsatz ihrer Ehefrauen. Kommt Jansen mit diesem Vorschlag durch, kostet das rund 40 Millionen Mark; jeder der rund 2500 Diplomaten im Ausland profitierte im Schnitt mit 16 500 Mark im Jahr. Doch der geplante staatliche Zuschlag sorgt für Ärger. Alfred Breier, Abteilungsleiter im Innenministerium, rechnete dem Kollegen Jansen vor, die letzte strukturelle Besoldungsverbesserung für das gemeine Beamtenvolk habe den Staatsdienern im Schnitt ganze 76 Mark pro Jahr eingebracht. Der Finanzminister fürchtet, Soldaten und Lehrer im Ausland würden schon bald ähnliche Gunstbeweise bei ihren Dienstherren einklagen.

DER SPIEGEL 41/1989
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