09.10.1989

Je nach Belieben

Der Gegenstand der Beschreibung fasziniert immer aufs neue: die Macht der Geldkonzerne, insbesondere der Deutschen Bank. Eglau hat eine üppige Stoffsammlung über das engmaschige Beziehungsgeflecht, das Deutschlands größtes Geldhaus mit der Industrie geknüpft hat, erarbeitet. Daß er die Beteiligung an dem größten deutschen Unternehmen, der Daimler-Benz AG, eher beiläufig abhandelt, ist schwer zu verstehen; immerhin macht dieses Aktienpaket rund die Hälfte des Börsenwerts aus, zu dem die Bank-Aktien gehandelt werden. In aller Ausführlichkeit bietet Eglau andererseits die eindrucksvolle Liste von Aufsichtsrats- und Beiratsmandaten dar, und er erörtert die Einflußmöglichkeiten der Banker über das Vollmachtsstimmrecht.
Doch Anlaß für staatlich erzwungene Machtbeschränkung gibt es für Eglau nicht, an einer "Lex Deutsche Bank" besteht für den Wirtschaftsjournalisten "kein Bedarf". Sollte der Staat die Bank per Gesetz dazu zwingen, ihre Industriebeteiligungen abzugeben, würde Deutschlands größtes Geldinstitut "kaum nennenswert an Einfluß verlieren". Die eigentliche Macht der Bank beruhe mehr auf einem "informellen Beziehungsgeflecht" in den Chefetagen der Wirtschaft, das ihr erlaube, "je nach Belieben um einen Mann der Industrie herum eine seiner Karriere förderliche oder abträgliche Stimmung zu erzeugen".
Da ist viel Wahres dran. Doch muß es wirklich in alle Ewigkeit bei diesem Zustand bleiben? "Es lohnt sich nicht", zitiert der Autor einen bundesdeutschen Industriellen, "sich ohne triftigen Grund mit der größten deutschen Bank anzulegen." Es hat streckenweise den Anschein, daß Eglau sich an diese Empfehlung gehalten hat.

DER SPIEGEL 41/1989
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