09.10.1989

GESTORBENVirgil Thomson

Virgil Thomson, 92. In seinem gläubigen Elternhaus in Missouri lernte er früh die schlichten Harmonien der Baptistengesänge kennen. Ab 1921 studierte der Amerikaner in Paris bei Nadia Boulanger, der Doyenne der europäischen Avantgarde, die komplizierten polytonalen Satztechniken - heraus kam, nach Stil und Gusto, eine Art Hindemith der Neuen Welt. In seiner langjährigen französischen Wahlheimat ließ sich Thomson von vielen kompositorischen Schulen beeinflussen und tränkte seinen Stil vorteilhaft mit Esprit und karikierendem Witz. In Paris entstand auch, auf das Libretto von Gertrude Stein, seine Oper "Four Saints in Three Acts". Die brillante Highbrow-Partitur, die 1934 auf seinen Wunsch ausschließlich von farbigen Sängern uraufgeführt wurde, blieb sein populärstes Werk. Dieser Moses der amerikanischen E-Musik war auch ein Sprachvirtuose und jahrzehntelang berüchtigter Gast in den Konzertsälen der USA - als Kritiker und als Fortissimo-Schnarcher. Virgil Thomson starb vorletzten Samstag in New York.

DER SPIEGEL 41/1989
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 41/1989
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

GESTORBEN:
Virgil Thomson

  • Gefühlte Intoleranz: Angst vor Laktose und Gluten
  • Überwachungskameras an Tankstelle: Menschen fliehen vor Erdrutsch
  • Zitate aus Sommer-Pressekonferenzen: "Herr Rösler ist gerne Vizekanzler"
  • Helmkamera-Aufnahmen: So sah der fliegende Soldat Paris von oben