09.10.1989

GESTORBENTschen Po-ta

Tschen Po-ta, 85. Mehr als 30 Jahre lang war er einer der engsten Mitarbeiter Mao Tse-tungs. Der Sohn eines Landarbeiters aus Südchina diente dem Großen Vorsitzenden von 1937 an als politischer Sekretär und verfaßte für ihn Reden und theoretische Schriften, darunter die Aufsätze "Über die Praxis" und "Über die Widersprüche" - Studenten in aller Welt trugen sie Ende der sechziger Jahre in Rot gebunden überm Herzen. Tschens eigene Schriften waren entscheidend daran beteiligt, seinen Parteivorsitzenden Mao als Heiligen des Weltkommunismus zu etablieren. Der lohnte es dem Karrieristen mit bedeutenden Posten: Tschen wurde Chef der Parteizeitung Rote Fahne, Mitglied des Politbüros und Leiter der "Kulturrevolutionsgruppe" im ZK der Partei. Schließlich gelangte er im April 1969 in den inneren Führungskreis Pekings. Doch nur ein gutes Jahr später stürzte er, weil ihm Exzesse in der Kulturrevolution angelastet wurden. Als er 1980 nach zehn Jahren Untersuchungshaft vor Gericht stand, murmelte der Greis: "Ich habe zu meiner Verteidigung nichts zu sagen." Tschen Po-ta starb, wie erst jetzt bekannt wurde, am 20. September in Peking. *ÜBERSCHRIFT: EHRUNG

DER SPIEGEL 41/1989
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