09.10.1989

EHRUNGDalai Lama

Der Dalai-Lama, 54, die höchste geistliche und politische Autorität der Tibeter, erhält den diesjährigen Friedensnobelpreis. Geehrt wird der Sohn eines tibetischen Bauern für seinen jahrzehntelangen, gewaltfreien Kampf für die Freiheit seines Volkes, das seit 1950 unter chinesischer Besatzung lebt. Das Nobelkomitee in Oslo will mit seiner Preisvergabe zugleich die unterdrückte chinesische Studentenbewegung ermutigen und hat sich deshalb bereits den Zorn der Machthaber in Peking zugezogen. Chinas Botschafter in Norwegen nannte die Ehrung eine "Einmischung in die inneren Angelegenheiten" seines Landes, obwohl es die chinesische Führung war, die wiederholt auf tibetische Demonstranten hatte schießen lassen. Im März dieses Jahres verhängte sie das Kriegsrecht über das annektierte Himalaja-Land. Der Dalai-Lama ("Weiter Ozean"), der seit 1959 im indischen Exil lebt, ist inzwischen unter wachsenden Druck junger Tibeter geraten, die seinen Segen für bewaffneten Widerstand fordern. Mit der Preisverleihung dürften die Friedensappelle des Gottkönigs an Gewicht gewinnen. Der Dalai-Lama wird die mit umgerechnet 810 000 Mark dotierte Auszeichnung am 10. Dezember in Oslo entgegennehmen.

DER SPIEGEL 41/1989
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