18.09.1989

Masken-Trick gegen Tiger

Mit einer Gesichtsmaske, über den Hinterkopf gestülpt, schützen sich indische Waldarbeiter gegen einen lebensbedrohenden Feind: bengalische Tiger. Durchschnittlich 60 Menschen pro Jahr waren im Mangrovendickicht des Ganges-Deltas, wo etwa 500 Tiger in einem Reservat in freier Wildbahn leben, von den Raubtieren angegriffen und getötet worden. Wissenschaftler fanden heraus, daß die bengalischen Tiger ihre Opfer stets hinterrücks, niemals von vorn angreifen. Der Anregung eines Studenten im Wissenschaftler-Klub von Kalkutta folgend, wurden an die Holzfäller mehr als 2500 der billigen Plastikmasken ausgegeben, die ein bleiches menschliches Gesicht mit dünnem Schnurrbart zeigen. Wie ein Wissenschaftler des Naturschutzbundes World Conservation Union kürzlich in Rom mitteilte, hat der Trick, der die Tiger zurückscheuen läßt, funktioniert: In den letzten drei Jahren ist keiner der doppelgesichtigen Maskenträger angegriffen worden; hingegen wurden allein in den letzten anderthalb Jahren wieder 29 maskenlose Waldarbeiter von Tigern getötet. Unter den diesjährigen Opfern waren auch zwei Fischer, die ihre Maske im Boot gelassen hatten, als sie an Land gingen, um sich ein Mahl zu bereiten. Getötet wurde auch ein Holzfäller, der sich zur Mittagspause auf den Boden niedergelassen und dabei seine Maske abgelegt hatte.

DER SPIEGEL 38/1989
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