25.09.1989

GESTORBENBruno Heck

Bruno Heck, 72. CDU-Jubler zeichneten von ihm gern das Bild eines "schwäbischen Gentlemans": "knorrig, sensibel" (Helmut Kohl), dabei aber grundsolide. Ein richtiges Mannsbild also, das bei einem Viertele gern über Gott und die Welt räsonierte. Doch der verhinderte Geistliche, der 1962 Minister für Familien- und Jugendfragen wurde, von 1966 bis 1971 der erste Generalsekretär seiner Partei war und schließlich als Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung jahrelang ein Stückchen Macht zu erhalten verstand, verbarg hinter der Maske des Jovialen erzkonservative Züge. "Das Leben im Stadion ist bei sonnigem Wetter recht angenehm", befand der Sohn eines Schloßgärtners des Fürsten von Thurn und Taxis 1973, als 4000 chilenische Gefangene nach dem Putsch der Militärs im Fußballstadion von Santiago inhaftiert wurden. Einschätzungen wie diese und seine Polemik, die CDU habe immer mehr die Kraft verloren, dem Zeitgeist zu widerstehen, trugen dem Bildungsschwaben - in seiner Dissertation hatte er die Anordnung von Catulls Gedichten untersucht - die Feindschaft eines Nachfolgers ein: Heiner Geißler schaffte es in einem zähen Gerangel hinter den Kulissen, dem Alt-Rechten im vergangenen Jahr die Kandidatur als Vorsitzenden der "Senioren-Union" unmöglich zu machen. Bruno Heck starb am vorvergangenen Samstag bei einer Wanderung in der Nähe von Blaubeuren an einem Herzinfarkt.

DER SPIEGEL 39/1989
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