19.03.1990

GESTORBENPhilippe Soupault

92. Ganz junger Poet aus großbürgerlichem Hause, rebellierte er nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in Paris als Dada-Apostel gegen die Bourgeoisie und hob zusammen mit Andre Breton den Surrealismus aus der Taufe. "Die magnetischen Felder" hieß das Avantgarde-Werk, in dem sie durch unkontrolliert spontanes Schreiben ("ecriture automatique") die Phantasie aus den Fesseln des Intellekts befreien wollten. Doch bald schon exkommunizierte der despotische Surrealisten-Papst Breton den Renegaten, der auch Romane verfaßte und zudem englische Zigaretten rauchte. Soupault, Autor biographischer Essays und Übersetzer des großen Inspirators und Stilvirtuosen James Joyce, wandte sich später dem Journalismus zu und reiste als Reporter durch die Welt. 1938 war er der führende Kopf beim Aufbau des tunesischen Rundfunks, saß während des Zweiten Weltkriegs sechs Monate lang in den Militärgefängnissen des Vichy-Regimes und diente schließlich als Programmgestalter beim französischen Rundfunk. Philippe Soupault, der letzte der Surrealisten, starb am vergangenen Montag in Paris.

DER SPIEGEL 12/1990
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Philippe Soupault

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