16.05.2015

GeheimdiensteAußer Kontrolle

Die NSA spionierte in größerem Umfang gegen deutsche Interessen als bislang bekannt: Mehr als die Hälfte der rund 40 000 Suchbegriffe, die der Bundesnachrichtendienst (BND) aussortiert hatte, waren aktiv geschaltet - sie wurden also tatsächlich zur Ausforschung auch von Behörden, Unternehmen und anderen Zielen in Europa verwendet. In einem Testat an das Bundeskanzleramt hatte der BND Ende April nur über 12 000 Selektoren informiert, die im August 2013 im "aktiven Profil" der NSA entdeckt worden seien. Dass bei einer weiteren Suche zusätzlich 13 000 Selektoren in der 4,6 Millionen Suchbegriffe umfassenden NSA-Spionageliste gefunden wurden, ist dem Papier nicht zu entnehmen. Erst Anfang Mai sei es gelungen zu rekonstruieren, wie die 40 000er-Liste zustande kam, heißt es nun im BND. Im Parlamentarischen Kontrollgremium löst dies Unverständnis aus. Es gebe "offensichtlich erhebliche Defizite im BND", sagt der SPD-Abgeordnete in dem Gremium, Burkhard Lischka. Er verlangt "klare Regeln, wer worüber innerhalb des BND zu informieren hat, und behördeninterne Strukturen, die die Arbeit in den verschiedenen Abteilungen kontrollieren". Die SPD fordert umfangreiche Einsicht in die Listen. "Warum erfahren wir diese zentralen Fakten erst jetzt?", fragt der Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele. Vieles deute darauf hin, "dass wir wieder einmal gezielt hinters Licht geführt wurden".
Von Gud

DER SPIEGEL 21/2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 21/2015
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon freitags ab 18 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Geheimdienste:
Außer Kontrolle

  • Massenprotest in Hongkong: Demonstranten schießen mit Pfeilen und Benzinbomben
  • Ex-US-Botschafterin über Trump: "Das passiert halt in sozialen Netzwerken"
  • Airline testet Ultralangstreckenflug: Stretchen nicht vergessen!
  • Dreidimensionales Bild: Ein Hologramm zum Anfassen