23.04.1990

Gema scheiterte vor Gericht

In dem Nervenkrieg gegen zwei ihrer Mitglieder, der sich bereits über vier Jahre hinschleppt, muß die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) empfindliche Niederlagen einstecken. Die mächtige Inkassogesellschaft hatte den Komponisten Norbert Linke und Berthold Paul die ihnen zustehenden Tantiemen verweigert, weil die Künstler bei öffentlichen Konzerten angeblich "systematisch eigene Werke aufgeführt" und dadurch "unverhältnismäßige Gewinne" erzielt hätten (SPIEGEL 49/1987). Auf dem Höhepunkt der Kampagne wurden Linke und Paul aus der Gema ausgeschlossen. In mehr als einem Dutzend Prozessen wurden die Musiker voll rehabilitiert. Obwohl der bis Ende 1989 amtierende Gema-Chef Erich Schulze, 77, gegen mehrere Urteile Berufung einlegen ließ, muß der Inkasso-Verein nun die Komponisten wieder als ordentliche Mitglieder aufnehmen und ihnen den größten Teil der ausstehenden Gelder nachzahlen. Ihren "Kernvorwurf" gegen Linke und Paul, erkannten die Richter, habe die Gema "durch Tatsachen nicht ausgefüllt". Mit dem Ausschluß der Musiker "in einem Geheimverfahren" habe die Gema "die von den grundlegenden rechtsstaatlichen Anforderungen gezogene Toleranzgrenze überschritten und den Bereich zulässiger Privatautonomie verlassen".

DER SPIEGEL 17/1990
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