06.08.1990

„An einem heißen Januartag“

Schon vor der Auslieferung wurde der Roman „Infanta“ als Bestseller gehandelt. Bodo Kirchhoff, der als Biograph des Ekels begann, wagte sich an die großen Beweger der Phantasie: Eros und Tod. Er schrieb einen luftigen Sommerroman und zugleich ein intellektuelles Buch über die Liebe, über ihre Unmöglichkeit.
Er fühle sich "endlich wieder erfüllt, von Ekel zunächst, und etwas später dann auch von Erinnerungsempfindungen", schrieb er: "Ich habe es wieder zu mir genommen. Es mit Hilfe eines halbsteifen Fotos, welches mich und meine Mutter zeigt, aufgelesen, mit dem kleinen Finger zusammengeschoben, es abgeleckt und verschluckt." Dann säuberte er sich den Mund - von seinem Sperma.
Das Braune unterm Fingernagel als Erinnerung an eine "weibliche Gesäßfalte" und der "kleine, reife Pickel" am Kinn, Pisse in der Hose und Unsex mit "Kontaktpersonen", wie sein erster männlicher Antiheld ("Ohne Eifer, ohne Zorn") Frauen zu nennen pflegte: Als Schriftsteller der Abgründe wurde Bodo Kirchhoff für alles Mögliche haftbar gemacht, was er bloß beschrieb.
Das feine Feuilleton wußte den Hautgout zu schätzen. "Ein wichtiges Debüt. Ein Debüt zum Fürchten", schrieb der Kritiker Benjamin Henrichs 1979 in der Zeit.
Zwei Theaterstücke von ihm wurden damals uraufgeführt, sein erstes Buch war angekommen, Kirchhoff hatte, wie er sich erinnert, "das Triumphgefühl", er - Dr. phil., promoviert in psychoanalytischer Pädagogik, aber zur Heilung gestörter Kinder nicht berufen - könnte endlich sein, was er sein wollte, ein Schriftsteller: "Jetzt liegt es nur an mir."
Seine Mutter, Evelyn Peters, erfolgreiche Produzentin von sauberen Frauenromanen, mußte "erschüttert" verkraften, daß ihr Sohn dem Abseitigen verfallen war - dem Igitt, dem Unaussprechlichen in der honorigen Welt der hanseatischen Kaufmannschaft, in die sie in zweiter Ehe eingeheiratet hatte.
Mit den Obsessionen eines trostlosen Streuners im Frankfurter Bahnhofsviertel ("Die Einsamkeit der Haut") erreichte der verlorene Sohn des Bürgertums den Gipfel seiner Degout-Akzeptanz - und stürzte jäh ab. Sein ebenso trostlos durch Afrika, Asien und Südamerika irrender Roman "Zwiefalten" kam nicht mehr an. Sein Fluchtversuch in die Phantasie, in eine "Mexikanische Novelle", wurde von Kritikern abgetan als "Short-Thriller" und "Männerkitsch". Kirchhoff ließ noch zwei Bände mit Erzählungen folgen, erschien auch mit beschriebener Haut im Fernsehen, und dann verschwand er in der Versenkung.
Jetzt ist Bodo Kirchhoff, 42, wie Phönix aus den Abgründen aufgestiegen in die bürgerliche Gewinnzone und auch in die neue Zeit, da die Bahnhofsviertel verschwinden und die schäbigen Obsessionen verdrängt werden von einem Bedürfnis nach Glanz und Größe. Daß die "Mexikanische Novelle" verfilmt wird, ist nur der Prolog zur Success-Story eines Schriftstellers. Kirchhoffs neuer Roman "Infanta" wurde schon vor seinem Erscheinen als Bestseller gehandelt*. Ehe der deutsche Markt getestet ist, wurde das Buch in acht Länder verkauft.
Kirchhoff kann sich "gar nicht vorstellen, daß so viele Leser in einen Laden gehen und 39,80 Mark bezahlen, den Preis einer herabgesetzten Pfanne, _(* Bodo Kirchhoff: "Infanta". Suhrkamp ) _(Verlag, Frankfurt; 504 Seiten; 39,80 ) _(Mark. ) übrigens ein Dumpingpreis für das Buch". Fünf Jahre hat er daran geschrieben, meist wie ein Besessener und immer unter dem Druck, sparsam zu leben.
Hat sich hier ein Intellektueller im Trivialgenre umgetan und die südamerikanischen Erfolgsautoren studiert, um Auflage zu machen? Nichts davon, sagt Kirchhoff.
Nachdem er die "unerhörte Banalität in ihrer ganzen Schärfe" ausgeschöpft und persönlich die "Selbsterfahrungsschlacht" in Frankfurts Nach-68er-Milieu hinter sich gebracht hatte, wollte er raus, raus auch aus dem Kulturbetrieb, der ihn verführt hatte, "mich eher wichtig als ernst zu nehmen". Er hatte nur zwei Vorstellungen. Er wollte lange an einem Buch schreiben, und es sollte ein Liebesroman werden. Und zwei Bedürfnisse: Er wollte mit "meiner Sprache allein sein" und irgendwo sein, "wo Menschen sind, die abgegrenzte Eigenschaften haben, wie man sie als Kind früher im Kasperletheater erlebt hat".
Von derartigen Charakteren zehren die südamerikanischen Autoren, nach Kirchhoffs Ansicht ihre Stärke: "Das haben wir nicht mehr, das macht es uns so wahnsinnig schwer, Bücher zu schreiben, die über eine gewisse Strecke fesseln. Unsere Neurosen sind auf Dauer nicht abendfüllend."
Auf der Suche nach einem elementaren Ort verfiel Kirchhoff auf die Philippinen, weil er sich dort englisch verständigen konnte. Im Januar 1985 angekommen, sprang ihn statt eines literarischen Einfalls das Gewaltklima des Bürgerkriegs an. Als "ängstlicher Mensch" suchte er eine Art Schutz bei Jesuiten an einer kleinen Universität in der Küstenstadt Cagayan de Oro auf Mindanao, um sich "von den klugen Männern etwas über die Insel erzählen zu lassen". Bei den Tischgesprächen hörte er die Pater wiederholt mit großem Respekt von einer entlegenen Station sprechen, wo einige alte Missionare ihren Lebensabend verbrachten. Einer von ihnen kam eines Tages in die Stadt, Kirchhoff begegnete ihm zufällig, und der alte Priester sagte: "Gott war mit Ihnen, als Sie mich getroffen haben. Sie können mitkommen."
Der Schriftsteller fand seinen Ort, der Roman seinen Anfang. Er beginnt damit, daß "an einem heißen Januartag" ein Mann um die 40, ein Deutscher, der aussieht wie das Klischee eines Schriftstellers, an einer tropischen Küste von einem alten Missionar aufgegabelt und mitgeschleppt wird ins Landesinnere auf die Station. Kirchhoff wußte im ersten Moment, als er in dem Nest namens Malaybalay das Haus sah, die Terrasse mit Blick auf die üppige Vegetation, daß sein Buch nur hier spielen konnte.
Vor Anspannung bekam er "die Migräne meines Lebens", und während der Tageslauf der Missionare wie gewohnt weiterging, kam die Inspiration durch ein Fenster zur Küche. Dahinter müßte ein schönes Mädchen arbeiten, eine Waise des Bürgerkriegs, die von den Missionaren aufgenommen worden war und sich zum Objekt ihrer heimlichsten Begierden ausgewachsen hatte, so daß sie an den Mann gebracht werden mußte. "So haben sie einen wie mich gesucht und hier hochgelotst" - Kirchhoffs Phantasie überschlug sich.
Er hatte seine Liebesgeschichte, den kollektiven Traum ausgelaugter Westler von der unverbrauchten Exotin. Und er hatte, wie einen antiken Chor, die Missionare, weltläufig und philosophisch beschlagen, Männer am Lebensende, aber Männer auch sie, die sich ihren Anteil an dem unerhörten Ereignis unter ihrem Dach nehmen und als Lust ihrer alten Tage die Liebe bereden.
In Wirklichkeit hantierte in der Küche eine zahnlose Alte. Vor dem Spuk seiner Phantasien flüchtete Kirchhoff aus dem Refugium der Alten nach Cebu City, "eine vorhöllische Stadt", mietete sich in einem billigen Hotel ein und begann zu schreiben. Um Geld aufzutreiben, reiste er wieder nach Frankfurt, aber schon zwei Monate später kehrte er "nervös" zu den Missionaren zurück, um ihnen seine Geschichte zu erzählen und auszuprobieren, ob sie stimmig war: "Da guckten sie mich alle an und sagten, na, wie nennen wir denn das Mädchen, und dann sahen sie auf eine wunderschöne Pekinesen-Hündin, die hieß Mayla."
Das Mädchen mit dem Hundenamen bekam im Roman die Züge einer Philippinin, die einmal im Flugzeug neben Kirchhoff saß. Sein literarisches Interesse an der verheirateten Frau löste einen Ehezwist aus. Der Ort, aus dem sie stammte und wo der Schriftsteller sie besuchte, gab dem Buch den Titel "Infanta", wörtlich: dem Kinde - gemeint der Jesus-Knabe - doch auch eine Reminiszenz an den Begriff des Infans, den der französische Psychoanalytiker und Strukturalist Jacques Lacan für das sprachlose Kind in der Phase imaginärer Spiegelung prägte.
Das epische Infanta ist ein Ort der Spiegelung eines Westeuropäers, doch auch Inbegriff eines tropischen Nestes mit seiner dumpfen Hitze und seinem Sog in die Lethargie, mit seinen schäbigen Hütten, seinem Schmutz und seiner Poesie, mit seiner vernetzten Gesellschaft und dem Spannungsbogen zwischen dem geistlichen Beobachtungspunkt am Rande und dem dumpfen Kern in einer Animierbude. Die Sängerin, die sie betreibt, hat ein lebendes Vorbild in einer "hinreißend häßlichen Frau". Kirchhoff las seine Figuren an verschiedensten Orten auf, auch in Bordellen, so wie er sich schon im Frankfurter Bahnhofsviertel bediente.
War sein literarisches Alter ego damals ein Bodybuilder, suchte er für seinen neuen Helden Kurt Lukas wieder einen Prototyp, der ihm so fern wie möglich war und doch wieder nah. Er fand ihn in einer Anzeige für die "bisher unerreichte Herrenduft-Vision" von Zino Davidoff: ein hochbezahltes Fotomodell, doch schon über den Zenit seiner Erfolgsjahre. Seinen Infanta-Entdecker baute er auf als Rätselmann, nur mit dem Namen Kurt Lukas, und mit einem Gesicht gut für die Zuweisung verschiedenster Talente. Daß er nicht Schriftsteller, noch nicht einmal Journalist ist, sondern optische Täuschung, bloß eine Reklame seiner selbst, enttäuscht die Missionare. Sie sind, wie alle Welt, auf ein Image hereingefallen, und als sie es merken, sind sie schon, genau wie ein Leser, viel zu verwickelt in die Geschichte des ganz anderen Menschen mit der Tragik, ein Objekt für die Projektionen anderer zu sein. Deshalb haben sie ihn schließlich für Mayla gewählt, und der Stellvertreter erfüllt erotische Phantasien - mit einem Kick, allerdings.
Er ist aus der Animierbude gekommen, er hat zuviel getrunken, ist bespritzt von seinem Erbrochenen und schweißüberströmt, will duschen, aber in der Missionsstation ist das Wasser abgestellt. So wie er ist, stinkend, nimmt ihn das Mädchen als ihren ersten Mann und entfernt ihm zuvor die Reste von Kotze. Hier erfüllt sich der Biograph des Ekels den Wunsch nach dem Moment, da diese Kategorie nicht mehr zählt.
Seinen Voyeurismus, der ihn schon als kleiner Junge umtrieb, wie er auf einem Foto von sich und seiner Mutter zu erkennen meinte, verteilte er auf die Priester. Animiert von den kleinen Geräuschen, vom Tap-Tap der Zehen Maylas (Kirchhoff: "Ich bin auch ein akustischer Voyeur"), machen sie sich ihre Bilder und erhoffen die mögliche Liebe, aber als Weltbeobachter wissen sie mehr um ihre Unmöglichkeit. Mit ihrem Mister Kurt, wie die Missionare ihren Gast nennen, haben sie sich ein Schwebeteilchen aus dem internationalen Ambiente eingefangen, einen Verbrauchsmann, der mehr Körper als Frauen kennt.
Der Ersatzmann flüchtet vor der Geisteskrankheit Liebe und dem Wahnsinn, den er mit ansieht. Bei der Wahl fallen Schüsse. Eine Frau wird zufällig getroffen. Sie liegt qualvoll leidend mit offener Brust da. Ihr schreiender Mann entreißt ihr erlösend das Herz - auch das ein Ausdruck von Liebe in schrecklichster Form. Eine solche Szene sah Kirchhoff nicht mit eigenen Augen, aber die Philippinen, wo sich Animismus und Katholizismus kreuzen und fast jeder mit einem Hackmesser herumläuft, sind voll von Geschichten über Irrsinnstaten. Da brauchte er bloß Zeitung zu lesen.
Die letzten Tage der Marcos und den Umsturz 1986 erlebte er live in der Hauptstadt, und was er sah, sieht, verdichtet, sein Held, der zwischendurch in seiner alten Attitüde im Flair eines Klasse-Hotels eine beziehungslose Affäre absolviert. In der Nacht, als die Revolution mit Brand und Chaos ihrem Höhepunkt zusteuert, bricht auch in ihm die Liebe durch, beim Lesen. Mayla schreibt ihm von Menschen, die mit Phosphor bespritzt sind und unter Wasser sein müssen: "Sobald sie auftauchen, brennen sie. Dieses Wasser ist mein Brief. Solange ich schreibe, denke ich, was ich will. Ich liebe dich, da steht es."
Mayla als Stück von Bodo Kirchhoff: Kühlung und auch Ausdruck der Gefühle durch Schreiben zu suchen ist für ihn existentiell. Aufgewachsen und "fast ersoffen in einem See von Sprache", den seine temperamentvolle Mama, in jungen Jahren Schauspielerin, und sein "sagenhaftes Ömchen", eine gelernte Opernsängerin, produzierten, suchte er sich schon früh im Schreiben seinen "Rettungsring". Zeitweilig versucht er es auch mit der Malerei, aber beim Schreiben kann er doch besser sich und seine Spiegelung von Welt beherrschen.
Wörter ziehen seinen Helden nach Infanta und zurück zu Mayla. Die beiden erleben den Höhepunkt ihrer Geschichte, und er ist eigentlich gerade vorbei, als er ihr von einem blauen Bild erzählt (es hängt tatsächlich im Frankfurter Städel), das ihn, wenn er es betrachtete, intensiv beschäftigte und doch einfach an nichts denken ließ. Der Moment, da die Liebe mit Glück und Ruhe zusammengeht, verstreicht nach Kirchhoffs Erfahrung "unbemerkt, weil man gar nicht darauf achten kann, und dann kommt das Verlies der Erfüllung; das unermeßlich Ozeanische entleert".
Sein Held verliert sich im Betrieb eines kleinen Ladens und in der Phantasie, seine Liebe an die erlesensten Plätze Roms zu verpflanzen. Auch hier verwandte Kirchhoff eine typische Eigenschaft von sich. Er phantasiert immerzu das Glück woanders, statt es da suchen zu wollen, wo er gerade ist. Infanta und seine Figuren rekonstruierte er in Rom, wo er sein Buch schließlich zum drittenmal schrieb und erst da den Ton fand.
Mayla, die ein Kind erwartet, ist klug genug, um ihre Welt nicht zu verlassen. Die Liebe zu leben ist für den Mann ebenso undenkbar, wie sie zu beenden. Durch ein Feuer entlädt sich der innere Konflikt in der panischen Vorstellung, seine Liebe könnte verbrannt sein oder doch gerettet ihm jetzt, in diesem Augenblick, mit dem Auto gebracht werden. Er rennt in den nahenden Wagen (wie der Schriftsteller Rolf Dieter Brinkmann _(* Mit Notizen von Kirchhoff. ) oder auch der französische Sprachphilosoph Roland Barthes, deren rational nicht zu erklärender Unfalltod Kirchhoff noch immer beschäftigt).
Sterbend in Maylas Armen macht er als letzte Verständigung kleine Zeichen mit der Hand. Beschrieben sind die Zeichen, die Kirchhoffs Frau Ulrike Bauer machte, als sie durch einen Kaiserschnitt den gemeinsamen Sohn zur Welt brachte und nach der Narkose nicht sprechen konnte. Sein neugeborenes Kind kommt im Buch vor als Kind einer "Frau im Schmutz", der Asozialen von Infanta, doch auch elementares Bild der Wilden, die in einem Lastwagenreifen lebt wie im Nabel der Welt.
Obwohl er mit seinem Roman den Publikumsgeschmack bedient, scheinen doch immer wieder die Themen durch, die das Frankfurter Intellektuellen-Milieu beschäftigten. Seine abgründigen Phantasien deutet sich Kirchhoff nicht. Schon in seinem ersten Theaterstück erschlug er die Psychoanalyse in Gestalt eines Therapeuten, der dem erwachsenen Kinde einer überdimensionierten Mama helfen wollte. In "Infanta" erschießt er die Psychoanalyse auch noch. Als großer Abwesender ist bei den Missionaren der im römischen Exil lebende Befreiungstheologe Pater Gregorio. Vorbild war der von den Freudianern exilierte Lacan - Kirchhoffs großer Abwesender, der ihn lange gefangennahm, aber doch eine Enttäuschung war.
Als Pater Gregorio nach der Revolution zurückkehrt, wird er beim Aussteigen aus dem Flugzeug abgeknallt - wie in Wirklichkeit der Oppositionsführer Aquino. Die Missionare sind verstört, aber auch befreit von ihrer Gedankenkontrolle. In ihnen steigen Erinnerungen an die eigene Liebe auf, die ein Raster der verschiedenen Unmöglichkeiten ergeben und damit einen Begriff von kollektiver Erfahrung. Wer hielt schon die Liebe auf der Höhe, sie bleibt nur in der Fiktion oder geht nieder in der Anpassung an die Alltäglichkeit.
Daß Kirchhoff in seinem Roman Trennung und Tod für ein und dasselbe nimmt, wie im Leben die Ausnahme, drängte sich seiner Phantasie zwingend auf: "Ich konnte das nicht anders schreiben." Persönlich arrangierte er sich nach einer traumatischen Trennung in einer nun schon zehn Jahre alten Beziehung und heiratete, als das Kind kam, aber so eine Schriftstellerehe ist für ihn "die Quadratur des Kreises". Er redet lieber von seiner "Freundin" als von seiner Frau. Während seiner Produktionsphase strapazierte er sie bis zum Exzeß, an jeder Windung, jeder Verklemmung mußte sie Anteil nehmen, so daß die beiden über das Personal des Romans schließlich wie über Bekannte sprachen. "Für Ulrike", ihr ist das Buch gewidmet.
Die Kindertherapeutin Ulrike Bauer betrachtet sich als alleinerziehende Mutter. Der Vater, der allein mit seinem Schreibtisch lebt, kreuzt regelmäßig auf. Der Begriff Familie wird streng vermieden. Für Kirchhoff gibt es "ganz wenig Selbstverständlichkeiten", aber für seinen Sohn Claudius will er unbedingt Selbstverständlichkeiten schaffen, sogar etwas wie Weihnachten, wenn er auch noch nicht weiß wie. Er weiß noch nicht einmal, wo er leben möchte, er hat zwar ein Verhältnis zu seiner Sprache, "eine Verbundenheit auch zu einigen Menschen, zu einigen Lokalitäten, aber zu Deutschland nicht".
Die letzten Worte, kein Held ohne sie, sagt Mister Kurt deutsch, sie besagen wenig und sind doch Inbegriff der Lacanschen Philosophie, wonach der Mangel bis zum letzten Atemzug das Begehren antreibt und auch die Phantasie: "Ich möcht . . ." o
* Bodo Kirchhoff: "Infanta". Suhrkamp Verlag, Frankfurt; 504 Seiten; 39,80 Mark. * Mit Notizen von Kirchhoff.
Von Ariane Barth

DER SPIEGEL 32/1990
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