30.04.1990

GESTORBENDexter Gordon

67. "Tyrannosaurus Dex" wurde er genannt, dieser Jazz-Saxophonist und Überlebenskünstler, der einer untergegangenen Epoche anzugehören schien und doch bei Auftritten lässiger und vitaler wirkte als viele Jüngere. Der Arztsohn aus Los Angeles hatte mit 17 bei Lionel Hampton angefangen, spielte wenig später mit Louis Armstrong und Dizzy Gillespie, und Mitte der vierziger Jahre wurde er zu einem der Begründer des Bebop. Seine weiten Melodiebögen und komplexen Harmonien prägten den Stil einer ganzen Generation von Tenorsaxophonisten, doch mit dem Niedergang des Bebop geriet Gordon ins Abseits. 1962 ging er für 14 Jahre nach Europa. Sein anschließendes Comeback in New York war triumphal. 1986 schließlich packte er seine ganze Vita, geprägt von Ekel und Euphorie des Jazz, in einen Film: Die Rolle eines von Drogen und Krankheiten gezeichneten Musikers spielte er in Bertrand Taverniers "Round Midnight" so überzeugend, daß Woody Allen sagte: "Er ist der beste nichtprofessionelle Darsteller, den ich je gesehen habe." Dexter Gordon starb vergangenen Mittwoch in Philadelphia an Nierenversagen.

DER SPIEGEL 18/1990
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GESTORBEN:
Dexter Gordon

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  • Queen's Speech: Elizabeth II. verliest Johnsons Pläne
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