03.12.1990

Schöne Tage in Caputh

Sei ein gutes faules Tier Streck alle Viere weit von Dir. Komm nach Caputh, pfeif auf die Welt Und auf Papa, wenn Dirs gefällt.
Noch ein halbes Jahrhundert danach erinnerten sie sich lebhaft an das Blockhaus und die Sommerfrische: Margot Einstein, die Tochter, an die "schönen Hölzer, die noch lange dufteten"; Herta Schiefelbein, die Hausgehilfin, an die Trompetenstöße, mit denen die Tochter des benachbarten Töpfermeisters den Professor an das Telefon rief; Konrad Wachsmann, der Architekt, an die flatternden Segel im Schilf, wenn Albert Einstein, mit einem Bleistiftstummel über dem Notizblock, die Zeit vergaß. Den Ältesten im Dorf ist es, als sei es gestern gewesen: das brüllende Gelächter, das plötzlich am Waldrand losbrach; der Klang der Geige, wenn die Sonne in die Nebelschleier über dem Wasser tauchte.
Erinnerungen an Albert Einsteins glücklichsten Lebensabschnitt, an die schönen Tage in Caputh, wo das Jahrhundertgenie sich in den Jahren vor seiner Emigration den Sommer über aufhielt. Dem Hausherrn gefiel es "großartig": das "Häusle", sein "dickes Segelschiff", der weite Blick über die Wasserlandschaft der Havelseen nach Potsdam hin, die einsamen Spaziergänge im sandigen Kiefernwald - es war sein "Paradies".
Das Haus ist noch da, die Fernsicht fast zugewachsen. Ein Bronzeschild neben der Tür sagt: "In diesem Hause lebte von 1929 bis 1932 Albert Einstein".
Das Häusle ist der einzige Bau, der 35 Jahre nach Einsteins Tod an Einsteins Leben in Deutschland erinnert. Sein Geburtshaus in Ulm ist zerstört, die Stadtwohnung in Berlins Bayerischem Viertel zerbombt. (Mit Mendelsohns expressionistischem "Einsteinturm" auf dem Potsdamer Telegrafenberg und dessen bizarrer Auffälligkeit konnte er nie etwas anfangen.) Was soll nun werden aus dem Haus? Eine Gedenkstätte? Einstein, der nicht mal eine Grabstätte wollte - seine Asche wurde an einem unbekannten Ort verstreut und verweht -, hatte auch über sein letztes Domizil im amerikanischen Princeton verfügt: "Laßt das Haus nicht zum Museum werden!"
Eben an ein "Museum" haben aber die neuen Berater der Gemeinde Caputh schon gedacht: kommerzialisiert, mit Imbiß und Ausschank auf der Parzelle. Eine so ruppige Ausbeutung seines Namens wäre eine weitere Variante im Umgang der Deutschen mit Albert Einstein. So wurde *___eine im Jahre 1929 von der Berliner Stadtverwaltung in ____Aussicht gestellte Schenkung zu Einsteins 50. ____Geburtstag hintertrieben; *___das von Einstein aus eigenen Mitteln erworbene und ____bebaute Anwesen 1935 von den Nazis konfisziert; *___das vom Kriege unversehrte Objekt von der DDR an ____Einstein oder seine Erben nie zurückgegeben.
Das Haus wurde zu Einsteins 100. Geburtstag im Jahre 1979 restauriert und seitdem von der DDR als "Gästehaus" für ihre Akademie der Wissenschaften geführt, tatsächlich aber von einigen der Akademiker, die sich offenbar als geistige Erben Einsteins verstanden, wie eine Datsche benutzt.
Wie ein Appell an die Öffentlichkeit mutet in dieser Situation ein Buch an, mit dem der Berliner Journalist Michael Grüning jetzt die schönen Tage von Caputh wiederaufleben läßt, in einem Kaleidoskop aus Erinnerungen, Briefen, Dokumenten, mit zahlreichen Fotos aus dem Familienalbum und Reproduktionen aus Einsteins Gästebuch*.
Der Professor mit dem wilden Haarbusch war der Superman der zwanziger Jahre, seine Formel E=mc2 erschien vielen wie eine magische Chiffre. Der Mann hatte herausgefunden, daß Raum und Zeit nicht das seien, was alle Leute dachten, er hatte das ganze, bis dahin gültige Weltbild umgestoßen.
Kollegen würdigten seine Relativitätstheorie als "eine der größten Leistungen in der Geschichte menschlichen Denkens". George Bernard Shaw billigte, in einem Toast auf Einstein, zwar insgesamt acht Naturphilosophen wahre Größe zu, erkannte aber nur drei als Schöpfer "vollständiger Universen" an: "Ptolemäus, Newton, Einstein".
Alle Welt sprach über Einstein und seine Theorie, kaum einer verstand sie. Der Biochemiker (und spätere Staatspräsident _(* Michael Grüning: "Ein Haus für Albert ) _(Einstein". Verlag der Nation, Berlin; ) _(584 Seiten; 228 Abbildungen; 38 Mark. ) von Israel) Chaim Weizmann erzählte von einer gemeinsamen Schiffsreise über den Atlantik: "Einstein erklärte mir jeden Tag seine Theorie, und bei unserer Ankunft war ich schließlich überzeugt, daß er sie verstand."
Diesem "größten Genie unseres Jahrhunderts" zu seinem 50. Geburtstag am 14. März 1929 zu gratulieren war dem Berliner Oberbürgermeister Gustav Böß Ehrensache: Die Stadt sei stolz darauf, jenen Deutschen zu ihren Bürgern zu zählen, dessen Ruhm die Welt erfülle und dessen Name "durch die Jahrtausende hindurch" zu den "Unsterblichen" gehören werde. Als "Ehrengabe" kündigte der OB dem Naturfreund und Segler ein Haus am Wasser an.
Damit begann, was Einstein später eine "Komödie der nicht ganz unbeabsichtigten Irrungen" nannte: Alle Ansätze zu dem Geschenk wurden durch Machenschaften in der politisch buntscheckigen Stadtverwaltung vereitelt.
Die Hochschätzung Einsteins war keineswegs einhellig in Deutschland. Dogmatischen Physikern erschien sein Gedankengut wie Science-fiction. Empirische Forscher sahen in Einsteins Mitteln des reinen Denkens eine unverschämte Provokation - und da es sich bei dem Denker auch noch um einen Juden handelte, machten die "Deutschen Naturforscher" auf breiter Front gegen ihn mobil, allen voran der deutschnationale Nobelpreisträger Philipp Lenard. Die Völkischen betrachteten die Relativitätstheorie als Teil einer (semitischen) Verschwörung, die (arischen) Naturwissenschaften zu verseuchen.
Schlimmer: Der Mann war Weltbürger, Pazifist und Antimilitarist, der das Militär als "Schandfleck der Zivilisation" und die "leidige Vaterländerei" wie jede "Vereinsmeierei" verachtete.
Vor diesem Hintergrund begann eine peinliche, für Berlin blamable Affäre. Erst konnte die Stadt kein geeignetes Haus ausfindig machen, dann verkleinerte sie das Präsent auf eine Parzelle, doch die angebotenen Stücke waren durchweg eine Zumutung. Am Ende empfahl sie dem Jubilar, sich sein Geschenk selber zu suchen.
Einsteins fanden einen idyllischen Flecken, 1500 Quadratmeter auf einem Hügel am Ortsrand von Caputh, direkt am Wald, drei Minuten vom Wasser. Sie verauslagten den Kaufpreis und erwarben, zur Arrondierung, einen Streifen von rund 500 Quadratmetern hinzu.
Als die Bewilligung der erforderlichen 20 000 Mark von den Nationalen in der Stadtverordnetenversammlung von Sitzung zu Sitzung verschleppt wurde, handelte Einstein, wie sein Biograph Ronald W. Clark anmerkt, "verzweifelt, aber mit Würde" - er schrieb dem Bürgermeister einen Brief des Inhalts: Da die Bemühungen um das geplante Geschenk "offenbar zu langwierig" seien "im Vergleich zu der Kürze des menschlichen Lebens", ersuchte er das Stadtoberhaupt, "die Angelegenheit zu begraben".
Einsteins kauften und bauten selbst und brauchten dafür ihre gesamten Ersparnisse auf: 60 000 Mark. "Wir sind", notierte Ehefrau Elsa, "ohne es zu wollen, zu einem eigenen Haus gekommen. Wir haben nun kein Geld, aber dafür unseren eigenen Grund und Boden."
Einstein selbst, in seinem "Bedürfnis nach Genügsamkeit", betrachtete den kleinen Besitz zwar als geradezu frivolen Luxus. Doch Elsas Etagenwohnung im Bayerischen Viertel war ihm immer relativ gleichgültig gewesen, und von der Beschaffenheit der ersehnten Eremitage hatte er ganz präzise Vorstellungen: braunes Blockhaus mit weißen französischen Fenstern und dunkelrotem Ziegeldach.
Der junge Konrad Wachsmann baute es ihm aus astreinem Oregon Pine und galizischem Tannenholz, mit 40 Quadratmeter großem Wohnraum, offenem Kamin und großzügigen Terrassen. Für seinen kombinierten Schlaf- und Arbeitsraum begnügte der Bauherr sich mit 16 Quadratmetern.
Auch der Schreibtisch wurde nach Einsteins Wünschen geschreinert, mit Platz für zwei Zettelkästen und eine Lampe: 130 Zentimeter breit, 67 Zentimeter tief, 72 Zentimeter hoch. Im widerwillig akzeptierten Bücherregal verwahrte der Hausherr später hauptsächlich _(* Noch vor der Enteignung Einsteins ) _(durch die Nazis wurde sein Segelboot ) _(eingezogen und in der Potsdamer ) _(Tageszeitung zum Verkauf ausgeschrieben. ) seine Geige. Die Bücher stapelte er am Boden.
Die Affäre war für ihn abgeschlossen; besorgte Freunde beschied er mit einem Satz: "Das Häuschen ist zwar eine Pleite, aber eine sehr schöne."
Fortan empfing die Einsteins, wenn sie im Frühjahr nach Caputh rauskamen, im Garten ein weißblauer Teppich von Arabis und Vergißmeinnicht. Sie blieben bis in den Herbst, und Albert Einstein schien das Leben eines Ruheständlers zu führen: Er segelte, sammelte Pilze, spielte Geige - am liebsten Mozart und Bach, auch Schubert, stets nach der Losung: "Hören, spielen, lieben - und Maul halten!"
Meist ging er leger, barfuß in Sandalen, mit offenem Hemd. Der Bäcker brachte frische Brötchen, auf dem Küchenzettel stand oft Matjes mit grünen Bohnen, an kühlen Abenden flackerte Feuer im Kamin.
Um weder für ungebetene Gäste noch für Elsa erreichbar zu sein, verbrachte er viel Zeit auf seinem "dicken Segelschiff", dem Jollenkreuzer "Tümmler", einem Geschenk begüterter Freunde. Einstein war ein geschickter Segler, aber ohne jeden sportlichen Ehrgeiz, es machte ihm nichts, die Segel flattern zu lassen. Häufig fuhr er ins Schilf, um sich Notizen zu machen, und vergaß darüber den Tag, so daß Elsa aufgeregt Ausschau nach ihm hielt.
Einstein war Nichtschwimmer, führte das Boot aber mit der Furchtlosigkeit eines Knaben - auf dem Templiner See, auf dem Schwielowsee, von dem schon Fontane wußte, daß er "unberechenbar" sei ("Nach Caputh zu liegen die Schiffe, die der Schwielow hinabgerissen"). Auch Einstein wurde gelegentlich von Gewittern überrascht, hielt den "Tümmler" aber lachend auf Kurs und beunruhigte Mitsegler, die besorgt, aber vergeblich nach Schwimmwesten fragten, mit der Bemerkung: "Wenn ich ersaufe, ersaufe ich ehrlich."
Über das Leben im "Landhäusl" schrieb Elsa im September 1930 an eine Freundin: "Albert arbeitet wie kaum je zuvor, er strahlt u. leuchtet. Hat sich die herrlichste Theorie ausgedacht . . . Wenn sie nur wahr bleibt!!!"
Um in Ruhe arbeiten zu können, wollte Einstein partout kein Telefon im Haus - eine Vorbeugungsmaßnahme von zweifelhaftem Wert: Leute tauchten oft ohne Vorwarnung auf; andererseits wurden Einsteins fortwährend an das Telefon des Töpfermeisters Wolff gerufen.
Zu diesem Zweck hatte Elsa ein Signalsystem ersonnen und für die Töpferstochter eine Trompete angeschafft: Dreimaliges Tuten war für die "Stütze" Herta; zweimal länger meinte die Hausfrau; einmal lang und laut galt Einstein.
Natürlich kam andauernd Besuch, einer berühmter als der andere. Damals war es in Berlin nichts Ungewöhnliches, wenn fünf, sechs Nobelpreisträger beisammensaßen; zum Tee bei Einsteins erschienen Max von Laue, Max Planck, Walther Nernst, Fritz Haber, dazu Otto Hahn, Max Born, Erwin Schrödinger.
Andere Sommergäste waren Arnold Zweig und Anna Seghers, Käthe Kollwitz und Heinrich Mann, Alfred Kerr, Max Liebermann, der russische Kulturkommissar Lunatscharski, der indische Dichter Tagore. Die Familie Gerhart Hauptmann trat immer geschlossen auf - wobei Einstein sich ungleich lebhafter für die temperamentvolle Margarete (und ihre kostbare italienische Geige) als für die Selbstdarstellungen des schon leicht senilen Dramatikers interessierte.
Den Besuchen des Chemie-Nobelpreisträgers Haber sah Elsa stets mit großer Beunruhigung entgegen. Beide waren außerordentlich kurzsichtig, und das führte schnell zu kleinen Katastrophen, zumal die Dame des Hauses keine Brille trug, sondern lediglich ein Lorgnon benutzte. Einmal goß sie den Tee für Haber in die Zuckerdose, und der bemerkte den Irrtum erst, als er aus der Dose auch trinken wollte - woraufhin Einstein, zu beider Betroffenheit, vor Lachen losbrüllte. Otto Hahn beobachtete den Vorgang mit großem Staunen.
Aus ihren ebenso blauen wie kurzsichtigen Augen mußte Elsa oft ratlos auf Albert und die Welt blicken. "Zum Schicksal meiner Mutter gehörte es", erinnerte sich Margot, "daß sie bei Albert mit allen Dingen aufpassen mußte, von seinem heimlichen Rauchen bis zum Essen" - und den Frauen, wie hinzugefügt werden muß.
"Das müßte Elsa sehen", freute er sich, wenn er an Bord des "Tümmler" sich vergnügt die Pfeife stopfte. "Albert, iß, träume nicht!" bekam er bei Tisch zu hören. Elsa schnippelte ihm die Haare (das Resultat ist auf zahlreichen Fotos dokumentiert). Elsa verwaltete auch das Haushaltsgeld, von dem sie ihrem Mann einen geringfügigen Betrag als Taschengeld zuteilte (etwa für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel).
Eines Tages konnten Freunde beobachten, wie Einstein in den Taschen seiner Hose einen Zettel suchte - und den Tascheninhalt eines Schuljungen auf den Tisch entleerte: Taschenmesser, Bindfaden, Bleistiftstummel, Kekskrümel, Kleingeld - schließlich das Papier, ein Gedicht, das ihm die belgische Königin Elisabeth, seine zweite Geige beim gemeinsamen Musizieren auf Schloß Laeken, gewidmet hatte, auf dem, neben der königlichen Signatur, in Einsteins kleiner regelmäßiger Schrift "Autobus 50 Pf" zu lesen war.
Größte Aufregungen verursachte immer wieder seine Affinität zu Frauen - zu den zahlreichen, die ihm gefielen, zu den zahllosen, die ihn anhimmelten. Auf Frauen, fand Wachsmann, wirkte Einstein "wie ein Magnet auf Eisenpulver".
Die hübsche russische Theaterregisseurin Natalja Saz phantasierte sich über ein Weekend bei Einsteins einen halben Ernteeinsatz mit dem Genius zusammen, beschrieb später Erdbeer-, Gurken- und Kartoffelbeete, in denen sie, "wunderbar!", unkrautjätend umherhüpfte, während der Meister "mit mathematischer Genauigkeit" seinen Garten sprengte; nach Tische fand sie, den Streicher zur "Melancholischen Serenade" und bei der "Nocturne" am Klavier begleitend, eine "tiefe Gemeinsamkeit mit diesem Menschen" - eine Schilderung, deren Glaubwürdigkeit von Einsteins langjähriger Stütze Herta Schiefelbein schnöde erschüttert wird: "Es gab keine Beete mit Erdbeeren, Gurken, Kartoffeln" in Caputh, und "es gab im Sommerhaus kein Klavier".
Es gab aber, in einer Villa am Wannsee, Toni Mendel, eine attraktive Frau mit Kunstverstand und ansehnlichem Vermögen; sie war sicher mehr als Einsteins bevorzugte Begleiterin bei Konzertbesuchen. Und es gab - als weiteren Anlaß für Elsa, tagelang pikiert umherzustolzieren - eine schicke Blondine mit einem tiefdekolletierten Badedreß, eine fröhliche junge Wienerin, die Einstein im Sommer _(* Links: mit den Nobelpreisträgern ) _(Walther Nernst, Max Planck, Robert ) _(Millikan, Max von Laue; rechts: mit Elsa ) _(Einstein, Dmitri Marianoff, Margot ) _(Einstein. ) 1932 wohl nicht nur beim Segeln half.
Es war der letzte Sommer in Caputh. Als Einstein Anfang Dezember 1932 das "Häusle" abschloß (um zu seinen winterlichen Gastvorlesungen nach Amerika zu fahren), bewogen ihn wohl dunkle Ahnungen, Elsa nahezulegen: "Schau es dir gut an." "Warum?" "Du wirst es niemals wiedersehen."
Am 10. Dezember verließen sie Europa, um nie wieder deutschen Boden zu betreten. Nach dem Ausbruch der NS-Barbarei wollte Einstein "einfach aus Reinlichkeitsbedürfnis" mit diesem Volk und seinem Land nichts mehr zu tun haben.
Die Nazis konfiszierten das Haus; die Gemeinde Caputh überließ es der Hitlerjugend. Auch der "Tümmler" wurde arisiert.
Sechs Monate vor seinem Tod, im Herbst 1954, notierte Einstein für seine Korrespondenz, daß als Erbe der Nazis nun "das heilige Rußland in Erscheinung getreten" sei. Einmal habe es "einen schwachen Anlauf genommen", ihm das Häuschen "mit einem graziösen Kompliment zurückzugeben". Es habe sich aber bald eines anderen besonnen _(* Am Fenster seines Arbeitszimmers. ) und "hat nicht mehr gepiepst". Tatsächlich hat die DDR das Haus an Einstein nie zurückgegeben. Zunächst diente es Umsiedlern, dann dem Bürgermeister als Wohnung. Ende der siebziger Jahre schwatzten die Ostdeutschen der greisen Margot das Einverständnis ab, Einsteins Sommerfrische als "Gästehaus" für Wissenschaftler der Akademie benutzen zu dürfen.
Nun sind die Nutzer so sanierungsbedürftig wie der Bau. Michael Grüning, sein Chronist, und Konrad Weiß, vom Bündnis 90, wollen eine drohende Verwertung verhindern, sie bemühen sich um eine angemessene Verwendung des Häuschens. Ende letzten Monats erläuterten sie Manfred Stolpes Landesregierung ihren Vorschlag.
Gemeinsam mit dem Gesamterben der Familie Einstein, der Hebräischen Universität Jerusalem, sollte Brandenburg eine deutsch-jüdische Begegnungsstätte einrichten, an der "Caputher Gespräche" stattfinden könnten. Eine solche Einrichtung, meint Grüning, stünde in der Tradition der Aufklärung und wäre vielleicht noch am ehesten im Sinne Albert Einsteins.
Vielleicht. Vielleicht wär''s ihm auch egal.
Karl Heinz Krüger
* Michael Grüning: "Ein Haus für Albert Einstein". Verlag der Nation, Berlin; 584 Seiten; 228 Abbildungen; 38 Mark. * Noch vor der Enteignung Einsteins durch die Nazis wurde sein Segelboot eingezogen und in der Potsdamer Tageszeitung zum Verkauf ausgeschrieben. * Links: mit den Nobelpreisträgern Walther Nernst, Max Planck, Robert Millikan, Max von Laue; rechts: mit Elsa Einstein, Dmitri Marianoff, Margot Einstein. * Am Fenster seines Arbeitszimmers.

DER SPIEGEL 49/1990
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