25.06.1990

Hausmitteilung Betr.: DDR

Hausmitteilung Betr.: DDR
Als SPIEGEL-Redakteur Armin Mahler Anfang Dezember vergangenen Jahres zum ersten Mal das VEB Kombinat Elektromaschinenbau in Dresden besuchte, hatte Generaldirektor Heiner Rubarth noch etwas Mühe mit den modernen Zeiten. Ganz ohne staatliche Vorgaben konnte er sich die künftige "sozialistische Marktwirtschaft" nicht vorstellen. Die Umbildung des Kombinats in eine Aktiengesellschaft hielt er für "nicht vordringlich", er meinte: "Wenn man das Fliegen lernt, fängt man doch nicht mit einem Düsenflugzeug an."
Vom nächsten Sonntag an muß Rubarth fliegen. Als erster DDR-Manager hat er sein Kombinat in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Es nennt sich jetzt VEM-Antriebstechnik AG, Rubarth ist Vorstandsvorsitzender. Wieder war Wirtschaftsredakteur Mahler in Dresden, diesmal, um die Stimmung kurz vor dem historischen 1. Juli zu beschreiben. Er fand gut gerüstete DDR-Betriebe wie VEM, aber auch Firmen, die kaum eine Chance haben. Er sprach mit forschen West-Beratern und deprimierten Ost-Direktoren. Nur den neuen DDR-Unternehmer, Wunsch- und Hoffnungsfigur im deutschen Vereinigungsdrama, den suchte er vergebens. Ängstlich und ein wenig apathisch erwartet die DDR-Bevölkerung den Vollzug der Wirtschafts- und Währungsunion. Ein Dresdner Ingenieur zu Mahler: "Jeden Tag eine neue Hiobsbotschaft!" (Seite 20).
Mahlers Titel, für den SPIEGEL-Redakteure und Korrespondenten aus beiden, kaum noch getrennten, deutschen Staaten Informationen zugeliefert haben, ist seit dem Wende-Beginn der 28. über die DDR und den Schnell-Zug zur deutschen Einheit. Eine solche Serie - sie begann mit dem SPIEGEL-Titel 39/1989 über "Flüchtlinge, Wiedervereinigungs-Träume, DDR-Opposition" - gab es noch nie: von 38 aufeinanderfolgenden Titeln 28 zum selben Themenkomplex. Mit der "Stunde Null" ist die Serie nicht zu Ende. Nur das Titelwort DDR wird bald nicht mehr gebraucht.

DER SPIEGEL 26/1990
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