12.11.1990

Untergrundarmee „Gladio“ und die Mafia

Untersuchungsrichter in Palermo forschen nach Verbindungen zwischen der Mafia und der paramilitärischen Geheimorganisation "Gladio" bei Politiker-Morden. Italiens Regierungschef Giulio Andreotti hatte in den vergangenen Wochen gestehen müssen, daß es seit 40 Jahren ein solches illegales Freikorps gibt, das die CIA in den fünfziger Jahren als der Nato zugeordnete Geheimorganisation gegründet hatte. Die Untergrundarmee sollte, so der ehemalige CIA-Chef Colby, "sowohl im Fall einer sowjetischen Invasion als auch einer internen kommunistischen Revolution" aktiv werden. Vorrangig war die innenpolitische Funktion des Geheimtrupps: Er sollte helfen, auch eine demokratische Machtübernahme durch die KPI zu verhindern. Allein zwischen 1969 und 1984 waren in Italien 140 Menschen Anschlägen zum Opfer gefallen, die nie aufgeklärt wurden. Jetzt tauchen "Gladio"-Männer als Drahtzieher auf: Amos Spiazzi etwa, ein "Gladio"-Oberst, war sowohl für seine Beteiligung am geplanten faschistischen Putsch des Fürsten Borghese 1970 als auch am Attentat auf dem Bahnhof von Bologna 1980 in erster Instanz verurteilt und in der zweiten wieder freigesprochen worden - aus Mangel an Beweisen. Querverbindungen zwischen Mafia und rechtsterroristischen Kreisen gibt es auch bei der Ermordung des sizilianischen Ministerpräsidenten Piersanti Mattarella. Der Christdemokrat, der wie Aldo Moro für die Öffnung zu den Kommunisten eintrat, war 1980 von einem Mafia-Kommando erschossen worden, zu dem auch der Terrorist Giusva Fioravanti zählte. Weil der "Gladio"-Chef von Palermo, Alberto Volo, eng mit den rechtsterroristischen Kreisen verbunden war, will die Justizbehörde von Palermo die Untersuchungen über den Tod Mattarellas neu aufrollen.

DER SPIEGEL 46/1990
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