12.11.1990

MEIR KAHANE

Sein Hebräisch war eine gestammelte Mixtur aus Slangwörtern und Bibelzitaten und für Israelis kaum verständlich. Dennoch schaffte es der ultraradikale Rabbi MeIr Kahane, 58, in seinen Glanzzeiten, Zehntausende Jünger zu seinen Veranstaltungen zu locken. Er predigte Haß und Gewalt: Araber bezeichnete er grundsätzlich als "Hunde, die wir vertreiben müssen". Sein Traum von einem Groß-Israel teilten und teilen zwar viele Israelis bis hin in höchste Regierungsämter. Doch Kahane ging weiter. Sein biblisches Erez Israel müsse "absolut araberfrei" sein, "gesäubert von allen Ungläubigen und Kriminellen". Aber dann hätte er selbst keinen Platz darin gefunden. Denn der Sohn eines orthodoxen Rabbis, geboren und aufgewachsen im New Yorker Stadtteil Brooklyn, kam schon früh mit dem Gesetz in Konflikt. Als Teenager schloß er sich einer militanten jüdischen Jugendorganisation an, die Teilnahme an einer gewalttätigen Demonstration brachte ihn erstmals hinter Gitter. Nach einem Jura-Studium arbeitete er unter dem Decknamen Martin King für die Bundespolizeibehörde FBI und forschte Anti-Vietnam-Aktivisten aus. 1968 gründete er die rassistische "Jewish Defense League", die in den USA brutale Anschläge gegen Schwarze und Kommunisten verübte. Um einer erneuten Festnahme zu entgehen, flüchtete der Rabbi nach Israel. Seine dort gegründete "Kach"-Partei errang 1984 so viele Stimmen, daß Kahane in das Jerusalemer Parlament einziehen konnte, wo er ausschließlich durch rassistische Ausfälle gegen Araber auffiel. 1988 erklärte die Regierung seine Partei für illegal. Kahane stand vor dem beruflichen wie politischen Nichts und kehrte in seine Heimatstadt New York zurück. Dort starb er vergangenen Montag in einem Hotel in Manhatten durch die Schüsse eines naturalisierten Arabers. Tags darauf, beim Begräbnis in Jerusalem, kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen von 15 000 Kahane-Anhängern, die durch die Straßen der heiligen Stadt zogen und "Tod allen Arabern" skandierten.

DER SPIEGEL 46/1990
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