25.06.1990

BERUFLICHESChristine Andert-Schanderl

Christine Andert-Schanderl, 28, Nürnberger Rechtsreferendarin, die sich als Schülerin vor zehn Jahren durch hartnäckiges Tragen von "Stoppt Strauß"-Plaketten mit der bayerischen Staatsbürokratie angelegt hatte, erhält trotz Prädikatsexamens keine Chance, im Freistaat Bayern Beamtin zu werden. Letzte Woche scheiterte auch ein Vorstoß der Opposition im Bayerischen Landtag, der jungen Juristin eine normale Referendarzeit als "Beamtin auf Widerruf" zu ermöglichen, an der CSU-Mehrheit. Regierungsvertreter beteuerten zwar, bei der Ablehnung der Bewerberin habe der alte Streit um das Wapperl keine Rolle gespielt; entscheidend sei vielmehr ihre frühere "Mit- und Zusammenarbeit mit kommunistischen und kommunistisch beeinflußten Organisationen" gewesen. SPD und Grüne im Landtag sind dennoch der Meinung, daß die Referendarin das Opfer eines "Verfolgungskriegs" ist. Das Oberlandesgericht Nürnberg hatte das staatliche Berufsverbot für Christine Andert im Oktober mit einer "Persönlichkeitsprognose" bekräftigt, nach der nicht zu erwarten sei, "daß die Antragstellerin in Krisenzeiten und ernsthaften Konfliktsituationen für den Staat Partei ergreift". *ÜBERSCHRIFT: URTEIL

DER SPIEGEL 26/1990
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