12.11.1990

Ansturm auf van Gogh

Sie kamen in Scharen, 505 667 insgesamt, zuletzt bis zu 13 000 täglich, sie standen bis zu 500 Meter lang im Regen Schlange und kauften 95 000 Kataloge: Auch in Essen hat van Gogh seinen Sog auf Kunstpilger nicht verfehlt, und das, obwohl bei der Spezialschau "Vincent van Gogh und die Moderne" im Museum Folkwang weniger als ein Drittel der rund 180 Exponate vom schrillen Gründervater selber stammte. In der Besucherfrequenz kam das Ereignis, bei kürzerer Laufzeit, sogar der Amsterdamer Van-Gogh-Gemälde-Schau dieses Jahres nahe, die von 860 000 Leuten besichtigt worden war; 425 000 sahen die gleichzeitig in Otterlo ausgestellten Zeichnungen. Auch ein spektakulärer Erfolg wie der in Essen wirft aber wegen hoher Kosten (Transporte, Versicherung, zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen) keinen Gewinn ab. Finanziellen Nutzen hat das Museum Folkwang davon nur, weil der Mäzen der Schau, die Ruhrgas AG, ihm ein Drittel der Eintrittsgelder überläßt, statt sie zur Deckung eigener Ausgaben zurückzufordern.

DER SPIEGEL 46/1990
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