12.11.1990

Hausmitteilung Betr.: Gaddafi

Hausmitteilung Betr.: Gaddafi
Er spreche immer gern mit dem SPIEGEL, weil diese Gespräche so "offen und präzise" geführt würden - Muammar el-Gaddafi sagte es den SPIEGEL-Redakteuren Adel S. Elias, Hans Werner Kilz und Siegfried Kogelfranz am Mittwoch letzter Woche. Doch bis es dazu kam, hatten die Interviewer eine ganz schön unübersichtliche Strecke zurücklegen müssen.
Nach zweitägiger Wartezeit in Tripolis wurden sie mit einem Regierungsjet über Land geschickt, Ziel ungenannt, vor Ort als die Stadt Sirt auszumachen. Nach der Landung ging es in Mercedes-Limousinen zu einem Militärcamp, von dort weiter in die Wüste. In einer Baracke mußten Tonbandgeräte und Fotoapparate abgeliefert werden - zur Untersuchung durch Sicherheitsbeamte. Gaddafi empfing in einem schwer bewachten Beduinenzelt; die Frage der Besucher, wo genau sie sich eigentlich befänden, blieb unbeantwortet.
Libyens Revolutionsführer, an dem diesmal ein rotes Seidenhemd, ein Silberglitzer-Jackett und ein Umhang mit Goldbordüre zu bewundern waren, äußerte sich im SPIEGEL-Gespräch zur aktuellen Golfkrise, aber auch zur früheren Zusammenarbeit mit Terroristen und zur ominösen Rabita-Fabrik.
Er gratulierte dem "deutschen Volk" zur Wiedervereinigung. Und zum Schluß nutzte er das Gespräch, um der Bundesregierung ein "offizielles Memorandum" anzukündigen: In libyschem Boden steckten immer noch viele deutsche Minen aus dem Zweiten Weltkrieg, deutsche Experten sollten sein Land jetzt "endlich von dieser Plage befreien". Zum Beweis wurden den SPIEGEL-Leuten Kopien alter Wehrmacht-Planzeichnungen und Fotos von bereits geräumten Minen und deren späten Opfern übergeben (Seite 192).

DER SPIEGEL 46/1990
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