12.11.1990

Milch für Tschernobyl

Am Wochenende hat Bundesumweltminister Klaus Töpfer dem Bonner Staatsgast Michail Gorbatschow ein 60-Millionen-Mark-Geschenk gemacht: Der sowjetische Präsident kann im Dezember eine "Molke-Dekontaminations-Anlage" übernehmen. Das Präsent ist eine Spätfolge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahre 1986. Die Strahlenwolke aus der Ukraine hatte selbst noch in der 1500 Kilometer vom Unfallort entfernten Bundesrepublik die Weiden vergiftet und die Milch von Kühen verseucht. Die daraus gewonnene Molke, ein Nebenprodukt der Käserei, war - verstrahlt, pulverisiert und in Säcke verpackt - zwei Jahre lang in Güterzügen durch die Republik hin- und hergefahren worden. Schließlich wurde ein Verfahren gefunden und eine Anlage gebaut, das Milchprodukt zu entgiften und größtenteils ungefährlich zu machen; nur ein kleiner Rest muß endgelagert werden. Wenn im Dezember der letzte Teil der deutschen Strahlenmolke behandelt ist, wird die Anlage demontiert und in die Gegend von Tschernobyl gebracht, wo die Milch noch immer radioaktiv ist. Die deutsche Entstrahlungsanlage kann wenigstens einen Teil der täglichen Milch retten.

DER SPIEGEL 46/1990
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