19.02.1990

GESTORBENHeinz Haber

76. Walt Disney hatte ihm geraten: "Vergiß, daß du ein Wissenschaftler bist - du mußt einfach Geschichten erzählen." Beherzt hielt sich der promovierte Astrophysiker und Sohn eines Zuckerfabrikanten an den Ratschlag. In über 350 TV-Sendungen mühte sich der grauhaarige "Sternenprofessor" bedächtig näselnd ab, dem Laienvolk naturwissenschaftliches Gedankengut zu versüßen. Habers Phantasie waren dabei kaum Grenzen gesetzt. Um etwa die Entstehung von Mondkratern zu veranschaulichen, warf er kleine Steine in Erbsenbrei. Seine faszinierende, manchmal schräge Präsentation von Wissenschaft hatte der geborene Rheinländer in den USA gelernt, wohin ihn die GIs nach dem Krieg zusammen mit mehreren tausend deutschen Wissenschaftlern gebracht hatten. Für die Nasa konstruierte er die ersten Astronautenanzüge. 1958 zurückgekehrt, begann der Gelehrte dann seine rastlose Medienkarriere. Selbst beim Diktieren seiner insgesamt 30 Bücher lief er ständig auf und ab und errechnete pro Werk eine "Wegstrecke von Hamburg bis Kassel". In den siebziger Jahren wandte sich der Astronom zunehmend irdischen Problemen zu und kämpfte gegen Umweltverschmutzung und den Ausverkauf des Planeten. In Sachen Kernenergie jedoch verschreckte er die Ökobewegung: Der Atommüll sei möglicherweise ein "wertvoller Schatz" und müsse in der Antarktis konserviert werden. Die Hauptursache allen Übels sah der Professor statt dessen in der Überbevölkerung. Mehr als zwei Kinder zu haben, mahnte er, sei ein "Verbrechen an der Menschheit". Heinz Haber, Vater von drei Kindern, starb vergangenen Dienstag in Hamburg an Nierenversagen.

DER SPIEGEL 8/1990
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