05.03.1984

Schwarz-Schilling pusht

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Die meisten Fernsehzuschauer, die ihre Programme künftig per Kabel empfangen wollen, müssen vorher ihre TV-Geräte oder Video-Recorder auf den Müll werfen und durch neue ersetzen. Postminister Christian Schwarz-Schilling, der seit seinem Amtsantritt im Herbst 1982 die Bundesrepublik mit Milliardenaufwand verkabeln läßt, hat erstmals zugegeben, daß er die Umtauschaktion sogar beabsichtigt hat: "Das freut mich." Damit werde - so der Minister in einem Expertengespräch in Bonn - die Entwicklung von Fernseh- und Video-Geräten "gepusht", der Umsatz der Branche mithin gefördert - auf Kosten der Verbraucher. Grund der Umrüstung: Fast alle Recorder der Systeme VHS und Beta sowie die meisten TV-Geräte, die vor 1980 hergestellt wurden (und weniger als 99 Kanäle haben), eignen sich nicht für Schwarz-Schillings Kabelanschlüsse, weil ihre Tuner nicht auf Kabelkanäle umgestellt werden können. TV-Apparate lassen sich allerdings mit einem Zusatzgerät umrüsten. Seit Herbst 1982 durfte die Industrie aber keine kabeltauglichen Recorder (mit der Zusatzbezeichnung "S") verkaufen, weil die Post ihnen die Betriebsgenehmigung entzog. Neue Recorder, die den geänderten Post-Anforderungen entsprechen, werden in ausreichender Zahl noch gar nicht angeboten.

DER SPIEGEL 10/1984
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