05.03.1984

SPD: Etwas jünger, etwas linker

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Die SPD wird nach dem Essener Parteitag im Mai mit umgekrempelter Führungsmannschaft antreten - wahrscheinlich mit mehr Linken als bisher.
Ausgelöst wird das Revirement im elfköpfigen Präsidium durch den Verzicht Helmut Schmidts und den Wechsel von Hans-Jürgen Wischnewski ins Amt des Parteikassierers. Um deren Plätze werden sich Horst Ehmke und zwei Linke, Peter von Oertzen und - wahrscheinlich - Erhard Eppler, bewerben.
Für Wischnewski als Nachfolger des Schatzmeisters Friedrich Halstenberg hat sich Willy Brandt engagiert. Gegen die Kandidatur gab es in Bezirken und Landesverbänden Widerstand: Der Brandt-Freund ist in die Parteispenden-Affäre verwickelt.
Sollte Antje Huber nicht wieder in das Präsidium wollen, wird auch um ihren Platz gerangelt: Die Fraktionslinke Her-Däubler-Gmelin
hat ebenso Ambitionen wie Anke Fuchs und Inge Wettig-Danielmeier, die Vorsitzende der SPD-Frauen.
Vier Genossen scheiden aus: Schmidt, Matthöfer, Inge Donnepp und Heinz Junker. Gefährdet erscheint die Wiederwahl von Ex-Arbeitsminister Herbert Ehrenberg und des fränkischen Parteichefs Bruno Friedrich. Für Junkers Platz werden dem Fraktionsvorsitzenden im NRW-Landtag, Karl Josef Denzer, die besten Chancen eingeräumt. Auch der frühere Bildungsminister Björn Engholm liegt gut im Rennen.
Hessen-Süd bringt gleich drei linke Bewerber: Willi Görlach, die Europa-Politikerin Heidi Wieczorek-Zeul und wahrscheinlich den Bonner Abgeordneten Karsten Voigt. Nordrhein-Westfalen setzt den Öko-Minister Klaus Mathiesen aufs Ticket.
Mit der Wahl des DGB-Vorstandsmitglieds Ilse Brusis soll eine von Brandt angestrebte stärkere Einbindung jüngerer Gewerkschafter eingeleitet werden. Spitzenkandidaten für den Vorstand sind der IG-Metall-Vize Franz Steinkühler und die ÖTV-Vorsitzende Monika Wulff-Mathies.

DER SPIEGEL 10/1984
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