09.04.1984

Datum: 9. April 1984 Betr.: Streitgespräch

Das von SPIEGEL-Redakteur Klaus Wirtgen moderierte Streitgespräch zwischen CDU-Generalsekretär Heiner Geißler und SPD-Bundesgeschäftsführer Peter Glotz (SPIEGEL 14/1984) hat Folgen. 1983 hatte Geißler die SPD als "5. Kolonne der anderen Seite" geschmäht, die SPD daraufhin eine Art Kontaktsperre über den CDU-Mann verhängt: SPD-Abgeordnete verließen Plenum und Ausschüsse des Bundestags, wenn Geißler erschien. Im SPIEGEL-Streitgespräch mit Glotz erklärte Geißler nun, er habe "nicht unterstellt, daß die SPD was mit Kommunisten gemein hat". Am vergangenen Dienstag fragten Bonner Journalisten den SPD-Fraktionsvorsitzenden Hans-Jochen Vogel, ob damit der SPD-Beschluß, Geißler zu schneiden, hinfällig werde. Vogels Antwort am Dienstagmorgen: "Es gibt keine Änderung unseres Standpunkts." Am Dienstagnachmittag gab es sie doch. Zwar wurde Glotz in der Fraktionssitzung gescholten, weil er das Gespräch mit Geißler ohne Erlaubnis der Fraktion geführt hatte. Deutlich wurde aber auch, daß die Genossen froh waren, endlich von ihrem Geißler-Boykott herunterkommen zu können. Vogel sah durch das SPIEGEL-Streitgespräch "eine neue Lage geschaffen". Geißler kündigte einen Brief an Glotz an. Der versprach, ihn anzunehmen und der SPD-Fraktion vorzutragen.

DER SPIEGEL 15/1984
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