13.02.1984

GESTORBENManes Sperber

*
Manes Sperber, 78. Einen "glaubenslosen Menschen" nannte er sich und ließ allenfalls ein "gutes Gedächtnis" als seine Religion gelten. Aufgewachsen war der Sohn eines Rabbiners in der Tradition der ostgalizischen Juden, war in Wien, wohin die Familie 1916 übersiedelt war, noch der zionistischen Jugendbewegung beigetreten. Dann, als Student und Meisterschüler des Begründers der Individualpsychologie, Alfred Adler, verschrieb sich Sperber den Idealen des Kommunismus. Seine politische Haltung führte 1931 zum Bruch mit Adler, über den Sperber 1926 eine Schrift herausgegeben und dessen Lehren er von 1927 an in Berlin weitergegeben hatte. 1933 floh Sperber vor den Nazis über Jugoslawien nach Paris, das später zu seinem ständigen Wohnsitz werden sollte. Dort wandte er sich 1937 auch, unter dem Eindruck der stalinistischen Säuberungsprozesse, vom Kommunismus ab. Die Erfahrungen jenes Lebensabschnitts schrieb er nach dem Zweiten Weltkrieg in der Trilogie "Wie eine Träne im Ozean" nieder, mit deren erstem Band, "Der verbrannte Dornbusch", 1949 Sperbers literarische Karriere begann. "Saga der Komintern" nannte sein Freund und Weggefährte Arthur Koestler das Werk, Sperber selbst bezeichnete es später einmal als das "wahrscheinlich einzige von einem Antikommunisten geschriebene Hohelied auf die Kommunisten". Es folgten Essay-Bände, philosophische Auseinandersetzungen, Autobiographisches - alles von Sperber zunächst in deutscher Sprache verfaßt, dann ins Französische übertragen. Als ein der deutschen Kultur verbundener Schriftsteller verstand er, der längst die französische Staatsbürgerschaft besaß, sich auch, suchte - als temperamentvoller Diskussionspartner etwa - das Gespräch mit den Deutschen, ohne "Ranküne noch Rachsucht". Daß er ihnen ab und zu die Leviten las, wie zum Beispiel der Friedensbewegung in seiner Dankesrede zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels (das Manuskript des schon schwer Erkrankten verlas bei der Verleihung des Preises im vergangenen Oktober Alfred Grosser), nahmen ihm manche übel. Manes Sperber starb am vorletzten Sonntag in Paris an Herzversagen.

DER SPIEGEL 7/1984
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


  • Parabel-Flug: Promi-Party in der Schwerelosigkeit
  • Slackline-Artistik: Messerscharfer Salto auf der Wäscheleine
  • Ungewöhnlicher Trip: Weltreise für 50 Euro
  • "Horrorhaus" in Kalifornien: "Meine Eltern haben mir das Leben genommen"