27.08.1984

Fahndung nach den DAL-Millionen

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Friedel Neuber, seit Januar Aufsichtsratschef bei Europas größter Leasinggruppe DAL, räumt jetzt bei dem Mainzer Krisenkonzern auf. Der Chef der Westdeutschen Landesbank, mit 30 Prozent größter Gesellschafter und Kreditgeber des Leasing-Riesen, setzte DAL-Sanierer Hans Wielens unter Druck, endlich gegen die früheren Topmanager vorzugehen. Damit wollte Neuber offenbar der zunehmenden Kritik seiner Sparkasseneigentümer an der 1,5-Milliarden-Schieflage der DAL-Gruppe begegnen. Sein Kollege von der Mainzer Landesbank, Erwin Sinnwell, war bereits vor zwei Monaten über das DAL-Desaster gestolpert. Die Ermittlungen von 110 Kriminalbeamten und Staatsanwälten erhärteten den Verdacht, die früheren DAL-Oberen hätten Millionen in die eigene Tasche gewirtschaftet. Nach der Beschlagnahme umfangreicher Beweisstücke bei der angesehenen Schweizer Rothschild-Bank in Zürich wollen Staatsanwälte nun beweisen, wie die früheren DAL-Manager die Gelder veruntreut haben: An die Beraterfirmen "Geld & Wert" und später "RSB" seien rund 25 Millionen Mark Honorare und Provisionen für Steuersparfonds der DAL-Gruppe geflossen. Während den Anlegern die Rothschild-Bank als Eigentümer der Firmen vorgestellt wurde, sei in Wahrheit das Geldinstitut nur Treuhänder gewesen - für die zwei DAL-Manager Eberhard Kühl und Günter Zöller sowie für den DAL-Steuerberater Herbert Paulus.

DER SPIEGEL 35/1984
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