27.08.1984

Eigene Haut aus dem Labor

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Die Lage schien aussichtslos: Beim Spielen mit Körperfarben und Lösungsmitteln waren der fünfjährige Jamie Selby und sein sechsjähriger Bruder Glen einer Flamme nahegekommen - mit Verbrennungen dritten Grades auf mehr als 80 Prozent ihrer Körperfläche hätte es normalerweise kaum Rettung für sie gegeben. Chirurgen am "Boston's Brigham and Women's Hospital" wagten deshalb ein Experiment: Sie entnahmen den Kindern aus den Achselhöhlen kleine Stücke unbeschädigter Haut und züchteten damit auf einer Nährflüssigkeit Hautlappen, mit denen sie die Brandverletzungen abdeckten. Seit 1980 erproben Gregory Gallico und Nicholas O'Connor die an der Harvard Medical School entwickelte Zucht-Technik. Bislang hatten acht Patienten kleine Haut-Transplantate erhalten, die aus Zellkolonien ihres eigenen Organs in Nährlösung herangewachsen waren. Nun wandten die Mediziner dieses Verfahren erstmals im großen Maßstab an: Für jedes der Kinder gewannen sie, nach wenigen Wochen Zellkultur, fast einen Quadratmeter Ersatzhaut. Mehr als 55 Stücke der neuen Haut, die wie nasses Papier aussieht und ohne Haarfollikel ist, wurden im Laufe von vier Monaten überpflanzt. Nach einem Jahr ist die Heilung so weit fortgeschritten, daß die beiden Jungen sich nun wieder frei bewegen können.

DER SPIEGEL 35/1984
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