27.08.1984

GESTORBENNina Petrowna Chruschtschowa

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Nina Petrowna Chruschtschowa, 84. Vor 60 Jahren, als Stalin Lenins Nachfolge angetreten hatte, heiratete die 24jährige ukrainische Lehrerin im Bergarbeiterstädtchen Jusowka im Donezbecken den um sechs Jahre älteren Kumpel Nikita Sergejewitsch Chruschtschow. Die Ehe mit der blitzgescheiten, mütterlichen Frau zahlte sich für Nikita aus: Ein Jahr nach der Eheschließung begann Chruschtschows unaufhaltsamer Aufstieg in der Parteihierarchie. Die Lehrerin, angeblich Tochter eines zaristischen Offiziers, gab dem ungeschlachten Schmiedesohn aus Kalinowka den geistigen Halt. Als einzige Frau eines hohen sowjetischen Politikers bereiste sie in den 60er Jahren an der Seite des Parteichefs Chruschtschow die Welt - und die nahm sie staunend zur Kenntnis: Dem amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy war sie beim Gipfeltreffen in Wien 1961 eine ebenbürtige Gesprächspartnerin. Frau Chruschtschowa spielte Klavier, sprach fließend Englisch und appellierte 1962 in einer von Radio Moskau verbreiteten Ansprache an die amerikanischen Frauen, "alle Atombomben im Ozean zu versenken". Als ihr Mann 1964 in Zwangspension geschickt wurde, sagte Nina gelassen: "Was soll's, nun werden wir so leben, wie die anderen Leute auch leben." Nina Chruschtschowa starb, wie erst jetzt bekannt wurde, am 9. August in ihrer Datscha bei Moskau.

DER SPIEGEL 35/1984
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