23.05.2015

Onlinejournalismus„Beide Seiten profitieren“

Springer-Manager Christoph Keese, 50, über Facebooks neues Medienprojekt "Instant Articles", bei dem auch SPIEGEL ONLINE mitmacht . Nutzer können Artikel damit künftig direkt bei Facebook lesen, ohne erst über einen Link auf Verlagsseiten gelenkt zu werden.
SPIEGEL: Springer gehört zu den schärfsten Kritikern von Google, mit Facebook arbeiten Sie nun zusammen. Warum bereitet Ihnen die Marktmacht von Google Sorge, Facebooks Aufstieg zu einem mächtigen Medienkonzern aber nicht?
Keese: Wir haben wegen Facebook nicht mehr oder weniger Sorge als wegen Google. Aber Facebook hat sich auf eine Lösung eingelassen, die unseren Vorstellungen entspricht. Wir messen unsere Geschäftspartner nicht an ihrer Marktmacht, sondern an ihrem Verhalten. Wir machen Geschäfte, wenn die Konditionen stimmen. Im Falle von Facebook ist das so, bei Google nicht.
SPIEGEL: Worin unterscheidet sich das Verhalten?
Keese: Konzerne wie Facebook und Apple sehen, dass eine gute Zusammenarbeit mit Verlagen und Inhalteproduzenten in ihrem eigenen Interesse liegt, weil davon beide Seiten profitieren.
SPIEGEL: Von Google verlangen Sie über das Leistungsschutzrecht Geld für Verlagsinhalte in den Suchergebnissen. Facebook zahlt nichts dafür, dass es mit Artikeln der Verlage Nutzer gewinnt. Wie passt das zusammen?
Keese: Das berührt das Leistungsschutzrecht gar nicht. Wir beliefern Facebook mit Inhalten, die wir selbst auswählen, die Hoheit liegt bei uns. Bei Facebook vermarkten wir unsere Anzeigen selbst und behalten alle Erlöse. Und wir verkaufen Abos. Google dagegen kopiert einfach von unseren Servern herunter und sagt: Wir nutzen eure Inhalte, und das Rinnsal an Traffic, das davon bei euch ankommt, dürft ihr zu Geld machen.
SPIEGEL: Google lenkt seine Nutzer immerhin auf die Seiten der Verlage. Facebook sagt ihnen: Ihr braucht nicht mehr auf Bild.de oder SPIEGEL Online zu gehen, ihr könnt bei Facebook bleiben.
Keese: Das kann uns gleichgültig sein, solange wir dort das Gleiche verdienen wie auf unserer eigenen Seite, idealerweise sogar mehr. Facebook ist für uns eine Vertriebsplattform, vergleichbar mit dem Großhändler in der Printwelt.
SPIEGEL: Facebook wird so aber zu einem mächtigen Torwächter, mächtiger vielleicht als Google. Liefern sich die Verlage damit aus?
Keese: Die Sorge ist berechtigt, und deshalb ist es ein Experiment: Wenn die vereinbarten Konditionen erfüllt werden, machen wir weiter, sonst steigen wir aus.
SPIEGEL: Auf Bild.de muss der Leser für ausgewählte Inhalte bezahlen. Bei Facebook müssen Sie das Geld allein über Werbung reinholen.
Keese: Nein. Wir haben mit Facebook schriftlich vereinbart, dass es so schnell wie möglich ein Bezahlsystem bei "Instant Articles" gibt. Der Leser, der "Bild Plus"-Artikel auf Facebook lesen möchte, wird dafür künftig in gleichem Umfang bezahlen müssen wie auf Bild.de.
Von Ih,

DER SPIEGEL 22/2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 22/2015
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon freitags ab 18 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Onlinejournalismus:
„Beide Seiten profitieren“

  • Video von"Open Arms"-Schiff: Verzweifelte Flüchtlinge springen über Bord
  • Tierisches Paarungsverhalten beim Mensch: Flirten mit dem Albatros-Faktor
  • Superliga Argentinien: Wer beim Elfmeter lupft, sollte das Tor treffen
  • Sturmschäden in Deutschland: Amateurvideos zeigen Unwetter