11.03.1985

Image-Forschung

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Warum Helmut Kohl, seit 29 Monaten an der Macht in Bonn, im Ansehen der Bundesbürger noch immer hinter seinem Vorgänger Helmut Schmidt oder dem Finanzminister Gerhard Stoltenberg rangiert, soll jetzt ein Medien-Wissenschaftler ergründen. Der Leiter des Mainzer Uni-Instituts für Publizistik, Hans Mathias Kepplinger, untersucht im Auftrag des Kanzleramtes die Kohl-Berichterstattung in sieben westdeutschen Druckerzeugnissen. Unter dem Arbeitstitel "Image Kohl" (Iko) analysiert und vergleicht der Professor sämtliche Veröffentlichungen, die zwischen Mitte 1975 und Mitte 1984 in SPIEGEL, "Stern" und "Zeit" über Kohl erschienen sind, dazu noch die Berichterstattung überregionaler Tageszeitungen. Die Iko-Studie soll Aufschluß darüber geben, ob bestimmte
Presseorgane für das negative Kanzler-Image verantwortlich sind. Dafür hat Kepplinger einen Stichwort-Katalog entwickelt, der 66 Oberbegriffe umfaßt. Gesammelt werden zum Beispiel wertende Aussagen über Kohls "Verhältnis zu Strauß", Kommentare über "Provinzialität" oder "Kontaktfähigkeit" des Kanzlers und Bewertungen seines Verhaltens in "Amnestiedebatte" und "Kießling-Affäre". Schon einmal, nach den Bundestagswahlen 1976, war der Mainzer Professor vermuteten Kohl-Widersachern auf der Spur. Nach Auswertung von 795 Fernseh-Kameraeinstellungen überraschte Kepplinger mit der Behauptung, Kohl sei bei der Wahlkampfberichterstattung von ARD und ZDF weitaus häufiger aus ungünstigen Frosch- oder Vogelperspektiven gefilmt worden als der spätere Wahlsieger Helmut Schmidt.

DER SPIEGEL 11/1985
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