11.03.1985

Knecht Webers Aufstand

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Was macht ein Schauspieler, der vom Ehrgeiz, vom Theaterbetrieb und einem sadistischen Regisseur furchtbar geschurigelt wird? Er stellt auf der Bühne dar, wie er vom Ehrgeiz, vom Theater und einem sadistischen Hampelmann von Regisseur geschurigelt wird. "Bitte leise zum letzten Bild - Ein Stück aus dem Off" heißt das Eigen-Werk, mit dem der 29jährige Frankfurter Schauspieler Georg Weber derzeit über Atelier- und Studiobühnen tingelt. Weber, der sein Handwerk unter anderem an den Heidelberger Bühnen des Regiewunderknaben David Mouchtar-Samorai ausübte, stellt in einer 90 Minuten dauernden Einmannshow einen hesselnden Garderobier, einen Wiener Schauspieler-Routinier, sich selbst und einen Regie-Derwisch namens Samson-Rumi bloß. Die Anekdoten-Spielerei aus dem Theaterleben gipfelt in dem einen kläglichen Satz, den Schauspieler Weber als Schauspieler Weber einzuüben hat: "Ich mußte mal." Aus dem Dunkel erklingt dazu die Kommandostimme des Regie-Sadisten: "Du mußt eine Figur finden. Zieh mal die Hose runter." Die Solo-Nummern-Revue kippt jäh vom Kabarett ins Drama der Erniedrigung und wieder zurück. Schauspieler Weber als geknechteter Schauspieler Weber ist eine Figur, die Theaterfans mal finden müssen - im April in Hamburg, Heidelberg und Bochum, anschließend beim Berliner Theatertreffen.

DER SPIEGEL 11/1985
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