11.03.1985

„Oh, Baby. Scheiße. Wie ist das gekommen?“

Wird der Slum zur Goldgrube? Einst holten New Yorker Spekulanten Schwarze als Lückenbüßer nach Harlem. Das Negerquartier wurde zum Vergnügungs- und Verbrecherviertel und schließlich zur Ruinenstadt. Nun hat die Sanierung begonnen. Wieder für Schwarze? Oder soll Harlem jetzt ein Wohnparadies für Weiße werden?
Wir sind hier in Harlem", sagt der schwarze Detektiv Grave Digger Jones, "hier geht''s anders zu als in der übrigen Welt." Auch Coffin Ed Johnson mit dem von Säure zerfressenen Gesicht weiß, daß in dem Negergetto "nach eigenen Gesetzen gelebt und gestorben wird". Die beiden wundern sich, in Kriminalromanen von Chester Himes, über gar nichts mehr.
Da rast, nachts im Eisregen, über die Seventh Avenue ein Motorradfahrer, dem dampfendes Blut wie eine Fahne nachweht: Der Mann hat, bei einem Unfall, buchstäblich den Kopf verloren.
Vor Blumsteins Warenhaus in der 125. Straße verkauft eine Barmherzige Schwester im Nonnengewand Eintrittskarten zum Himmel, ein Dollar das Stück, Aufdruck: "Einlaß für Einen. Schwester Gabriel." In Wirklichkeit ist die fromme Schwester der schwule Fixer Goldy.
Aus einem Fenster in der dritten Etage eines Wohnhauses stürzt kopfüber ein Mann auf die 132. Straße; er fällt in einen Korb voller Brot und erhebt sich unversehrt - wie ein Zombie aus dem Grab.
In Harlem ist alles möglich - auch strahlende Wiedergeburt inmitten einer verwesenden Stadt, sogar: daß aus Schwarz plötzlich Weiß wird. In Harlem übertrifft die Wirklichkeit jede Phantasie.
Harlem - das sind, im Norden des New Yorker Stadtteils Manhattan, 15 Quadratkilometer Häusermeer, die in weniger als einem Jahrhundert vom Refugium der eleganten Welt zum Getto, zum Slum, zur Trümmerwüste wurden.
Das Quartier erlebte und durchlitt seinen Aufschwung und den schockierenden Zerfall wie eine Krankheit. Für Weiße geplant - mit schmucken Musterhäusern, Biergärten und Poloplatz -, verwandelte es sich von 1910 bis 1930 in Amerikas Negermetropole, mit zeitweise unerträglicher Übervölkerung in unvorstellbaren Wohnhöhlen. Damals hießen die Schwarzen noch Neger.
Der Neger-Kiez blühte auf zu einem "schwarzen Paris", war schöpferisch,
vulgär und verrucht, erlebte den Ausbruch schwarzer kreativer Energie in Kunst und Politik. Harlem wurde zum Synonym für Jazz und Show Business, vor allem: zum Symbol einer scheinbaren Befreiung.
Doch die Träume zerbrachen. Das "Gelobte Land" wurde zum "bluttriefenden Außenposten der Hölle" - der Wallfahrtsort, das Bordell, die Whiskey-Schenke weißer Snobiety geriet zum Schlachtfeld, zu verbotenem Territorium, von Weißen ängstlich gemieden wie eine Lepra-Kolonie.
Fortgesetzte Demütigungen und die schmerzvolle Erfahrung, nur betrogen worden zu sein - die Schwarzen wollten sich nicht länger begnügen mit Jesus und gekochten Kutteln, mit ihrer Rolle als Nigger für den weißen Herrn. Der Dampfkessel explodierte.
Im krassen Nebeneinander von bitterster Armut und der Wohlhabenheit einer hellhäutigen Negeraristokratie, von dreistester Zuhälterei und inbrünstiger Frömmigkeit, gingen vor allem während der sechziger Jahre Geschäftshäuser zu Bruch und Wohnblocks in Flammen auf.
Mit der Pest der Droge, dem alles zerstörenden Heroin, das die Familien zerbrach und die Bevölkerung dezimierte, kamen bestialischste Verbrechen über die Stadt; Rasiermesser und Handfeuerwaffen waren alltägliche Utensilien.
Für fünf Dollar wurde Vätern die Kehle aufgeschlitzt, für zwei Dollar verkauften Töchter sich auf der 125. Straße. Taxifahrer verweigerten jahrelang Touren nach Harlem, riskierten die Durchfahrt allenfalls tagsüber, mit geschlossenen Fenstern und blockierten Türen.
Doch nun folgt, so scheint es, wenn auch langwierig und schmerzvoll, dem Inferno die Genesung. Harlem bedeutet nicht länger nur Angst und Schauer; in dem Wort klingt neuerdings so etwas wie Hoffnung auf ein wiederzugewinnendes Stück Stadt. New York und seine Zeitungen sehen hinreichend Anlaß, von "Comeback" und "Wiedergeburt" zu orakeln.
Doch ebenso, scheint es, droht ein neuerlicher Betrug.
Die Verheißung, die in New York und anderen Städten auch viele Weiße fürchten, lautet "gentrification" und meint "Veredelung" (der Wohnverhältnisse) und "Aufwertung" (vor allem von Boden und Gebäuden), also Luxussanierung.
Das Aufdonnern der alten Quartiere, gefördert durch erhöhte Steuerabschreibungen, bedeutet immer die Entfernung einkommensschwacher Einwohner und
ihrer Kramläden, weil der Mietraum meist in Eigentum verwandelt, auf jeden Fall aber der Zins angehoben wird.
Urbane Geister sehen in "gentrification" ein zerstörerisches Bleichmittel, das den Mischquartieren Farbe und Vielfalt nimmt und, so der Rechtsanwalt Saul Miller, aus dem "Patchwork der Stadt" ein einziges "weißes Laken" macht.
Andere Gegenden Manhattans haben die Behandlung bereits hinter sich: So-Ho, Chelsea, TriBeCa (ein Dreieck südlich der Canal Street). Nun ist wohl Harlem dran.
Man darf annehmen, daß Immobilien-Haie längst mit rüdesten Spekulationen beschäftigt sind, etwa: die kaputte Negerkapitale in ein lukratives Wohnparadies für Weiße zu verwandeln; jedenfalls nisten die ersten bereits am Morris Park West.
Die Voraussetzungen sind verlockend. Harlem hat günstige Lage, schnelle Verkehrsverbindungen und immer noch die schönsten Reihenhäuser von New York: solide amerikanische Stadthauskunst, entworfen von den besten Architekten der Jahrhundertwende.
Die Häuser überstanden die Zerstörungswut und leuchten nun wie Kleinodien in der Ruinenstadt: liebevoll renoviert und ausgeschmückt.
Das beginnt bei den frisch gestrichenen Fachwerkhäusern der Sylvan Terrace im äußersten Norden - mit Türen aus Walnuß und handgeschnitzter Zeder - und ist auch weiter unten auffällig, eben am Mount Morris Park West, wo die 19 Zimmer der Sandsteinhäuser Parkettboden und mitunter ionische Marmorsäulen haben.
Auch die bekanntesten, geradezu legendären Harlemer Wohnanlagen sind wieder gefragte Adressen: "Sugar Hill" und "Strivers'' Row", vor einem halben Jahrhundert provozierende, neiderregende Enklaven einer schwarzen Geldaristokratie.
Auf dem felsigen "Sugar Hill" parkten einst Akademiker und Künstler, Jazzgrößen und Sportskanonen ihre Lincolns und Duesenbergs und blickten wie von einer Zitadelle auf das brodelnde Proletenmilieu im "Valley" von Harlem herab. Sie unterhielten livrierte Portiers und einen eigenen Tennisplatz.
Die für zahlungskräftige Weiße gedachten Häuser an der "Strivers'' Row" wurden vor 90 Jahren als "King''s court" und "King Model Houses" mit 14 Zimmern errichtet und erhielten ihren Spitznamen (zu deutsch: "Strebergasse") erst, als die neuen Besitzer, hellbraune Babbitts, Schwarze abweisen ließen.
Nach der Flucht der Babbitts vor dem Hautgout des zunehmend verelendenden Gettos - sie siedelten sich in den New
Yorker Vororten an - wurden die Häuser erst in Wohnungen und dann die Wohnungen in Zimmer aufgeteilt; am Ende dienten sie als Puff.
Jetzt sind sie wieder so penibel hergerichtet wie die teuersten Residenzen auf der Upper East Side, dem Wohnsitz der Millionäre am Central Park.
Aber auch Etagenwohnungen zeigen wieder freundliches Ambiente, nicht nur in den Komfort-Türmen für Harlems upper classes, etwa den Riverton Houses oder der Lenox Terrace, vor der wieder ein uniformierter Doorman steht.
So haben 450 Familien mit 600 Kindern ihren heruntergekommenen Sozialblock in der 114. Straße überwiegend selbst renoviert; und nichts mehr erinnert daran, daß in den sechziger Jahren hier Heroin-Dealer wie Zeitungsboys umherflitzten und Schießereien mit der Regelmäßigkeit kirchlichen Glockengeläuts erfolgten. Heute ist die 114th in diesem Abschnitt tagsüber für Autos gesperrt - als Spielstraße. Auch Handel und Gewerbe, jahrzehntelang fast ausschließlich von weißen Ausbeutern betrieben, regen sich allmählich. Zwar gibt es in Central Harlem noch immer kein Kino, das Warenhaus Blumstein ist geschlossen, und zahlreiche Läden sind weiterhin zerstört oder dicht.
Doch Harlems berühmtestes Etablissement, das Apollo Theatre - in dem vor einem halben Jahrhundert Ella Fitzgerald entdeckt wurde und Lionel Hampton seine wildesten Jam Sessions abhielt - wurde für zehn Millionen Dollar renoviert und wiedereröffnet: nun in schwarzer Hand.
Small''s Paradise, berühmt einst für seine steppenden Kellner und berüchtigt als Startplatz für die frühe Kriminellenkarriere des später ermordeten Negertribuns Malcolm X, präsentiert wieder kleine Jazz-Combos. "Soul Food", die
derbe Traditionskost aus den Südstaaten - etwa Rippchen und Grünkohl, Maisgrütze und Sirup, Kaldaunen und süße Kartoffeln -, wird auch wieder von Weißen genossen, so bei Sylvia''s, Adele''s oder "la Famille". Der 75jährige Joseph Wells gibt seine Backhähnchen und Waffeln sogar erst von zwei Uhr nachts an aus.
Auch Staat und Stadt, die sich lange dem Vorwurf ausgesetzt sahen, für das Schwarzenviertel nicht mal Schneepflüge übrig und nur selten die Müllabfuhr parat zu haben, investieren wieder.
Der Staat zog an Harlems heißester Kreuzung Seventh Avenue und 125. Straße schon frühzeitig ein Office Building hoch. Geplant sind ein "Third World Trade Institute" mit Hotel (für 150 Millionen Dollar) sowie ein Shopping Center samt Warenhaus.
Die Stadt hat, für fast 360 Millionen Dollar, 5000 Sozialwohnungen gebaut und stößt aus ihrem gewaltigen Fundus, der Harlemer Konkursmasse, Apartments und Reihenhäuser zur Selbsthilfe-Sanierung ab.
Die Stadtverwaltung veräußert die Immobilien am liebsten weit gestreut, an Schwarze wie Weiße, an Ortsansässige wie Auswärtige, weil ihr auch Harlem als "integrierte Nachbarschaft" vorschwebt. Ein ehrgeiziges Ziel.
Denn weder die "New Negro"-Bewegung und die "Harlem Renaissance" der zwanziger und dreißiger noch die Bürgerrechtsbemühungen der fünfziger und sechziger Jahre vermochten die Welthauptstadt der Schwarzen in die Welthauptstadt der Weißen zu integrieren.
Harlem, seiner Lage nach ein Filetstück Manhattans, blieb immer ein Fremdkörper im New Yorker Organismus, eine abgeschlossene exotische Welt, mit eigener Hierarchie, eigenen Luxus- und Elendsvierteln, voller Barrieren zwischen braunen Snobs und einer schweigenden schwarzen Mehrheit, "gelben Mutterschändern" und "halbweißen Huren". Und die "Black Muslim"- und "Black is beautiful"-Aktivitäten machten die Sache nur noch komplizierter.
Man fragt sich, wie die Pioniere der Wiedererweckung zurechtkommen werden. Die meisten sind Leute, die in Harlem nicht leben müssen, sondern wollen: Kinder jener Mittelschicht, die einst in die Suburbs geflohen ist. Sie möchten, wie sie es nennen, "nach Hause".
Für ihre Eltern und Großeltern war das Eintreffen im "Gelobten Land" eine schockierende Erfahrung gewesen. Sie hatten von "unbegrenzten beruflichen Möglichkeiten" und "keinerlei Problemen mit der Hautfarbe" gehört. Sie hatten Massa Charlie und den Baumwollfeldern Goodbye gesagt und sich auf den Treck nach New York gemacht.
Zahlreiche literarische Zeugnisse bekunden die Erwartungen, die mit "Amerikas Kasbah" verbunden waren.
"New York war für mich der Himmel, und Harlem war der Siebente Himmel", schrieb Malcolm Little alias X später in seiner Autobiographie. Der Autor Claude Brown schildert seine Ankunft mit der U-Bahn-Linie A - die von Duke Ellington mit dem Stück "Take the A Train" musikalisch verewigt wurde - voller Enthusiasmus: "Als ich dann an der 145. Straße ausstieg, hielt ich mich für den glücklichsten Menschen der Welt."
Noch zahlreicher sind die Beschreibungen der Enttäuschungen: eine Anthologie des Erschreckens und der Trauer.
"New York muß die häßlichste und schmutzigste Stadt in der Welt sein", läßt James Baldwin eine seiner Romanfiguren sagen. Ihn erinnerte sogar die Sitzordnung in den U-Bahn-Wagen an Zeichnungen von Sklavenschiffen. Von Baldwin stammt auch das Wort vom "bluttriefenden Außenposten der Hölle".
Die Schwarzen fanden im Norden ebensowenig eine Heimat wie im Süden - sie konnten sie nicht finden unter den Wogen grauer Dächer in einer "halbverdauten Stadt", die Chester Himes am brutalsten beschrieb: "Blinde Mäuler fressen an ihrem eigenen Gedärm. Wer eine Hand hineinsteckt, zieht nur einen Stumpf heraus."
In einer solchen Stadt, für deren Kieze ihre Bewohner nur noch Beinamen wie "Kohlenkasten" oder "Blutiger Eimer" erübrigen, ist der Rat angebracht: "Siehst du einen Menschen in der Gosse liegen, dann laß ihn liegen; er könnte tot sein." Hier gilt auch, was Grave Digger Jones zu weißen Klugscheißern sagt: "Die Leute hier sind glücklich, wenn sie nur leben."
Denn im Slum-Getto ist, sofern überhaupt vorhanden, alles zweitklassig, minderwertig, unterhalb der Norm: die Schulen wie die Wohnungen, die Krankenhäuser - vom Arbeitsplatz oder auch nur der Möglichkeit, einen zu finden, ganz zu schweigen. Die Versorgung ist, in jeder Beziehung, auf skandalöse Weise unzulänglich.
Mit der Zerstörung des Viertels ging auch die Einwohnerzahl Gesamt-Harlems drastisch zurück: Sie sank, zwischen 1950 und 1984, von 770 000 auf nicht mal mehr 300 000. Wer nicht draufging, floh nach Brooklyn oder Queens.
Zurück blieben 160 000 Schwarze - überwiegend in Central und Historic Harlem, ihrerseits nun bedrängt von insgesamt rund 140 000 Puertorikanern im Westen und vor allem im Osten ihres Quartiers: Da breitet sich "Spanish Harlem" aus.
Bleiben mußten natürlich die Ärmsten, die aus Häusern ohne Heizung, Strom und Wasser in Hotels, Bürogebäude oder andere verwanzte Wohnlöcher umgeschichtet wurden oder sich in Kellern und Halbruinen verkrochen, zu Junkies, Ratten und Kakerlaken: "Transitbewohner" und "Wohlfahrtsnomaden" im Behördenjargon.
Hier ist die Kindersterblichkeit fast doppelt so hoch wie im übrigen New York; die Erkrankungen an Leberzirrhose betragen das Vierfache. Mehr als 25 Prozent aller Bewohner sind voll auf Sozialfürsorge angewiesen.
Sie dürfen sich dieselbe Frage stellen, die sich durch Baldwins Familiensaga "Zum Greifen nah" zieht: "Oh, Baby. Scheiße. Wie ist das gekommen?" James Baldwin und Claude Brown, beide dem Hexenkessel von Harlem entronnen, lieferten mit den Schilderungen ihrer Jugendjahre
eine minuziöse Dokumentation jener schrecklichen Gesetzmäßigkeiten, die Zigtausenden im Getto zum Verhängnis wurden.
Baldwin beschreibt ein Volk, "dem alles genommen wurde, einschließlich des Gefühls für den eigenen Wert". Ohne dieses Gefühl können Menschen nicht leben, sie werden alles Mögliche tun, um es wiederzuerlangen. "Deshalb ist das gefährlichste Wesen, das eine Gesellschaft hervorbringen kann, der Mensch, der nichts zu verlieren hat."
So wächst du in der Erkenntnis heran: Du mußt jemandes Nigger sein, das erwartet man von dir. Wenn du respektiert werden willst, mußt du ein schlechter, ein böser Nigger sein. Du mußt in diese Sache mit den Huren verwickelt sein, und früher oder später mußt du Drogen benutzen, und früher oder später mußt du jemanden erschießen. Die Leute erwarten das von dir: beispielsweise einen Nigger zu killen. Die Kanone dazu wirst du haben, früher oder später.
"In Harlem steht man nicht lange zur Auktion", mußte Baldwin erkennen. Er konnte nicht boxen. Er konnte nicht singen. Er konnte nicht tanzen. Was sollte er tun?
Andere flohen zum Militär. Oder in andere Gettos. Viele verfielen dem Whiskey oder der Spritze. Wieder andere flohen in die Kirche, die Religion.
Schon deshalb kam den Kirchen in Harlem immer eine Außenstehenden nur schwer begreifbare Rolle zu. Die Kirchen beherrschten, neben dem Zahlenlotto, jahrzehntelang das Leben im Getto.
Die "numbers" waren eine feste pragmatische Einrichtung; die einzige Chance für den Durchschnittsschwarzen, zu Auto oder schicken Klamotten zu kommen; dafür verspielten Mütter auch das Haushaltsgeld.
Die Kirche wurde eine heiße Sache. Die Gelegenheit, in einer Welt der Verzweiflung und Trostlosigkeit für den Gegenwert einer kleinen Kollekte sich in Rausch und Verzückung bis zur Ekstase versetzen zu lassen, bescherte den Kirchen mehr Zulauf als allen Tanzdielen.
Selbsternannte Prediger und Pastoren, Scharlatane und Schurken machten - neben den großen berühmten Kirchenkolossen mit ihren riesigen Gemeinden - in Krämerläden und Kellerlokalen Sekten und Glaubensgemeinschaften auf, für Baptisten und Zionisten, Holy Rollers und Anhänger von Daddy Grace, für den Brennenden Dornbusch.
Niemand kannte oder kennt ihre Zahl. Die Schätzungen schwanken zwischen
500 und 1000. Schon in den zwanziger Jahren stellte der marxistische Negerführer W.E.B. DuBois fest: "Harlem is overchurched."
Doch alle Hirten haben ihre Schafe - ob nun, wie Chester Himes spöttelt, in großkarierten Konfektionsjacketts "die letzte Herde Onkel Toms der Erlösung entgegenschwankt" oder in zweiter Spur auf der Straße Luxuslimousinen parken und man nie genau weiß, ob ihre Halter Akademiker und Geschäftsleute oder Drogenhändler und Zuhälter sind; jedenfalls lassen sie stets ein größeres weißes Kuvert in den Klingelbeutel flattern.
Diese Sonntagvormittage sind nur im Zusammenhang mit den Samstagabenden zu begreifen - denn Gewalt und Gebet gehören in Harlem zusammen, Himmel und Hölle bestimmen noch immer das Neger-Weekend.
Zur gleichen Zeit, da Kindern die Haare gewaschen und die weißen Hemden geplättet werden, verlieren mehr Harlemer Bürger ihr Leben als an den normalen Wochentagen. "Es scheint", so Claude Brown, "als sei Harlems Geschichte aus Samstagabenden gemacht."
Jeder scheint bereit zu sein, Bestandteil der Statistik zu werden: im Krankenhaus, auf dem Polizeirevier, im Leichenschauhaus. Die Nacht ist voller Gewalt. Wenn schon, meint Brown, dann will man am Sonntag in den Himmel kommen.
So spielt auch der Tod in der Welt der Schwarzen eine ganz andere Rolle als in der Gesellschaft der Weißen: Für den armen Neger ist sein Tod oft die einzige Gelegenheit für echten Luxus. Den besorgen die zahlreichen Bestattungsinstitute und ihre Besitzer, die in der Hierarchie von Harlem zu den meistgeachteten Bürgern gehören.
Für die "Cats", wie Harlems Halbstarke heißen, nehmen diese höchsten gesellschaftlichen Positionen noch immer die alten "Hustler" ein, die Hehler und die Huren, die Dealer und die Zuhälter. Denn während sie, die Cats, als Autoknacker, Brandstifter und Lottokassierer rackern - und noch davon träumen, vielleicht mal der größte Dieb Harlems zu werden und dann zwei Cadillacs zu besitzen -, haben die Alten längst alles, was das Leben ausmacht: Nachtklubs und diese Cadillacs, Maßschuhe, Seidenhemden und die besten Nutten der Stadt.
Ihre Schule ist die Straße - jene Straße, so Baldwin, auf der "das Leben davon abhängt, daß du in einem unendlich kleinen Bruchteil einer Sekunde reagierst, wo deine Ahnung schneller sein muß als die Geschwindigkeit des Lichts".
Auf der Straße wurde ihm auch eines Tages "ohne jede Warnung" klar, daß
die Ganoven eine persönliche Bedrohung für ihn geworden waren. Vorherwar er nie auf den Gedanken gekommen, daß er "einer dieser Dreckskerle" werden könnte; doch plötzlich erkannte er, daß er und sie von den gleichen Verhältnissen geformt worden waren.
"So gewann das Verbrechen Realität, nicht als eine Möglichkeit, sondern als die Möglichkeit." Baldwin fand wirklich keinen triftigen Grund, der ihn hätte hindern können, ein Verbrecher zu werden.
Doch am schlimmsten waren jene Cats dran, die - um auf der Straße akzeptiert zu werden - anfingen, Drogen zu nehmen.
Claude Brown erinnert sich an die fünfziger und sechziger Jahre: _____" Harlem hatte sich mächtig verändert. Das hatte mit " _____" Heroin zu tun. Heroin hatte Harlem erobert. Es war eine " _____" Art Pest. Sie hatte die ganze Gemeinde erfaßt. In manchen " _____" Familien war Heroin noch schlimmer als die Pest; da hatte " _____" es jeden. Da waren vier Jungs, und es hatte alle vier. " _____" Die Junkies begingen fast alle Verbrechen in Harlem. " _____" Es war so um 1955 herum. Da wurde Heroin die Sache. " _____" Wenn ein Cat bei hellichtem Tage auf der Eighth " _____" Avenue einen 20-Dollar-Schein sehen ließ, konnte er dafür " _____" gleich kaltgemacht werden. Geldmangel hatte die meisten " _____" Familien schon vorher kaputtgemacht. Doch nun richteten " _____" Väter ihre Kanonen auf die Jungs und sagten: "Wenn du die " _____" Miete klaust, lege ich dich um." Und sie meinten es auch " _____" so. Und die Cats nahmen das Küchenmesser und gingen auf " _____" ihre Väter los. " _____" Die Polizei kümmerte sich einen Dreck darum. Deshalb " _____" rutschten da so viele Leute rein. " _____" Es war wie ein Geist. Wenn die Pest dich nicht direkt " _____" traf, traf sie dich indirekt. Sie kroch in alle Häuser, " _____" in die Kirchen, die Schulen, auch in den feinen Gegenden, " _____" wo die Leute immer glaubten, Cats von der Eighth Avenue " _____" seien Dreck. " _____" Die Chicks auf der 125. verkauften Cunt dafür: " _____" Zwei-Dollar-Pussy. Eine Menge Mütter mußte erfahren, daß " _____" ihre Töchter Junkies und Prostituierte geworden waren, um " _____" ihren Bedarf decken zu können. " _____" Die meisten Cats machten es, weil sie down sein " _____" wollten. Sie rannten vor den Leuten und dem Leben weg. " _____" Plötzlich hast du keinerlei Verpflichtungen mehr. Niemand " _____" erwartet was von dir, wenn du ein Junkie bist. Die Leute " _____" fangen höchstens an, für dich zu beten ... "
Browns Resümee: Diesem Druck konnte Harlem nicht standhalten; Heroin gab Harlem den Rest.
In der Untätigkeit von Polizei und Behörden sahen viele Schwarze mehr als eine Unterlassungssünde; viele argwöhnten allen Ernstes, daß Heroin von den Weißen gezielt dazu benutzt wurde, um ihr Viertel zugrunde zu richten und sie, die Schwarzen, zu vernichten - Harlem sollte kaputtgehen, damit es den Weißen zufiele.
Tatsächlich wird ja nicht nur der Rauschgifthandel, sondern jegliches organisierte Verbrechen, das Glücksspiel, die Wette, die Prostitution - wie
auch die Wirtschaft und das Wohnungswesen - von Weißen kontrolliert. Noch 1940 mußten die weißen Besitzer des Kaufhauses Blumstein durch Strafandrohung dazu gezwungen werden, wenigstens schwarze Fahrstuhlführer anzustellen.
Der Harlem-Neger war immer ein Wesen zweiter Klasse - in der eigenen Umgebung.
Der Mensch war weiß, in vielerlei Gestalt: als Polizist, als Richter, als Mieteneintreiber, als wucherischer Ladenbesitzer. Der Schwarze hatte zu tanzen und zu singen - als grinsender Clown, als augenrollender Kinderschreck. Zur Müllabfuhr konnte er auch noch gehen.
"Die ungeheuerlich kalkulierte Existenz dieses Ortes entlarvt einen absoluten Betrug am Leben", schrieb Baldwin. "Hast du je in die Gesichter dieser Menschen geschaut? Das Leben hat diesen Ort verlassen."
Zunächst behalfen die Schwarzen sich mit einem (unübersetzbaren) Schimpfwort voll abgrundtiefer Verachtung für den Weißen: "offay". Doch sie brauchten auch etwas, das zerstört werden konnte; "Zerstörung ist für das Getto ein chronisches Bedürfnis" (Baldwin). Meist bringen sich die Gettobewohner gegenseitig oder selber um. Mehrmals aber schlugen sie gegen die Symbole der verhaßten weißen Macht voll zu.
In den Jahren 1935, 1943 und 1964 entlud sich die aufgestaute Wut - aus nichtigen Anlässen - in Krawallen, die fast ausschließlich die Zerstörung von Läden, Gaststätten, Pfandleihen und Imbißstuben weißer Besitzer zum Ziel hatten. Zu Plünderungen größten Ausmaßes kam es beim allgemeinen New Yorker Stromausfall 1977.
Wer steht das durch, ohne bleibenden Schaden zu nehmen?
"Ich mußte raus aus Harlem", erkannte Claude Brown; er gab sich den Ruck - zu dem so viele im Getto nicht imstande sind -, ging nach Washington und studierte Jura.
Auch James Baldwin wußte, daß er nie seinen Frieden mit dem Getto schließen konnte, weil er sich davor bewahren wollte, nichts als ein Neger zu werden; er floh, um den Wahnsinn des Rassenkonflikts zu überleben, bis nach Europa und schwor sich: "Nie wieder würde ich für andere Leute den Nigger machen."
Dieser Stolz, der schon einmal, gleich nach dem Ersten Weltkrieg, aufgekommen und dann in den Jahren der Depression so schnell zerbrochen war, wurde auch von den Black Muslims propagiert; nur kamen sie in Harlem zunächst nicht gegen das übermächtige Heroin voran.
Sie belagerten die Kreuzung Seventh Avenue und 125. Straße und forderten "buy black", den Boykott weißer Geschäfte. Und allmählich begriffen sogar die Junkies: Da war was, wo man hingehen konnte.
Sie gingen in die Moschee Nummer Sieben in der 116. Straße mit ihrem Restaurant und dem Reformkostladen (heute: "Malcolm Shabazz Masjid"), bekamen neue Namen, trugen Bärte und sagten "Salem aleikum". Und fast jeder, der aus dem Gefängnis kam, kam als ein Muselmane raus.
Harlems Chefeinpeitscher wurde Malcolm Little alias X.
Der Schuhputzboy und Pikkolo durchlief eine geradezu klassische Karriere,
nachdem er, als Tellerwäscher und Sandwichverkäufer einer Eisenbahngesellschaft, im Alter von 17 Jahren nach New York gekommen war. Er wurde Kellner in der Jazzkneipe Small''s Paradise, wurde Hehler und Hustler, verkaufte Joints und kleine Mädchen, gründete eine Einbrecherbande - und läuterte sich im Gefängnis zum Mohammedaner.
"Ewige Feindschaft" schwor Malcolm den "blauäugigen weißen Teufeln", die den Schwarzen das Recht verweigerten, Mensch zu sein. Den Prediger der Gewaltlosigkeit, Martin Luther King, nannte er "Onkel Tom". Malcolm: "Was wir brauchen, ist Einigkeit - und ein Rasiermesser, wenn es dunkel wird."
Doch ausgerechnet er entzweite sich mit der Sekte, gründete eine eigene Organisation, nannte sich fortan El-Hajj Malik El-Shabazz und bezog als sein Hauptquartier das ehemalige Hotel Theresa, die größte Schwarzen-Herberge der Welt, in der schon der Boxer Joe Louis seine Weltmeisterschaften gefeiert und, 1960, Fidel Castro zu einer demonstrativen Umarmung Nikita Chruschtschow empfangen hatte.
Die Differenzen zwischen den moslemischen Bewegungen wurden, harlemüblich, auf blutige Weise beigelegt. Am 21. Februar 1965 wurde Malcolm zu Beginn einer Predigt im Audubon Ballroom erschossen - exekutiert von einem Killerkommando, das sich wie auf Befehl erhob: sieben Treffer.
Seitdem sind zwei Jahrzehnte vergangen. Neuerdings sind auch, ganz im Gegensatz zu anderen Distrikten Manhattans, in Harlem die Zahlen für Gewaltverbrechen rückläufig: 1983 erstmals um 2,4 Prozent. Doch die Angst vor dem schwarzen Mann sitzt den Weißen noch immer in den Knochen - übertrieben, doch verständlich nach den Schocks.
Noch immer verschwinden aus den U-Bahn-Zügen in Richtung Harlem ab Midtown schlagartig die weißen Gesichter; auf den Stationen ermahnen Hinweisschilder, nicht versehentlich den "falschen" Zug zu nehmen. Noch immer zählen weiße Fußgänger in Harlem zu den Raritäten.
"Sie können dort fast körperlich den Haß spüren, den ihre Anwesenheit auslöst", schrieb der schwarze New Yorker Journalist Orde Coombs unlängst. Sie bleiben im Wagen, "schauen stur geradeaus und beten, daß nichts passiert". Was kann passieren? Sicher nicht gleich, wie noch bei Chester Himes, ein Schnitt durch die Kehle, von Ohr zu Ohr, bis auf den Knochen. Doch Reiseführer warnen weiterhin deutlich vor Übermut und Leichtsinn - eine Empfehlung, die freilich auch für Sightseeing und Stadtbummel in nobleren New Yorker Nachbarschaften angebracht ist.
So merkt die jüngste Ausgabe des "Baedeker" an: "Da die Bewohner von Harlem dem weißen Besucher zumindest skeptisch, wenn nicht ablehnend gegenüberstehen und Tätlichkeiten oder gar Überfälle nicht auszuschließen sind, ist dringend anzuraten, den nichtsdestoweniger lohnenden Besuch im Rahmen einer organisierten Fahrt zu unternehmen."
Fatima Igramhan gibt in ihrem brandneuen Buch "New York selbst entdecken" für Harlem Verhaltensregeln wie für einen Trip auf dem Kriegspfad: "Unauffällig anziehen, auch die Uhr im Hotel lassen, nicht schreien, ruhig das Geld abgeben."
Vor allem aber, so empfiehlt sie ganz im Gegensatz zur allgemeinen Tendenz ihres Führers, sollte man Harlem doch nicht allein, sondern lieber in Begleitung eines Ortskundigen entdecken.
In "Fodor''s USA", 956 Seiten, kommt Harlem gar nicht erst vor. Und ein anderer US-Guide warnt Sensationslüsterne immer noch: "Meiden Sie Harlem, Sie riskieren Ihr Leben."
Das hörte sich vor 50, 60 Jahren noch ganz anders an. Da war der Neger-Kiez absolut "in" für Manhattan, war Harlem für New York, was für Paris der Montmartre. Zu Tausenden drängelten sich die Weißen Nacht für Nacht an der Lenox Avenue und auf der 125. Straße - begierig auf Jazz, durstig nach schwarzgebranntem Schnaps und hungrig auf schwarze Haut. Zynisch und frivol klang der Hit der Zeit: "Let''s go Slumming".
Wiederum unvorstellbar anders hatte es weitere 50 Jahre vorher zwischen Hudson und Harlem River, Central Park und Washington Heights ausgesehen.
Schon 1658 hatte Peter Stuyvesant dort das Dorf Nieuw Haarlem gegründet. Die Gegend blieb zwei Jahrhunderte Farmland, mit ein paar Holzhäusern und einer Pharmacy, und war für die Bürger von Downtown immer ein Tagesausflug, mit Einspännern, zu Trabrennen und Polospielen und deutschen Biergärten - bis die Gegend Anschluß an das New Yorker Verkehrssystem bekam.
1873 wurde das Dorf unter dem Namen Harlem eingemeindet, bald darauf von drei Hochbahnlinien umklammert - höchste Zeit für Bau- und Bodenspekulanten, sich der Sache anzunehmen.
Sie bauten gut und teuer und weit über Bedarf. Um 1900 standen viele der hübschen Häuser im beschaulichen weißen Harlem leer; auch die Wein- und Liederstuben, die Turnvereine hatten nur bescheidenen Zulauf von Engländern und Iren, Deutschen, deutschen Juden.
Zur Depression von 1905 kam am Weihnachtsabend desselben Jahres noch ein spektakulärer Mord in der 133. Straße. Harlems guter Ruf nahm Schaden. Die ersten Familien zogen aus.
Als Retter in der Not bot sich den Grund- und Hausbesitzern der schwarze Makler Philip A. Payton jr. an. Seine Idee: die vakanten Immobilien mit "Farbigen" aus den verschiedensten Teilen Manhattans aufzufüllen, und zwar zu saftigen Mieten.
Damit war ein Prozeß ausgelöst, der nicht mehr zu stoppen war, wie eine Kettenreaktion. Begeistert bezogen die
Neger - erstmals in ihrer Geschichte - ein derartiges Quartier. Entsetzt wichen die überwiegend europäischen Minderheiten zurück. Straße auf Straße, Block auf Block fielen an die Blacks.
Als letzte Bastionen fielen "Strivers'' Row" und "Sugar Hill". Ende der zwanziger Jahre war auch die allerletzte Liederstube verschwunden. 1930 war Central Harlem zu 98 Prozent schwarz.
Längst hatte sich die Fama von diesem Gelobten Land unter den Schwarzen aller Staaten verbreitet - endlich hatten sie ein urbanes Symbol der Freiheit, eine "Negerhauptstadt der Welt". Millionen träumten davon, einmal an der Kreuzung Seventh Avenue und 125. Straße zu stehen.
Die enorme Anziehungskraft bescherte dem Quartier auch bald einen ersten fragwürdigen Rekord: Das Karree zwischen Lenox und Seventh Avenue, 142. und 143. Straße wurde der am dichtesten bewohnte Block Amerikas, damals wahrscheinlich sogar der Welt.
Die meisten Bewohner dieses Blocks suchten in Harlem nichts als Bürgerrechte - eine, so man sie ließ, hart und rechtschaffen arbeitende, schweigende schwarze Mehrheit, die nie einen Nachtklub von innen sah, oft schon aus religiösen Gründen nicht mal eine Blues-Platte auf dem heimischen Grammophon duldete, hinreichend Sorge mit der Wohnung und dem Haushaltsgeld hatte und allenfalls traurig darüber war, daß Harlem zum Bordell für vergnügungssüchtige Weiße wurde.
Daneben gab es, in den zwanziger und dreißiger Jahren, ein stolzes Harlem, ein serviles Harlem und ein ausgekochtes Harlem - das letztere, natürlich, von Weißen mit abgefeimter Routine organisiert.
Harlems stolzeste Zeit begann an einem Februarmorgen des Jahres 1919, mit dem Einmarsch des 369. Infanterieregiments über die Fifth Avenue.
Die 1300 schwarzen Männer und ihre 18 weißen Offiziere hatten in Frankreich monatelang im Feuer gelegen, waren hochdekoriert und hatten sich den Namen "Harlem Hell Fighters" geholt. Mehr noch als ihre Kampfstärke hatten freilich ihre musikalischen Fähigkeiten Freund und Feind imponiert: Big Jim Europe''s Regimentskapelle war eine vorzügliche Ragtime-Band, und ihre gestopften ("sprechenden") Trompeten waren Gesprächsthema in den Schützengräben beider Seiten.
Als die Stiefel der Heimkehrer nun über die Fifth Avenue krachten - der Steptänzer Bill "Bojangles" Robinson paradierte als Tambourmajor
vorneweg -, hob der Anblick der Kolonne das Selbstwertgefühl der hunderttausend Zuschauer am Straßenrand beträchtlich.
Das Hochgefühl dauerte in weiten Kreisen Harlems an, als die politischen Aktivitäten der "New Negro"-Bewegung Schlagzeilen machten und die "Harlem Renaissance" wie eine Kulturrevolution über das Land ging. Die anfangs lediglich literarische Bewegung weitete sich auf alle Künste aus, Schwarze traten als Maler und Bildhauer hervor, schrieben Konzert- und Theaterstücke, Musicals.
In der allgemeinen Hochstimmung blühte auch eine Frauensperson auf, die sich die Partizipation am Ruhm der "Neuen Neger" einiges kosten ließ: die junge schwarze Millionenerbin A''Lelia Walker, mit Abstand Harlems reichste Frau.
A''Lelia, schlank und aufgeschossen, in der Öffentlichkeit gern mit Reitgerte und juwelenbesetztem Turban präsent, hatte von ihrer Mutter ein kosmetisches Imperium geerbt, das auf dem Geheimrezept für ein Haarglättungsmittel basierte.
In dieser Zeit der verzweifelt versuchten Anpassung unternahmen viele Schwarze alles nur Mögliche, sich wenigstens ihrer Haarkrause zu entledigen. "Conken" - etwa: "eine Birne verpassen" - hieß die meist qualvolle Prozedur, die Wolle mit kochendem Leim zu straffen oder mittels einer Mischung aus Vaseline und Pottaschelauge glattzuziehen.
A''Lelia lieferte eine Substanz für kurze und schmerzlose Behandlung und finanzierte mit den Gewinnen die Huldigungen schwarzer Erfolgsmenschen. Die Mäzenin unterhielt eine Villa am Hudson, eine Zimmerflucht auf dem Sugar Hill und ein Stadthaus in der 136. Straße. Überall lud sie die Harlem-Bourgeoisie, die "Black-and-tan-Bohemia", die künstlerische und intellektuelle schwarze Elite zu Frühstück und Soiree - und stets dazu Rothschilds, russische Fürsten, französische Prinzessinnen, New Yorker Salonlöwen, die Nobilitäten des Schnapsschmuggels und der Glücksspielsyndikate und - ihre besonders zärtliche Schwäche - Homosexuelle.
Das Stadthaus in der 136. Straße ließ sie verschwenderisch zum Salon ausbauen, mit goldenen Tapeten, Marmorsäulen und Louis-Seize-Mobiliar, sie gab ihm den Namen "Dark Tower" und lud zu einer amüsanten Einweihungsgesellschaft.
Die Pomade-Millionärin placierte schwarze und weiße Gäste an getrennten
Tischen und ließ sie auch unterschiedlich bewirten: Die Weißen bekamen Kutteln und Gin, die Schwarzen wurden mit Kaviar und Champagner beköstigt.
Doch in Harlems neuer Amüsierbranche, einer lukrativen Unterhaltungsindustrie, wurde mit dem Rassenproblem weniger amüsant umgegangen; da hatten durchweg die Weißen das Sagen, knallharte Unternehmer, überwiegend Kriminelle, die natürlich nicht auf das Fortkommen der Schwarzen, sondern ausschließlich auf ihren Profit bedacht waren.
Ihr Geschäftsgebaren war denkbar einfach: Der Artikel Neger war gefragt bei den Weißen; man mußte ihn also anbieten, um den Weißen das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Zur Vermarktung des Artikels entstand eine künstliche Welt, die mit der Wirklichkeit nichts mehr gemein hatte. Die Seventh Avenue wurde zum "großen schwarzen Weg" herausgeputzt - als Pendant zum weißen Broadway, zur mitternächtlichen Rollbahn für Kolonnen von Lincolns, Cadillacs und Duesenbergs. An der Lenox Avenue brannten die Lichter bis zum Morgengrauen. Ganze Gruppen von Geschäftsführern, meist erfahrene Gangster, standen für die Honneurs bereit: Der Nerz-Set der Park Avenue - allen voran oft und gern Lady Mountbatten - erschien zur Tuchfühlung mit dem schwarzen Pöbel.
Sogar schwarze Künstler ließen sich blenden von der Kulisse. Der Kapellmeister Cab Calloway zeigte sich "ganz ergriffen" von dem Hokuspokus, und Duke Ellington schwärmte: "Arabische Nächte!"
Doch diese Nächte waren sehr amerikanisch: Nicht einmal Freunde und Verwandte konnten den Darbietungen der Künstler beiwohnen - für Schwarze gab es nur den Bühnen- und Personalaufgang. Jim Haskins, der die Geschichte über den Cotton Club geschrieben hat, schildert den Charakter der Harlemer Nachtklubs kurz, klar, wahr: "Schwarze auf der Bühne. Weiße an den Tischen. Gangster hinter den Kulissen."
Natürlich erleichterte die Prohibition den weißen Gangstersyndikaten das Geschäft mit den "typisch Harlemer Attraktionen", der "garantiert echten Negeratmosphäre", dem "wahren Wesen der schwarzen Seele" - einer Mischung aus Jazz und Frivolitäten. Die weißen Gäste soffen gefahrlos schwarzgebrannten Schnaps aus Kaffeetassen; die Polizei, sofern zugegen, ließ sich den Schutz der Clubs, ihrer Besitzer und ihrer Besucher angelegen sein.
Der exklusivste, eleganteste und teuerste Laden war der Cotton Club, den der Chicagoer Gangster Owen Madden, gebürtiger Engländer, Spitzname "Owney the Killer", 1923 in einer Beletage an der Lenox Avenue eröffnet hatte. Der Betrieb hatte 700 Sitzplätze, Dschungel-Dekor und zu unverschämten Preisen Champagner im Angebot.
Im Cotton Club begann die Jazzsängerin Lena Horne mit 16 Jahren als "chorus girl". Hier startete Duke Ellington als Endzwanziger und kreierte seinen Hit
"Take the A Train". Ihm folgten Cab Calloway und sein Orchester.
Junge Neger traten solo mit "Schlangentänzen" auf, die bei den Damen an den Tischen Wünsche weckten. Die Tänzerinnen waren "tall, tan and terrific" - hellgelb, langbeinig und unter 21 - und stimmten die Herren an den Tischen auf spätere Ausschweifungen ein.
Die schwarzen Zuhälter ließen zwar auch weiße Mädchen laufen, doch derentwegen kamen die Nachtbummler nicht nach Harlem. "Je schwärzer, desto besser" - so umschrieb Malcolm X die Wünsche der Kunden im Bordell, "in dem die Neger die abenteuerlichen sexuellen Verirrungen der Weißen befriedigen" mußten.
Schnaps, Sex und Jazz waren auch die Attraktionen von "rent parties" - "Mieten-Feten" -, die eine feste Einrichtung des Harlemer Nachtlebens wurden. Da zahlreiche Einwohner den Wucherzins für ihre Wohnungen aus eigener Kraft nicht mehr aufbringen konnten, luden sie per Handzettel zu nächtlichen Vergnügungen in ihre vier Wände ("gutes Essen, feine Unterhaltung") und zeigten sich beim Gewähren der gewünschten Extras nicht zimperlich.
Mancher Musiker, wie etwa der Pianist Fats Waller, wurde durch seine Auftritte bei rent parties berühmt.
Doch die wahren Talentquellen waren zwei riesige Bumslokale, in denen schon das gemischte Publikum eine Show darstellte: der Savoy Ballroom, der durch den Modetanz "Lindy Hop" und den Evergreen "Stompin'' at the Savoy" unvergessen bleibt, und das Apollo Theatre, über dessen Schmuddelbühne alle Jazz-Größen gingen, von Louis Armstrong bis Charlie Parker, von Jelly Roll Morton bis Miles Davis. Das ehemalige Burlesktheater - eine schäbige, übelriechende, tränentreibend verqualmte Bruchbude mit 1500 Plätzen - ließ einmal in der Woche ausschließlich Amateure ran und brachte dabei immerhin die "First Lady of Song", Big Ella Fitzgerald, hervor.
Das Apollo hielt von allen Harlemer Einrichtungen am längsten durch: Erst Ende der siebziger Jahre wurde es von seinen weißen Besitzern geschlossen und an eine Gruppe schwarzer Unternehmer verkauft. Letztes Jahr wurde es wiedereröffnet - wieder mit einer Nacht für talentierte Amateure, mit einer Losung voller Zuversicht: "Harlem is best."
Wer die 125. Straße heute bis zum Apollo hinunterspaziert, muß die Behauptung zumindest für übertrieben halten - denn rundum haben 50 Jahre _(Links oben: Sylvan Terrace; ) _(rechts unten: Hamilton Terrace. )
Niedergang unübersehbar ihre Spuren eingegraben.
Die Verwahrlosung Harlems begann bereits inmitten seiner Blüte: mit dem Ende der Prohibition, mit dem Beginn der Depression, mit dem ersten Rassenkrawall, mit der zunehmenden Tolerierung schwarzer Künstler auch außerhalb der Negerstadt.
Die allgemeine Legalisierung des Alkohols nahm Harlem viel von seiner Anziehungskraft. Doch die wirtschaftliche Depression traf den Bezirk besonders hart: Die Arbeitslosigkeit war fünfmal so hoch wie im übrigen New York; und noch immer rückten hoffnungsvolle Zuzügler aus den Südstaaten an.
Zeitweise waren bis zu 80 Prozent der Haushalte auf Sozialhilfe angewiesen; die überhöhten Preise des Einzelhandels konnten sie ohnehin nicht mehr zahlen. Prostituierte versuchten, sich als Putzfrauen zu verdingen.
Block für Block wurden die Mieter auf die Straße gesetzt. Betten wurden stundenweise vermietet. Gewalttätigkeiten nahmen dramatisch zu und mündeten in eine Orgie der Zerstörung, den ersten heftigen Rassenkrawall vom März 1935.
Danach war es nie mehr wie vorher.
Die Weißen blieben weg. Der Cotton Club machte dicht in Harlem und versuchte sich am Broadway. Auch die Jazzer aus Minton''s Playhouse traten nun midtown auf, in den Clubs an der 52. Straße. Auf dem Sugar Hill erschienen die Möbelwagen.
Das schöngeistige Harlem, das Harlem der "New Negro"-Bewegung und der literarischen "Renaissance", war unwiederbringlich dahin. Aber auch das laute, das verlogene und das servile Harlem gab es nicht mehr - der lachende, der tanzende und singende Neger war out. Harlem war tot.
Sollte die Wiedererweckung des Quartiers nun tatsächlich geschehen und gelingen, wird es künftig aber ein völlig anderes, ein ganz neues Harlem sein. Die Chancen der Armen und auch der Mittelschicht stehen schlecht - wie überall in Manhattan. Die bevorzugte Sanierung der kostbaren Stadt- und Reihenhäuser an Sylvan und Hamilton Terrace, an Strivers'' Row und Mount Morris Park durch Akademiker, Künstler und Geschäftsleute verrät schon die Tendenz: Jetzt kommen die Reichen; die Armen ab in die Bronx.
Bitterer Kommentar eines Schwarzen: "Wer will schon einen Haufen armer Nigger beherbergen?"
Private Neubauprojekte - wie etwa Eigentumswohnungen nahe dem Central Park, mit Boutiquen, Deli-Läden und Kunstgalerien - erhärten den Trend: Die Preise für die Apartments bewegen sich
bei 100 000 Dollar; wie viele Schwarze können sich das leisten?
Protestparole einer Bürgerbewegung: "Sanierung kann töten!"
Daß weite Flächen Harlems nicht Stadtbrache bleiben konnten, war Baulöwen und Maklern wohl schon lange klar.
Manhattan leidet derartige Wohnungsnot, daß Zuzüglern allen Ernstes geraten wird, sich zunächst mal um eine Bleibe zu kümmern und erst dann nach einem Job umzusehen. Der Leerstand beträgt allenfalls ein Prozent, und Mieten und Preise steigen stündlich.
Als unlängst per Annonce ein Apartment an der Upper East Side für 2000 Dollar Monatsmiete angeboten wurde, meldeten sich auf Anhieb 200 Interessenten.
Letzten Herbst rechnete die New Yorker Handelskammer in Miet- und Preisvergleichen sowie anhand der Lage in der Infrastruktur den Bürgern der Stadt die Unterschiede und Gemeinsamkeiten ihrer Nachbarschaften in Manhattan vor - so auch für das goldene Getto der Millionäre an der Upper East Side und für das schwarze Getto von Central Harlem, die ungefähr fünf Autominuten auseinanderliegen.
Das Herzstück von Midtown, die Kreuzung Fifth Avenue und 42. Straße, ist per Bus und U-Bahn von Harlem aus in der gleichen Zeit zu erreichen wie von SoHo oder City Hall: in 20 bis 35 Minuten.
Der feine Unterschied liegt derzeit nur im Preis. Die Monatsmieten an der East Side sind mittlerweile bis auf 3500 Dollar geklettert; eine vergleichbare Fläche in Harlem liegt bei 400 bis 600 Dollar. Häuser an der East Side kosten zwischen 750 000 und 7,5 Millionen Dollar. In Harlem sind sie zur Zeit noch für 70 000 bis 250 000 Dollar zu haben.
Stolz erstattete ein junger New Yorker Erfolgsmeldung: Er habe ein Harlem-Haus für 45 000 Dollar ge- und drei Monate später für 140 000 Dollar verkauft, ohne auch nur einen Cent zusätzlich
in das Gebäude investiert zu haben.
Und das ist die Frage: Wie viele Käufer wollen tatsächlich in Harlem siedeln, und wie viele wollen nur spekulieren? Fast täglich erscheinen Zweckmeldungen, positive wie negative und immer wohl gelogene. Brutalste Bekundung eines Baulöwen: "Harlem wird erst dann für Investoren attraktiv, wenn es hundertprozentig desinfiziert ist."
Soviel steht fest: Um Harlem wird jetzt gepokert. Das beste Blatt hält dabei die Stadtverwaltung, der in Harlem ein gewaltiger Fundus an preisgegebenen Immobilien zugefallen ist: 1400 Mehrfamilien- und 300 Stadthäuser.
Vor allem die begehrten Reihenhäuser werden nun peu a peu zu Festpreisen verlost; doch schon bei der ersten Auslosung von zwölf Häusern kam es zum Eklat: nur fünf gingen an Harlemer Bürger, sieben an auswärtige Bewerber.
Harlem reagierte empört und unterstellte dem Bürgermeister Ed Koch, daß seine Sympathien auch in diesem Falle beim weißen Kapital, jedenfalls nicht bei den Schwarzen gewesen seien.
Koch rechtfertigte sich in seiner bekannten Art: Niemand, reich oder arm, habe ein gottgegebenes Anrecht auf eine Nachbarschaft; die Stadt würde keinen Unterschied machen zwischen Ansässigen und Auswärtigen, würde nicht Schwarze, aber auch nicht Weiße diskriminieren.
Viele Schwarze meinen, es existiere auch kein gottgegebenes Recht, ewig Bürgermeister zu bleiben. Ihr derzeit sehnlichster Wunsch: daß nach dem Vorbild anderer amerikanischer Großstädte - Los Angeles, Chicago, Washington, Detroit - auch New York endlich einen schwarzen Bürgermeister bekommen möge.
In der Stadt leben 1,8 Millionen Blacks, fast 25 Prozent der Bevölkerung. Sie bilden Amerikas größte schwarze Kommune.
[Grafiktext]
"Das Gelobte Land wurde zur Hölle" Harlem - Hauptstadt der Schwarzen George Washington Bridge Audubon Ballroom BRONX Sylvan Terrace HUDSON RIVER "Sugar Hill" 155. STRASSE Hamilton Terrace ehem. Cotton Club HARLEM R. ehem. Savoy Ballroom "Strivers'''' Row" ehem. Dark Tower Small''''s Paradise Wells'''' Restaurant 135. STRASSE Riverton Houses Apollo Theatre State Office Building Lenox Terrace 125. STRASSE Theresa Towers (Theresa Hotel) Mount Morris Park West Malcolm Shabazz Masjid (Moschee der Black Muslim) 116. STRASSE EIGHTH AVENUE (DOUGLASS BOULEVARD) SEVENTH AVENUE (POWELL BOULEVARD) LENOX AVENUE FIFTH AVENUE MADISON AVENUE PARK AVENUE CENTRAL PARK NEW YORK George Washington Bridge BRONX HARLEM RIVER HUDSON RIVER HARLEM Central Park MANHATTAN U-Bahn-Linie "A" QUEENS EAST RIVER BROOKLYN 5 Kilometer
[GrafiktextEnde]
Links oben: Sylvan Terrace; rechts unten: Hamilton Terrace.
Von Karl-Heinz Krüger

DER SPIEGEL 11/1985
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