11.03.1985

GESTORBENJohn B. Kelly

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John B. Kelly, 57. In seiner Jugend stand er ganz unter der Fuchtel seines Vaters. Der Junge aus Philadelphia mochte das Football-Spiel, doch Vater Jack stellte dem plattfüßigen, kurzsichtigen und farbenblinden Jungen die rhetorische Frage: "Was möchtest du lieber sein, die Nummer hundert der Football-Spieler von Philadelphia oder die Nummer eins im Rudern?" Klar, daß dem Jungen nur das Boot blieb. Trotz immensen Trainingsfleißes konnte John nicht solchen sportlichen Ruhm ernten wie sein Vater: Bei den Olympischen Spielen in Melbourne 1956 wurde er im Einer nur Dritter (und hatte sich so verausgabt, daß er vom Steg bewußtlos ins Wasser stürzte). Sein Vater hatte in seiner Jugend drei Goldmedaillen im Rudern geholt. Kelly sen. trainierte Sohn John auch für die Rolle des Familienoberhauptes: Er handelte im Auftrag des Clans für Schwester Grace, die 1956 Fürst Rainier von Monaco heiratete, einen minuziösen Ehevertrag aus. Nach dem Tod des Patriarchen 1960 übernahm John (seine Mutter: "Er kann nicht nein sagen") eine Vielzahl von Ämtern: Er wurde unter anderen Boß der väterlichen Baufirma, Direktor eines Uni-Museums, einer Lebensversicherung, Präsident des Amateursport-Verbandes der USA und Anfang dieses Jahres Vorsitzender des Nationalen Olympischen Komitees. Als Sportfunktionär setzte er sich von Anfang an dafür ein, den unzeitgemäßen Amateurstatus den Realitäten anzupassen. Er starb vorletzten Samstag beim Joggen in Philadelphia.

DER SPIEGEL 11/1985
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