18.11.1985

Furcht und Elend im Bayernfunk

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Gleich zwei Bildungsträger der CDU, Dorothee Wilms (Bonn) und Hanna-Renate Laurien (Berlin), hatten es urkundlich und eigenhändig bestätigt: Die Aufführung sei "beispielhaft", "herausragend" und eine "wichtige Anregung für das Jugendtheater in der Bundesrepublik Deutschland". Nicht so für das bayrische Fernsehtheater. Letzten Montag sollte in der Jugendreihe "Live aus dem Alabama" des Bayerischen Rundfunks die Hamburger Gruppe "Niemandsland" auftreten, mit ihrer Eigenproduktion "Tanz' den Adolf Hitler": eine Szenen-Collage über "persönliche Erfahrungen der zweiten Generation mit dem Faschismus", die beim "Theatertreffen der Jugend '85" in Berlin Furore gemacht hatte. Doch vier Tage vor dem Live-Auftritt blies der Sender den "Tanz" ohne Begründung ab. Furcht und Elend im Bayernfunk? Heftige Nasenstüber vom Staatskanzlisten Edmund Stoiber hatten sich die "Alabama"-Macher nach einer vorhergehenden Sendung zum Thema "Gewalt bei Demonstrationen" eingefangen, die Reihe war vom Ableben bedroht. Am vorigen Montag nun gab es statt des "Tanzes" ein ganz, ganz heißes Thema: "Neue Treue".

DER SPIEGEL 47/1985
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