10.03.1986

HANDELGanz klein

Neues von den Japanern: Sie wollen deutsche Ware unter eigener Marke verkaufen. *
Längst haben sich die Verbraucher daran gewöhnt, daß nicht alles deutsch ist, was deutsch aussieht. Hinter zahlreichen heimischen Marken, etwa bei Videorecordern und Hi-Fi-Gerät verbirgt sich oft japanische Technik.
Nun soll es auch einmal andersherum gehen. Vom kommenden Herbst an möchte der Elektrokonzern Matsushita Waschmaschinen, Trockner und Geschirrspüler unter seiner Marke anbieten - produziert werden sollen die Geräte in deutschen Fabriken.
Mit kleinen Haushaltsgeräten ist Matsushita unter seiner Marke Panasonic in Deutschland bereits vertreten. Die Japaner vertreiben über Kaufhäuser und Fachgeschäfte Mikrowellen-Herde, Kaffeemaschinen und Bügeleisen; auch Staubsauger - aus einem Matsushita-Werk in Spanien - sind dabei.
Nur Großgeräte wie Waschmaschinen und Trockner fehlen den Japanern noch um die Deutschen mit einem komplette; Angebot zu locken. In der Sparte Hausgeräte erzielte die deutsche Tochter im vergangenen Jahr den höchsten Umsatzzuwachs (54 Prozent). Auf diesem Markt möchte sich Matsushita, so Deutschland-Statthalter Seinosuke Kuraku, deshalb "als Vollsortimenter präsentieren".
Zwar könnte Panasonic auch eigene, Produkte anbieten, denn in Japan stellt Matsushita sämtliche Großgeräte her. Doch das wäre nicht die Art von Geschäft, die den Japanern gefallen könnte. Der Transport der schwergewichtigen und sperrigen Geräte wäre so teuer, daß sie gegen die harte europäische Konkurrenz völlig chancenlos wären.
So suchte Kuraku Hilfe bei deutschen Produzenten. Seit Monaten verhandeln die Japaner mit der Münchner Bosch-Siemens Hausgeräte GmbH (BSHG), die in Berlin und Giengen produziert. Es wäre der logische Partner: Matsushita beliefert die Münchner seit langem mit einfachem Mikrowellen-Gerät und Bauteilen.
Auf der Hausgeräte-Messe Domotechnica in Köln waren vergangenen Monat bereits Waschmaschinen, Trockner und Geschirrspüler der Marke Panasonic, made in Germany, zu sehen. Das sei ein Test gewesen, sagt Kuraku. Der Versuch verlief jedoch so zufriedenstellend, daß Panasonic nun ernsthaft mit der Bosch-Siemens-Tochter ins Geschäft kommen will.
"Natürlich spricht man darüber", bestätigt auch Gerhard Martin von der BSHG. "Aber wie die Japaner so verhandeln - wir haben seit drei Wochen nichts mehr von denen gehört."
Der Gedanke, daß heimische Ware demnächst unter japanischem Namen verkauft werden könnte, ist den Deutschen offenbar selbst noch unheimlich. Journalisten, die ihn mit "impertinenten Fragen" nach dem Stand der Verhandlungen behelligen, droht der BSHG-Sprecher: "Ich setze Sie auf meine schwarze Liste."
Dabei kann die von den Japanern angestrebte Partnerschaft der BSHG bislang noch kaum Sorgen machen. Die Japaner jedenfalls zeigen sich rücksichtsvoll: "Wir werden", sagt Panasonic-Chef Kuraku, "ganz klein beginnen."

DER SPIEGEL 11/1986
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