10.03.1986

Statistik soll geschönt werden

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Mehr als 100000 Arbeitslose bekommen in diesen Tagen Post von Heinrich Franke: Der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit möchte ihnen ein Angebot vom Jahresanfang erneut schmackhaft machen. Arbeitslose, die 58 Jahre und älter sind, können auch dann Geld vom Arbeitsamt beziehen, wenn sie an einer neuen Stelle nicht mehr interessiert sind. Mit der Unterschrift auf dem entsprechenden Formblatt entziehen sie sich der lästigen "Verfügbarkeit" auf dem Arbeitsmarkt, bislang Bedingung fürs Arbeitslosengeld. Der Nachteil für die Betroffenen: Sie verpflichten sich, so früh wie möglich Rente zu beantragen. Weil das zu teilweise erheblichen Einbußen bei der Rente führt, gab es bislang nur wenige Interessenten. Bis Ende Februar fanden die Arbeitsvermittler erst 1364 Arbeitnehmer, die sich auf das schlechte Geschäft einließen. Das Schreiben der Arbeitsämter unterstützt die Bemühungen der Regierung Kohl, die Arbeitslosenstatistik durch Streichung älterer Arbeitsloser zu schönen.

DER SPIEGEL 11/1986
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